Beten kannst du immer und überall! In seiner einprägsamen Festansprache machte dies der Abt von Einsiedeln am Beispiel einer Begebenheit deutlich, die er kürzlich während einer Bahnfahrt erlebte.

Im Zug befand sich eine junge Mutter mit einem Kind im Kinderwagen und einem Kind, das neben ihr saß. Die Mutter war dauernd am Handy – und zwar in voller Lautstärke. Der ganze Wagen musste mithören. Die Situation war eindringlich und ernst. Alle wurden mit vereinnahmt, ob man wollte oder nicht. Niemand konnte sich mit etwas anderem beschäftigen. Das größere Kind der Frau versuchte sich an die Mutter zu schmiegen und stellte ab und zu eine Frage. Auch das Kind im Wagen schrie hin und wieder. Keine Chance. Die Mutter war am Handy. Sie sprach ununterbrochen mit einem Mann. Vermutlich war es der Freund ihres Mannes. Lautstark flehte sie ihn um Hilfe an. Sie wiederholte immer wieder, dass sie ihrem Mann heute nicht begegnen wolle, sie würde ihn umbringen. In ihrer Verzweiflung und Wut beschrieb sie dem Freund wo ihr Mann im Schlafzimmer die Drogen aufbewahrt habe... Die Frau war wie abgekapselt. Sie nahm ihre Umgebung nicht mehr wahr. Und wie reagierten die Passagiere? Der Abt berichtete:

„Ich fing an zu beten, denn das kann man immer und überall. Für diese Frau aber auch für die Kinder, für die sich niemand zu interessieren schien.
Dem älteren Mann gegenüber wurde es unwohl. Er sagte zu mir nur, man müsse sich nicht wundern, wenn aus diesen Kindern nichts wird. Eine ältere Frau mir auf der anderen Seite des Ganges gegenüber, schaute vergeblich Hilfe suchend umher.

Ich hatte das Gebet. Und das kannst du überall und immer beten. Beim Aussteigen schob die junge Frau den Kinderwagen und das andere Kind vor sich her. Sie hatte nicht aufgehört zu telefonieren und sprach in einer penetranten Lautstärke weiter, dass es weh tat. Ich tat was ich konnte und segnete innerlich die Mutter und die Kinder und empfahl sie dem Hl. Geist.
Da wurde mir klar: Meine Lieben, in aller Deutlichkeit: Ein bekifftes Herz, und die Frau war offensichtlich bekifft, ein bekifftes Herz kommt nicht zum Frieden. So wie es das heutige Evangelium erzählt: Denn Jesus hat als erstes gesagt, der Friede sei mit euch. Ihr Herz war verschlossen. Aus Furcht heißt es in der Apostelgeschichte waren die Herzen verschlossen. Verschlossen vor dem Leben.
Wir können unsere Sehnsucht natürlich verschließen, zuschütten, bekiffen: Mit Alkohol, Games, Porno, Gewalt. Aber dann bleiben unsere Herzen verschlossen. Denn die Sehnsucht, die wir Menschen haben, die will irgendwo raus, und sehr oft wenn wir nicht mehr wissen wohin, umnebeln wir diese Sehnsucht. Wir verschließen unser Herz.

Dahinein kommt Jesus, die Begegnung mit ihm – sagt das Evangelium – bringt Frieden. Ja das Evangelium spricht sogar von Freude. Das pure Gegenteil von dem, was ich in diesem Zugabteil erfahren habe. Und sogar von Heilung ist die Rede. Von Heilung der inneren Wunden, denn Jesus sagt: Der Hl. Geist wird kommen und wir können in seinem Namen vergeben.“

Und der Abt betonte, dass der Zuspruch Gottes besonders in der Firmung wirksam wird. Er hilft uns vor allem dann, wenn es einem nicht so gut geht, wenn das Herz verschlossen, verhärtet ist. Dann können wir mit dem Heiligen Geist sofort Beziehung aufnehmen.
„Und Beziehung im Glauben nennen wir Gebet. Und wie ich schon ein paar Mal gesagt habe: Beten kannst du überall und immer. Das schützt zwar nicht vor der Verhärtung des Herzens. Aber ich glaube daran, dass das Gebet immer irgendwo eine Wirkung hat“

Und diese Kraft, ließ Abt Urban alle Gottesdienstbesucher spüren, indem er zu einem gemeinsamen Moment der Stille aufforderte. In diesem Moment der absoluten Stille beteten alle jeweils für die nächsten Nachbarn im Kirchenraum. Sogar die Kinder wurden mucksmäuschenstill. Anscheinend spürten auch sie die Kraft des Gebetes, die uns aufbaut zu einer Gemeinschaft. Und Abt Urban erinnerte:
„Wo gebetet wird, wo Menschen verbunden sind im Gebet, da kommt die Kraft des Hl. Geistes. Und er kommt nicht irgendwie, sondern in unsere ganz konkrete Situation hinein – in unsere Herzen. Heile was in mir verwundet ist, heißt das Gebet. Beuge was erstarrt ist, mach warm, was bei uns schon kalt geworden ist.“

Im Evangelium von Pfingsten fragen sich die Menschen: „Wieso können wir alle, dies sich um die Jünger herum versammelt haben – wieso können wir sie alle verstehen?“ Weil diese Menschen gebetet haben, weil andere gespürt haben: Ich verstehe zwar nicht ganz was sie sagen, aber trotzdem verstehe ich, dass eine verbinde und heilsame Kraft da ist – das Gebet. In diesem Sinne wünschte der Abt den Firmlingen, diese Kraft, und das Bewusstsein:

„Beten kannst du überall und immer. Nicht einfach nur wenn es dir gut geht, sondern auch wenn du merkst, da neben dir gibt es Leute, die versinken im Dreck ihres Lebens. Helft ihnen! Betet für sie und baut eine Gemeinschaft des Gebetes auf, wie wir es jetzt hier getan haben und noch tun werden. Amen!“