Der Heilige Josef - Ein Mann der Tat mit großem Herzen

Josef, der an der Krippe die Laterne hält. Josef, mit dem Jesuskind am Arm, mit einer Lilie und den Handwerkzeugen eines Zimmermanns: Das sind womöglich die Bilder, die viele von ihm vor Augen haben. Denn so oder so ähnlich zeigen ihn viele Darstellungen. Doch wer war der Mann hinter Jesus und Maria? Wie hat er gelebt und vor allem, was hat ihn durch alle Jahrhunderte hindurch so beliebt gemacht?

In der Heiligen Schrift wird wenig über Josef mitgeteilt. Die Evangelisten überliefern kein einziges Wort aus seinem Mund. Über sein Leben ist also nur wenig bekannt. Und doch weist Josef vom Rande her auf die Mitte hin, auf die Heilsgeschichte Gottes, die sich in Jesus von Nazareth, dem Christus, auf einmalige Weise verdichtet.

Der Evangelist Matthäus zeigt besonderes Interesse an Josef und erzählt aus seiner Perspektive. Er schreibt, dass Josef aus dem Hause Davids abstammt, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde.

Josef lebte als Zimmermann in Nazareth. Er war mit Maria, der Tochter Joachims und Annas, verlobt. Die Verlobung war erfolgt, noch bevor der Erzengel Gabriel Maria erschien und ihr die Botschaft brachte, dass sie vom Heiligen Geist empfangen werde. Durch die überraschende Schwangerschaft Marias entstand für Josef ein außergewöhnlicher Konflikt. Im Matthäusevangelium wird berichtet, dass Josef an Marias Treue zweifelte und sich in aller Stille von ihr trennen wollte. Doch gemäß der Anweisung des Engels nahm Josef Maria zu sich und gab dem Kind den Namen „Jesus“. Die Überwindung des inneren Konflikts, die Annahme Jesu als Sohn und die damit verbundene Verantwortung zeugt von einem großen und weiten Herzen. 

Josef war ein gläubiger Jude. Die Heilige Schrift charakterisiert ihn im Grunde mit einem einzigen Wort: Josef war „gerecht“, d.h. in der Sprache der Bibel: Er kannte die Weisungen und das Gesetz Gottes und lebte daraus.

Zum persönlichen Profil Josefs gehört somit ganz wesentlich, dass er sein Leben nach der Thora, nach dem göttlichen Willen ausrichtete und gestaltete. Dabei macht der hellhörige und wachsame Glaube Josefs nicht lärmend auf sich aufmerksam. Er wird im Gehorsam zur unaufdringlichen Tat der Liebe, in der sich das rettende Handeln des himmlischen Vaters zeigt.

In der jüdischen Überlieferung ist es Aufgabe des Vaters, sein Kind in den Glauben und in die Überlieferungen der Väter einzuführen. Somit kam Josef für die religiöse und menschliche Reifung Jesu eine besondere Verantwortung zu. Dazu gehörte es auch, Jesus mit den großen jüdischen Festen vertraut zu machen, die im Laufe eines Jahres begangen wurden: das Pessach-, das Wochen- und Laubhüttenfest sowie Feste, die mit Wallfahrten zum Tempel verbunden waren. So war Josef nicht nur auf das leibliche Wohl, sondern auch auf das geistliche Wachstum Jesu bedacht.

Josef wird als liebevoller und fürsorglicher Vater beschrieben. Da er mit der Namensgebung Jesus als seinen Sohn anerkannte, galt er nach jüdischem Gesetz als legitimer Vater. Diese Vaterschaft führte ihn in die Verantwortung als Familienoberhaupt. In all den Jahren war Josef durch seine Arbeit bemüht, dem Kind und seiner Frau Maria ein Heim zu schaffen. Lukas fasst die Bedeutung und die besondere Stellung der Eltern Jesu in der Erziehung ihres Kindes in folgende Worte: „Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Mose vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm“ .(Lk2,39-40)

Zum letzten Mal wird Josef in den Evangelien erwähnt, als Jesus zwölf Jahre alt war. Dem Lukasevangelium zufolge pilgerte die Familie damals zum Pessachfest nach Jerusalem. Dabei ging ihnen der 12-jährige Sohn verloren. Nach drei Tagen fanden sie ihn schließlich im Tempel, wo er im Kreis der Lehrer diskutierte. Bei dieser Begebenheit wird Josef das letzte Mal in der Heiligen Schrift erwähnt.  Man nimmt an, dass er noch vor dem öffentlichen Wirken von Jesus gestorben ist.

Was hat also den heiligen Josef durch alle Jahrhunderte hindurch so beliebt gemacht?
Zweifellos ist es seine Nähe zu vielen Bereichen unseres Lebens: Er hat erfahren, was es heißt, Gott in seinem Leben Raum zu geben. Er weiß um die Größe und Würde von menschlichen und göttlichen Geheimnissen. Josef, der stille und bescheidene Handwerker lässt diese Geheimnisse zu. Er hört, glaubt und handelt danach. Im Kern bleibt also die Erkenntnis: Josef war ein verantwortungsbewusster Mann, der in tiefem Glauben und Zuversicht in den göttlichen Heilsplan seine Pflicht erfüllt hat. Ein Vorbild, das zeigt, welch ein Segen in Liebe und Sorge getane Werke der Barmherzigkeit für die Menschheit sind. Insofern ist der heilige Josef für die Kirche und damit für uns ein Geschenk Gottes, mit dem er uns zeigt, was Heiligkeit ohne Ablenkung im Wesen ausmacht: sich in Liebe, im Hören, Schweigen und Handeln ganz Gott zu überlassen.

 

Text: Silvia Pilz (Pfarrlicher Pastoralrat)