Gerhard Tschapeller, 25 Jahre, studiert an der Krankenpflegeschule in Feldkirch im letzten Ausbildungsjahr

Erzähl kurz von dir und wie du an den Beruf des Krankenpflegers geraten bist.

Ich habe davor eine Lehre gemacht und sechs Jahre lang als Verpackungstechniker in der Rondo in Frastanz gearbeitet. Aber irgendwann hab ich bemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist. Ich hatte eine sich ständig wiederholende Routine, wurde unflexibel und Umentschieden, denn ich wollte etwas anderes machen, es sollte etwas mit Menschen sein und eine flexiblere Arbeit. Krankenpfleger hat sich da perfekt angeboten.

Wie sieht die Ausbildung dazu aus?

Die Ausbildung dauert drei Jahre und schließt mit einem Diplom ab, dann ist man diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, das ist auch die Berufsbezeichnung.

Welche Lehrinhalte werden vermittelt und wie praktisch orientiert ist die Ausbildung?

Theorie- und Praktikumsblöcke wechseln sich ständig ab und salopp gesagt, je fortgeschrittener die Ausbildung ist, desto mehr Praktikum. Im ersten Jahr sind es zwei Praktika und in den beiden Folgejahren sind es jeweils fünf Praktika, die in Zeit variieren zwischen vier und neun Wochen. Dazwischen kann es sein, dass man auch einzelne Schultage hat oder auch Prüfungen.

Die Lehrinhalte sind die ganze menschliche Anatomie, alles was den Menschen selbst im sozialen Umfeld anbelangt, also eigentlich das komplette Paket Mensch. Sowohl der Akutbereich also Krankenhaus, Langzeitbereich wie beispielsweise Altersheime, als auch die Hauskrankenpflege und Sozialdienste werden vermittelt.

Wie kommt man an solche Praktika?

Die Praktika werden von der Administration zugeteilt, ab dem zweiten Jahr gibt es Wunschpraktikas, wo man sagen kann, was man machen will. Im ersten Jahr entscheidet sich für die meisten, ob der Pflegeberuf überhaupt was für sie ist. Krankenpfleger oder Krankenschwester, das klingt gut, jeder spricht davon, aber man weiß eigentlich nicht, was da alles dahinter steckt. Nach dem ersten Jahr mit sehr viel theoretischem Unterricht und zwei Praktika, kann man gut einschätzen, ob es für einen passt oder nicht. Dann weiß man ungefähr Bescheid, welche Richtungen man einschlagen kann und hat so eine Entscheidungsgrundlage.

Was war für dich das interessanteste Praktikum?

Das interessanteste Praktikum, das ich bisher gemacht habe, war in der Unfallchirurgie und das ist auch das, was ich machen will. Das ist etwas Greifbares. Die Menschen kommen aufgrund eines tragischen Geschehnisses hierher und brauchen akut Hilfe. Mich interessieren die ganzen Behandlungsstrategien und Verletzungsmuster. Ich kann mir auch vorstellen, irgendwann auf der Intensivstation zu arbeiten.

Wie intensiv ist die Ausbildung?

Man muss es schon wirklich wollen, denn diese drei Jahre Ausbildung sind hart. Man muss sich mitunter auch nach einem Acht- oder Zehn-Stunden-Tag noch hinsetzen um zu lernen. Nach meiner Erfahrung schafft man es sonst einfach nicht. Man muss auch psychisch sehr belastbar sein und sehr flexibel, was die Arbeitszeit angeht aber auch bezüglich der Lernzeiten. Das Privatleben wird dadurch bestimmt eingeschränkt. Ich kann mir vorstellen, dass das Studium einfacher ist, als diese duale Ausbildung.

Was für Ausbildungsmöglichkeiten gibt es? Welche Berufsfelder kann man dann ausüben?

Es gibt die Schule für allgemeine Kranken- und Gesundheitspflege in Feldkirch und auch in Bregenz, die psychiatrische Krankenpflegeschule in Rankweil und verschiedene Sonderausbildungen. Die allgemeine umfasst das Krankenhaus im allgemeinen. Die Langzeitpflege ist z.B. das Altersheim oder die Hauskrankenpflege. Die psychiatrische ist speziell für Neurologie und für psychische Störungsmuster.

Als Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es die Intensiv- und OP-Sonderausbildungen aber auch die Stationsleiter-Ausbildung oder der Einstieg ins mittlere Management. Es gibt auch ein Studium der Pflege, das man genauso auch an diese Ausbildung anhängen kann. So kann man auch in den wirtschaftlichen Bereich und eine Institution leiten oder in den pädagogischen Bereich, wo man dann in Ausbildungseinrichtungen unterrichtet. Das geht weiter bis zum Doktor.

Wie hat dieser Beruf in jüngster Zeit solche Popularität gewonnen?

Das erkläre ich mir mit dem Einfluss der Medien. Durch den herrschenden Pflegemangel in Österreich aber auch in Deutschland und der Schweiz, ist das natürlich immer in den Medien. Die Krankenschwester kennt jeder und deshalb ist der Job natürlich in den Köpfen der Menschen, aber vom Beruf Krankenpfleger hab ich erst erfahren, als ich mit Menschen aus diesem Umfeld zu tun hatte. Ich war bei der Rettung und dort hat sich für mich erst die Möglichkeit eröffnet, in der Pflege zu arbeiten. Ursprünglich wollte ich Medizin studieren, aber das geht mir dann doch etwas zu lange.

