Die Kirche zu den Hl. Drei Königen in Hittisau wurde von 1842 bis 1845 im klassizistischen Baustil errichtet.

Geschichtliches

Die Pfarrkirche Hittisau ist die zweitgrößte Kirche in Vorarlberg. Sie wurde 1843 bis 1845 unter der Leitung von Johann Peter Bilgeri gebaut und bildet heute das Zentrum und Wahrzeichen von Hittisau.

Kirche Eingangsportal Nordwestseite

Die reich gegliederte Nordwestseite mit profiliertem Dachgesims und kleinem Dreiecksgiebel trägt eine Uhr, davor ist eine toskanische Säulenvorhalle mit Treppen. 

Unsere Pfarrkirche, mehr als nur ein Haus aus Stein!

Dort wo jetzt der Dorfbrunnen steht, stand einst eine kleine Kirche die dem hl. Wolfgang geweiht war. Als diese trotz mehrmaligem Zubau zu klein wurde, hat man im Frühjahr 1843 mit dem Bau der jetzigen Pfarrkirche begonnen. 
 
Josef Schnell (1780-1838), der dreißig Jahre Seelsorger der Hittisauer war, hatte in seinem Testament festgelegt, dass sein Barvermögen für den Kirchenbau verwendet werden könnte, wenn man innerhalb von fünf Jahren beginnen würde. Dies erfolgte 1843 unter seinem Nachfolger Pfarrer Josef Stöckler. Nach nur zwei Jahren Bauzeit wurde das Werk, im Sommer 1845 vollendet. 

Das Gotteshaus wurde von dem Hittisauer Johann Peter Bilgeri (1802-1849) nach den Plänen des k. k. Kreisingenieurs Martin von Kink im klassizistischen Stil erbaut. Neuste Forschungen haben jedoch ergeben, dass die Pläne wahrscheinlich vom Hittisauer Heinrich Ladner stammen, der auch eine ähnliche Kirche in Kaltbrunn (Schweiz) plante und baute. 

Entgegen den Gepflogenheiten wurde die Hittisauer Pfarrkirche in Anpassung an das Gelände so gebaut, dass Hochaltar und Turm im Süden liegen und nicht wie sonst üblich im Osten (Richtung Jerusalem). Der erste Gottesdienst in der neuen Kirche wurde am 30. Oktober 1845 gefeiert. Die Einweihung erfolgte am 27. August 1853 durch Generalvikar Weihbischof Georg Pünster zu Ehren der Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar.  

So ein riesiger Bau kann nur unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung entstehen. Sand und Schotter wurden durch Hittisauer Frauen von der Subersach heraufgeholt, indem sie die Sand- und Schotterkübel von Hand zu Hand heraufreichten. Für den Kiestransport von der Bolgenach mit Pferdefuhrwerken über den Brandbühl wurden eigene „Kiestrucken“ angefertigt. Der solide Unterbau dürfte Grund dafür sein, dass bis heute kein ernstlicher Riss im Mauerwerk der Kirche zu bemerken ist. Man sagt, dass für das Fundament gleich viele Steine verwendet wurden wie für den Hochbau. 
 
In den Jahren 1974/75 erfolgte notwendigerweise eine Außenrestaurierung und 1980/81 die Innenrestaurierung, wobei vor allem auf die Erhaltung des Bestehenden geachtet wurde. Einzig im Altarraum wurde ein neues Deckenbild geschaffen.
 
Himmel

Im Langhaus ist das Deckenbild Apotheose von Christus im Himmel und Höllendarstellung vom Maler Waldemar Kolmsperger aus 1941. Im Chor ist ein Bild Vision eines Vorarlberger Heiligen vor der Hl. Dreifaltigkeit vom Maler H. F. Scheel aus 1980.

Hochaltar Hittisau

Wenden wir uns dem Hochaltarbild zu. Demutsvoll reichen zwei Männer im Vordergrund - wohl Diener des Königs  - Balthasar das zum Geschenk für die hl. Familie bestimmte Goldkästchen. Ihre Gesichter bleiben im Verborgenen. Anderes ist wichtiger. Die Geburt des Messias. Der Besuch der Könige. Magier oder Sterndeuter werden diese auch genannt. Sie lassen alles liegen und stehen und folgen dem Stern. Er bringt ihnen Gott nahe.

