Von der Fingernägeln bis zur Liebe Gottes

Am 29. Mai 2015 war es wieder soweit. Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln kam in die Pfarrkirche Nüziders und spendete 49 Jugendlichen das Sakrament der Firmung.

"Was spricht er von den Nägeln" hat sich wohl mancher Besucher des Festgottesdienstes bei der Predigt von Abt Urban Federer gedacht. Doch mit diesem ungewöhnlichen und doch alltäglichen Vergleich hatte Abt Urban sofort die Aufmerksamkeit aller Messbesucher gewonnen.

In seiner Predigt erinnerte er an die alltäglichen Vorbereitungen zu einem Fest:
"Die letzten Schritte bevor man das Haus verlässt gelten oft dem Spiegel. Sitzt die Frisur? Sitzt das Kleid? Einige Herren tragen Krawatte, wie ich sehe. Ich weiß nicht, ob sie das selber konnten mit dem Knopf, oder ob die Mama nachhelfen musste."

Der Abt machte darauf aufmerksam, dass wir manches nicht tun müssen. Zum Beispiel die Nägel wachsen lassen. Das geht von alleine. Wir hörten, dass "die Nägel im Durchschnitt 0,5 – 1,2 mm in der Woche wachsen. Jetzt werden sie sich fragen: Was spricht er von den Nägeln? Eben, bei den Nägeln müssen wir nichts tun. Die wachsen einfach. Und trotzdem: Wenn ich jeweils bei der Firmung die Kommunion verteile, merke ich vor allem bei den Frauen, dass aus diesen Nägeln richtige Kunstwerke entstanden sind. Letzte Schritte gelten dem Spiegel und bei vielen Frauen auch den Nägeln. Warum eigentlich?"

Die Antwort von Abt Urban leuchtet ein:
"Unsere Träume als Menschen beginnen mit dem was wir zusätzlich machen
. Wir könnten ohne Krawatte kommen, aber wir binden sie. Wir könnten die Nägel einfach wachsen lassen, aber wir pflegen sie. Wir könnten barfuß gehen, aber wir ziehen Schuhe an mit denen wir kaum gehen können. Das zeigt alles etwas von unseren Träumen. Letztlich zeigen Nägel, Haare, Mode, Piercing, Tatoo und vieles mehr: Ich will gesehen werden. Ich will akzeptiert werden. Denn wir leben nie nur als Einzelne. Wir wollen immer auch von anderen Mitmenschen gehört werden. Wir wollen geliebt werden."

Deshalb ist es uns wichtig, was andere von uns denken. Abt Urban fragte aber auch nach, ob wir darüber nachgedacht haben, was Gott von uns denkt. Wir stellen uns öfters die Frage: Warum lässt er das zu? Was denkt er wohl? Aber haben wir schon daran gedacht, was wohl Gott von mir denkt? Die Antwort müssen wir uns als Christen immer wieder vergegenwärtigen:
"Gott will seit meiner Taufe, dass es mich gibt. Er hat mich mit Namen gerufen. Er hat mich erschaffen." Jesus zeigt uns:
"Ich bin einzigartig und liebbar. Dabei kommt es nicht darauf an, ob ich schön bin. Wenn wir einander sehen, fällt uns auf: Es gibt Seiten an uns, die weniger schön sind. Manchmal ärgern wir uns gegenseitig. Da gibt es Dinge, die uns aufregen bei den anderen. Aber Gott sagt mir in der Taufe und bei der Firmung: Ja genau du bist wertvoll für mich. Genau dich meine ich. Es kommt nicht darauf an, dass ich fehlerfrei bin oder dass ich überdurchschnittlich leistungsfähig bin oder ob ich erfolgreich bin. So wird eines klar: Nicht nur wir haben unsere Lebensträume, auch Gott hat Lebensträume von uns. Viele haben Selbstzweifel: Sehe ich gut genug aus? Können mich Leute akzeptieren? Bin ich intelligent genug? Kann ich gut genug Fußballspielen? Denn wir alle haben unsere schlechten Momente und machen Erfahrungen über uns selbst die ungut sind."

Und in dieser Situation sendet Gott auf jeden und jede von uns den Heiligen Geist - die Kraft Gottes - herab. Egal was wir für Voraussetzungen mitbringen. Weil wir von Gott geliebt sind. Weil er uns in der Firmung sagt: Du bist meine geliebte Tochter. Du bist mein geliebter Sohn. Ich träume auch einen Traum für dich. Deshalb werden die Firmlinge auch nicht pauschal gefirmt. Jede, jeder wird einzeln angesprochen. Und der Beistand Gottes bestärkt uns im Glauben, damit wir trotz der Wunden, die wir alle tragen, seinen und unseren Traum leben können. So dürfen wir getrost an unsere Zukunft glauben. Alle können wir etwas aus unserem Leben machen. "Und wenn ihr das Gefühl habt: Hier habe ich zu wenig und da habe ich zu wenig oder das kann ich nicht. Dann denkt daran: Der Geist Gottes sagt euch: Ich gehe mit euch und zwar bis ans Ende des Lebens. Nicht wie die Freunde und Freundinnen, wo man immer Angst haben muss, dass sie eines Tages doch abhauen. Das macht der Geist Gottes nicht."