Quelle: Die NEUE Vorarlberger Tageszeitung
Text Danielle Biedebach
Fotos Klaus Hartinger

Große Geschichten in kleinen Szenen.
Sie sind kaum bekannt – zumindest in den hiesigen alemannisch geprägten Gefilden: Fastenkrippen. Gleich wie bei der Weihnachtskrippe werden dabei Szenen aus dem Leben Jesu Christi dargestellt. In diesem Fall sind es die Geschehnisse der Karwoche. Vom Einzug nach Jerusalem, dem letzten Abendmahl und der Zusammenkunft im Garten Getesmani über die Verurteilung, die Dornenkrönung und den Kreuzweg bis hin zur Kreuzigung und der Auferstehung von Jesus Christus. Dementsprechend groß sind die Raritäten dann auch.
Eine von zwei Fastenkrippen im Land steht in der Fastenzeit in der Pfarrkirche in Klaus. Gleich rechts vom Altar. Immer wieder entdeckt der Beobachter neue Details. Sogar die Beleuchtung wurde installiert und erhellt das Lagerfeuer im Garten Getsemani oder die kleinen Fenster der Gebäude in der Stadt. Es ist offensichtlich eine filigrane und zeitintensive Arbeit, die da vollbracht wurde.

1000 Stunden. Der Passionierte Krippenbauer Jakob Lercher aus Klaus hat etwa 1000 Stunden Handarbeit in des Exponat investiert. Die Herausforderung besteht in den Figuren die die Szenerie quasi zum Leben erwecken sollen. Die Beschaffung von Figuren in den üblichen Positionen sein einfach. Doch sobald diese eine spezielle Haltung einnehmen sollen, wird Lercher selbst kreativ. So hat er etwa Pontius Pilatus, während er das Urteil über Jesus von Nazareth spricht, kreiert. Oder auch „Statisten“ wie etwa Passanten oder Marktverkäufer. Besser seien da die Krippenbauer in Tirol oder Südtirol dran. Dort sei die Tradition der Fastenkrippe weitaus häufiger verbreitet. Teilweise werden Figuren sogar in Lebensgröße gestaltet ausgestellt. Warum der Brauch hierzulande nur wenig verbreitet ist? „Die Frömmigkeit ist nun mal verschieden. Die Alemannen haben diesbezüglich wohl eine eher nüchterne Art“, vermutet der Pensionist.

Szenenwechsel. Bedeutend und unverzichtbar ist laut Lercher nicht nur die Darstellung der einzelnen Szenen, sondern auch das Hintergrundbild. Dieses positioniert die Geschehnisse in die passende Umgebung. In diesem Fall wurde die Landschaft vom Götzner Künstler Emil Bell gestaltet. Gestaltet deswegen. Wie nicht nur gemalt, sondern auch gespachtelt wurde. So ist eine reliefartige hügelige Umgebung entstanden. Der Blick wird auf das Hinterland und den Himmel freigegeben. Wolkenformationen – mal bedrohlich mit Blitzen, mal leicht mit durchdringenden Sonnenstahlen – „unterstreichen“ die Geschehnisse im Vordergrund.
Die Basis. Lerchers Krippe ist übrigens nicht neu. Vielmehr ist es ein Basiskonstrukt, welches je nach Jahreszeit zur Weihnacht- oder Fastenkrippe modifiziert werden kann. Tempel und Häuser lassen sich entfernen. Ebenso das Grab Jesu. Die leeren Stellen werden dann im Handumdrehen durch andere Bauwerke ersetzt. Und auch der Hintergrund lässt sich drehen. Plötzlich befindet sich der Ort des Geschehens in einer Wüstenlandschaft. Nach Ostermontag wird das Exponat wieder abgebaut und bei Lerchers wieder eingelagert. Denn nicht alle Materiealien mögen warme Temperaturen. „Der Hintergrund samt Spachtelung sollte eher in kühler Umgebung stehen. Wärme würde die filigrane Arbeit zerstören, weiß der Fachmann.