Würdest du die Krankenpflege als Frauendomäne bezeichnen?

Es ist absolut ein Beruf, der von Frauen dominiert wird. Es fällt auch auf, dass viele Männer, die als Pfleger abschließen, Führungspositionen besetzen und so oft von der Pflege weg kommen. Die Frauen sind dann meistens diejenigen, die tatsächlich am Krankenbett stehen. Für viele Frauen ist es auch so, dass sie irgendwann schwanger werden und dann aber wieder zurück kommen in diesen Beruf. Es sind sicher 90 bis 95 % Frauen in diesem Beruf. Typische Männerstationen sind beispielsweise OP, Anästhesie und Intensivpflege, dort wo es viel Technik gibt. In den Stationen selbst werden es immer weniger Männer. Es herrscht sowieso Pflegemangel, also es fehlen sowohl Frauen als auch Männer. Es gibt überall zu wenig Personal.

Was sind Anreize, um diesen Job zu machen?

Die Bezahlung ist mit Sicherheit besser als wenn man einen Lehrberuf ausübt. Aber für mich persönlich ist das Geld nicht reizvoll. Selbstverständlich ist die Bezahlung ein Aspekt und für viele auch wesentlich. Speziell in Österreich und der Schweiz ist der Job sehr gut bezahlt, weshalb auch viele Deutsche hierher kommen. Aber Geld verliert seine Bedeutung, wenn man am Morgen aufsteht, sich im Spiegel betrachtet und sagen muss, dass das was man macht nicht das Richtige ist. Was den Beruf auch sehr interessant macht ist, dass man prozentual Arbeiten kann, so wie man will, seien 23, 50 oder 70%. Diese Flexibilität macht den Job ebenfalls für viele interessant. So kann man beispielsweise mit einer Partnerin die Arbeit aufteilen und sicher stellen, dass immer jemand zu hause ist.

Was sind typische Tätigkeiten? Wie sieht der Arbeitsalltag aus?

In den Köpfen den Allgemeinheit schwirrt die Vorstellung herum, dass man die ganze Zeit Leute wachen muss. Natürlich ist das auch ein großer Teil der Aufgabe. Am Morgen startet man mit der Grundpflege und unterstützt beim Waschen bei Personen, die sich selbst nicht mehr waschen können. Dann wird der ganze Tag vorbereitet. Im Akutbereich kommen die Patienten dann zu ihren Untersuchungen. Wir helfen auch überall, wo die Menschen selbst nicht können. Man informiert die Patienten über die ganzen Abläufe. Aber es gibt da auch viele andere Bereiche, wo man mitverantwortlich ist, wie beispielsweise Medikamente und auch deren Applikationen, also Spritzen und Infusionen. Man macht auch Therapien mit dem Operateur mit, um dem Patienten zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Ein ganz großer Bereich ist aber auch die Dokumentation. Eigentlich ist es ein sehr technischer Beruf und man muss alles dokumentieren und beweisen können. Da immer mehr Menschen auch klagen und Geld wollen, ist diese Beweispflicht ein wesentlicher Aspekt der Arbeit, der bis zu einem Drittel des Tages in Anspruch nehmen kann. Und der Rest ist die Pflege am Bett, was natürlich auch dazu gehört.

Wie wichtig ist der soziale Aspekt in der Krankenpflege?

Das kommt natürlich auf die Pflegeperson selbst an und darauf, wie man seinen Arbeitstag managed. Im Krankenhaus ist der soziale Aspekt sehr minimiert aus zeitlichen Gründen. Dass man beim Menschen ist und auf ihn eingehen kann, ist also ein eher kleiner Aspekt. Anders im Altersheim, wo man die Zeit und die Möglichkeit hat, auf die Menschen einzugehen. Trotzdem hat man auch im Akutbereich mehr Kontakt mit den Patienten als ein Arzt oder sonstige Therapeuten.

Welche Voraussetzungen sollte man für diesen Beruf mitbringen?

An oberster Stelle steht die Sozialkompetenz. Man darf hier kein Einzelkämpfer sein, sondern muss Teamfähigkeit mitbringen. Es geht nichts ohne das Team, man kann hier kein Einzelentscheider sein.

Wie fühlst du dich in diesem Job? Was hast du hier gefunden?

Für mich ist es ein Traumjob und es ist auch absolut ein Job für Männer. Ich gehe voll und ganz auf in diesem Beruf und kann das jedem weiter empfehlen, auch jedem Mann. Da gibt’s nichts, wo ich sagen würde, das würde ich nicht nochmal machen wollen.

Ich habe den Zugang zum Menschen gefunden. Das was ich von den Menschen zurück bekomme, das erfüllt. Davor habe ich mit Materialien gearbeitet und da kommt nicht viel zurück. Da hat man einfach am Ende des Monats ein Gehalt auf dem Konto und das macht dich entweder glücklich oder eben nicht. Aber hier kriegt man wirklich was zurück, wenn es nur ein kleines Lachen ist. Und das ist das was mich erfüllt. Das klingt vielleicht ein wenig romantisch, ist aber genau das, was es ausmacht.

Von Peter Ionian veröffentlicht am 31.10.2011

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