Jeden Tag landen Tausende Tonnen Lebensmittel im Müll. Einfach so. Naja, einiges ist bestimmt wirklich nicht mehr genießbar, aber die meiste Ware ist in einem super Zustand. Leute, die diese Lebensmittel retten nennt man Dumpster. Magdalena ist so eine. Sie erzählt uns ihre Erfahrungen mit der Lebensmittelindustrie.

Während meiner Ausbildungszeit als Kindergartenpädagogin schauten wir als gesamte Schule den österreichischen Film  „We feed the World“ von Erwin Wagenhofer im Kino an. Die Tatsache, dass in Wien täglich so viel Brot im Müll landet, wie Graz an einem Tag isst, stimmte mich damals und stimmt mich bis heute sehr nachdenklich. Im Bewusstsein, dass mein Opa nach dem zweiten Weltkrieg mit 48 kg aus der russischen Gefangenschaft zurück in die Heimat kam und auf Lebensmittelkarten angewiesen war, und es heute immer noch Kinder und Erwachsene auf dieser Welt gibt, die an Hunger sterben, ist unser heutiger Umgang mit Lebensmitteln in meinen Augen ein Armutszeugnis.

Die Mülltonne, eine Schatzkiste

Meine Freundin, die in Wien studierte, machte mich auf die Möglichkeit des „Dumpsterns“ aufmerksam und schulte mich bei einer nächtlichen Tour ein. Dumpstern heißt, dass noch gut erhaltene Lebensmittel, die in den Mülltonnen der Supermärkte landen, von Menschen gerettet werden. So fuhren wir in einer Sommernacht von Mülltonne zu Mülltonne. Was wir da alles fanden war für mich erschreckend. Von Kartoffeln, Karotten, Tomaten, Brot, Äpfeln, Zwiebeln, Paprika, Gurken, Spülmittel, Deos, Schokolade, Bananen usw. war alles zu finden. Zuhause angekommen haben wir die wertvollen Lebensmittel aus der Mülltonne genossen und darüber diskutiert in was für einer Welt und Zeit wir eigentlich leben.
Nur ca. 6 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel werden in Österreich an soziale Einrichtungen weitergegeben.

Ein unnötiger Kreislauf

Natürlich löst das Dumpstern auf längere Sicht das Problem der Lebensmittelverschwendung nicht. Zumal die Mülltonnen jeden Tag wieder aufs Neue mit wertvollen Lebensmittel gefüllt werden und immer mehr Mülltonnen auch abgesperrt werden, so dass das Retten der Lebensmittel für den Einzelnen gar nicht mehr möglich ist.

Lösungsansätze

Die UNO hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 die Lebensmittelverschwendung halbiert wird. Das heißt, dass die EU-Staaten ab 2020 der EU-Kommission alle zwei Jahre ihre Reduktionsschritte mitteilen müssen. Ich bin gespannt wie Österreich seinen Beitrag zur Erreichung dieses Zieles leistet. Beispielsweise in Frankreich werden Supermärkte ab einer Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern seit Jahresbeginn verpflichtet, nicht verkaufte Waren billiger abzugeben oder zu spenden.
Aber nicht nur die Politik kann ihren Beitrag leisten, sondern auch jede/r Einzelne von uns als Konsument/in. Überleg dir beispielsweise bei deinem nächsten Einkauf einfach einmal folgende Fragen: Brauche ich das wirklich? Welchen Nutzen hat das? Wie viel brauche ich wirklich davon? Werde ich die Lebensmittel bevor sie schlecht werden verbrauchen können? Wenn wir als Konsument/innen uns verändern und die Politik ihren Beitrag leistet, dann haben wir mehr Chancen, dass sich was verändert und die Lebensmittel den Wert bekommen, den sie eigentlich haben.

Wertschätzung

Wer selbst einmal im Garten gearbeitet hat, weiß wie viel Zeit es benötigt und wieviel Aufwand es ist eine Pflanze vom Samenkorn bis zur geernteten Frucht zu begleiten. Und doch ist es jedes Mal ein Wunder, wie ein Gemüse wächst und schlussendlich geerntet werden kann.

Dieser Artikel erschien im anstösse zum Thema "Viele kleine Schritte".

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