Die Diener und die Könige - gegensätzlichere Gestalten sind kaum zu finden - haben eines erkannt:
Behalten wir das Wesentliche im Auge. Lassen wir uns verzaubern von der Magie des Augenblicks. Schieben wir die Nebensächlichkeiten des Alltags beiseite. Wir könnten sonst die Geburt Gottes versäumen.

Darf Heiliges in mir geboren werden oder verbanne ich es in den entlegendsten Winkel meines Herzens?

Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren
und nicht in dir: du bleibst noch ewiglich verloren.

(Angelus Silesius)

Text: Othmar Lässer

 

Kirchenschiff

Der Kreuzweg als Holzreliefs um 1950 ist vom Bildhauer und Tischler Christian Moosbrugger.
 
Die Pfarrkirche Hittisau hat vier Altäre. Der Hochaltar und die Seitenaltäre wurden im Jahre 1852 nach den Plänen des Malers Josef Bucher in neuromanischen Stil ausgeführt. Der Hochaltar zeigt das Altarblatt Hl. Drei Könige, der linke Seitenaltar das Altarbild Hl. Dominikus vor Maria und der rechte Seitenaltar das Altarbild Hl. Aloysius vor dem Gekreuzigten. Der Tabernakel am Hochaltar ist ein reich vergoldetes Schnitzwerk und wurde 1948 von Christian Moosbrugger nach den Plänen von Prof. E. Beckmann geschaffen.
 
Die Kanzel an der linken Seitenwand der Kirche zieren die vier Evangelisten. Auf dem Schalldeckel ist eine Darstellung des Guten Hirten. Die 13 von Franz Schmalzl aus Gröden geschnitzten Apostelstatuen die zwischen den Fenstern verteilt sind, erhielten 1981, nachdem sie 1943 weiß gefasst wurden, vom heimischen Maler Matthias Unterkircher wieder die ursprüngliche Farbenpracht.
 
Die Glasfenster kommen aus Tirol. Sie sind größtenteils Stiftungen der Bevölkerung und zeigen im Altarraum Szenen aus dem Leben Jesu und die Königin des Weltalls, und im Kirchenschiff die Gottesmutter, Engel und die Heiligen Agnes, Nothburga, Anna, Sebastian, Wendelin und Josef. 
 
Im Kirchenschiff schmückt ein Gemälde von Waldemar Klomsberger aus München seit 1941 die Decke. Die Darstellung zeigt in barocker Art das Jüngste Gericht, wobei auch Beziehungen zur Landschaft und zur Wäldertracht aufscheinen. 
 

Historische Schönach-Orgel

Die historische Orgel in der Pfarrkirche Hittisau ist ein reifes Alterswerk des Orgelbauers Alois Schönach (1811-1899), einer der begabtesten und fähigsten österreichischen Orgelbauer des 19. Jahrhunderts. Das im Jahre 1868 erbaute Werk ist eine der bekanntesten Orgeln in Vorarlberg.

Orgel Pfarrkirche Hittisau

Der international renommierte Organist Prof. Bruno Oberhammer beschreibt die Klangcharakteristik der Orgel folgendermaßen: "Weich und dennoch strahlender Glanz - füllig und dennoch nicht stumpf - die Verschmelzung betonend und das lineare Profil dennoch nicht vernachlässigend." 

Orgel Tastatur

 

Die Glocken

Während der beiden Weltkriege mussten die Glocken jeweils abgeliefert werden. Zuletzt 1941 vier der fünf Glocken des 1922 gegossenen "Parzifal-Geläutes". Schon bald nach dem Krieg bemühten sich die Bürger unter Pfarrer Paul Sohm um neue Glocken. Seit 1968 hängen die Glocken in der heutigen Zusammensetzung im Turm, nachdem eine umgetauscht und zwei umgegossen worden sind. Die Töne der Glocken sind A-c-e-g-a.

Glockengeläute der Pfarrkirche Hittisau
Film: Arlberg09 - You tube

 

Darstellung Evangelium

Am rechten Seitenaltar gestaltet Paula Bechter jeden Sonntag das Evangelium.

Barmherziger Samariter

Das Beispiel vom barmherzigen Samariter.  Lk 10,25-37

Martha und Maria

Jesus mit Maria und Marta.  Lk 10,38-42

 

Text: Anna Maurer

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