In der Urkirche war es üblich, dass die Gläubigen zur Eucharistiefeier Brot und Wein und andere Gaben für die Feier und für die Unterstützung Hilfsbedürftiger mitgebracht haben. Wer einen Gottesdienst in Afrika mitfeiert, kann diese Fülle der Gaben noch heute miterleben.

In jeder heiligen Messe werden die Anliegen der Pfarrgemeinde einbezogen. Alles, was zu unserem Alltag gehört, können wir in der Messe vor Gott legen und Danksagen oder um Hilfe bitten. So kann auch der alte Brauch eine "Messe lesen zu lassen" verstanden werden. Heute ist es nicht mehr allen Gläubigen geläufig, dass sie ganz persönliche Gebetsanliegen für eine heilige Messe einbringen können. Wie es unter den Lebenden Tage gibt, an denen man mehr als sonst aneinander denkt (wie zum Beispiel am Geburtstag), so ist es gute Tradition, dass man besonders anlässlich ihres Todestages an die Angehörigen denkt - in der festen Hoffnung, dass sich für sie das Tor zum Himmel geöffnet hat. Dass Menschen in besonderer Weise auch ihrer Verstorbenen gedenken und bitten, dass an ihnen die Erlösungstat Christi in vollem Maße wirksam sei, ist mehr als verständlich.

So können wir Gott im Gedenken an einen Menschen Dank sagen für das gemeinsam Erlebte, für die guten Zeiten oder auch um Verzeihung bitten für die Versäumnisse im Zusammenleben. Wir können und sollen in einer Messe aber auch um Kraft bitten für einen Kranken, für anstehende Problemlösungen oder um ein friedliches Zusammenleben.

Wir können dem Pfarrer ein persönliches Anliegen anvertrauen und ihn bitten, dieses in einer Messe "Gott ans Herz zu legen". Solche Mess-Intentionen für verschiedene Anliegen, insbesondere für das Seelenheil von Verstorbenen können im Pfarrbüro angegeben werden. Traditionell wird dabei um eine kleine Spende in einer Höhe von € 9,-- gebeten (Mess-Stipendium). Mit den Einnahmen werden die materiellen Kosten einer Messfeier wie Strom, Kerzen, Hostien etc. gedeckt. An dieser Stelle bedanken wir uns - unabhängig von den Gebetsanliegen - bei allen Messbesuchern und Spendern für ihre Unterstützung - seien sie zweckgebunden z.B. für den Blumenschmuck und für Kerzen oder nicht. Mit dem Mess-Stipendium wird der Verstorbene nicht vom Fegefeuer losgekauft. Gott ist nicht bestechlich oder gar käuflich. Und das Geschehen nach dem Tod liegt nicht in unserem Zeitverständnis.

Mit der Spende wird also nicht die Messe bezahlt. Die heilige Messe ist "unbezahlbar". Wir feiern sie immer in Verbundenheit mit Christus und der Kirche. Das Gebet in der heiligen Messe ist für uns eine große Hilfe im täglichen Leben. Auch Christus hat beim Vater im Himmel für die Gesundung von Menschen und ihr Seelenheil gebetet. Das Mess-Stipendiums bringt unsere Bereitschaft zum Ausdruck, an den Aufgaben der Kirche mitzuwirken und die Not der Bedürftigen zu lindern. Wer sich in der Feier der Eucharistie von Gott beschenken lässt, weiß sich selbst verpflichtet zur Hingabe in der Nachfolge Chri­sti. Dies ist auf vielerlei Weise möglich: Durch konkrete Hilfe für einen Mitmenschen, um den sich niemand kümmert, durch einen Besuch bei einem Kranken oder zum Beispiel durch ein Wort der Entschul­digung, wo wir andere verletzt haben oder eben in Form einer kleinen Anerkennung für den liturgischen Dienst. Das Mess-Stipendium soll nicht zu einem bequemen Ersatz für die Hingabe und den Dienst am Mitmenschen werden. Halten wir die Messe heilig als unbezahlbare Begegnung mit Christus, der uns mit sich und untereinander verbindet und uns füreinander in Dienst nimmt!