Nach Pater Gallus Haßler (bis 1839) folgte Johannes Osterberger, unter dem die Pfarre Hard, die aufgrund ihrer nunmehrigen Größe einen zweiten Priester benötigte, 1861 einen Kaplan bekam. Das Frühmess- bzw. Kaplanei-Benefizium wurde durch Erlöse aus Gemeindegründen und Gemeindeholz getragen. Außerdem konnte dem Kaplan ein eigenes Haus samt Garten zur Verfügung gestellt werden, das die Gemeinde bereits in früheren Jahren für den Aushilfspriester Franz Josef Drexel (gest. 1862) angekauft hatte, der bereits seit 1846 hier ausgeholfen hatte. Erster Kaplan war Josef Anton Schwärzler. Unter Pfarrer Osterberger erfolgte am 18. Mai 1862 auch die Grundsteinlegung zu einem neuen Kirchenbau. Zur Finanzierung desselben war bereits 1856 ein Kirchenbaufonds errichtet worden, denn die Harder hatten, um die Ernennung der Pfarrei durchzusetzen, im Jahre 1645 auf das so genannte Patronatsdrittel verzichtet, weshalb sämtliche Kosten von der Gemeinde selbst aufzubringen waren. Während der Bauzeit war im Stadel des Johann Steurer (beim ehemaligen Armenhaus) mit Hilfe der Bänke etc. eine Behelfskirche eingerichtet. Am 22. November 1863 wurde in der neuen Kirche der erste Gottesdienst abgehalten. Allerdings wurde das Innere vorerst provisorisch mit der alten Einrichtung versehen. Pfarrer Osterberger verstarb im Jahre 1874, noch vor der gänzichen Fertigstellung der Kirche.

Es folgte Johann Georg Schwendinger als Pfarrer. Die Einweihung der von Leonhard v. Clarini geplanten, im neoromanischen Stil von Baumeister Mathias Spiegel erbauten, dreischiffigen Kirche nahm am 21. Juni 1876 Weihbischof und Generalvikar Johann Amberg vor. Der alte, kaum über das Kirchenschiff reichende Turm wurde im Jahre 1882 erhöht und anstelle des alten Satteldaches erhielt er eine achteckige Spitze. Mit Kugel und Kreuz ist der Turm 58 Meter hoch. Gleichzeitig wurde auch der „Ölberg" zwischen Sakristei und Turm errichtet, von dem heute noch Figuren vorhanden ind. 1885 erhielt die Kirche ihre jetzigen Portale.

1887 wurde Franz Ulmer zum Pfarrer von Hard ernannt. Unter ihm wurde die Kirche im Jahre 1896 renoviert. Dabei erfolgte eine dem damaligen Zeitgeschmack entsprechende Ausmalung der Kirche durch Viktor Metzger aus Ellwangen. Weiters wurden neue Seitenaltäre errichtet und die Kirche erhielt die ersten beiden bunten Glasfenster (neben den Seitenaltären). Die weiteren sechs kamen in den folgenden Jahren hinzu. Des weiteren wurde ein Hochaltar unter einem von vier Säulen getragenen Baldachin errichtet, den Elisabeth Hartmann, die Gattin des Dampfsägenbesitzers, gestiftet hatte. 1897 wurde überlegt, einen Teil des Pfarrwidums der vorzunehmenden Vergrößerung des Friedhofs zu opfern 1901 gründete Pfarrer Ulmer zusammen mit Frau Mathilde Fink mit Unterstützung des Frauenvereines den Krankenpflegeverein Hard. Im Oktober desselben Jahres kamen zwei Kreuzschwestern aus dem Mutterheim in Ingenbohl (Schweiz) zur Betreuung der Kranken im Rahmen des Krankenpflegevereins.

Am 23.4.1907 folgte Anton Amann auf Pfarrer Franz Ulmer, der nach Andelsbuch ging. 1912 wurde Johann Künz neuer Pfarrer.

Die Auswirkungen des Krieges machten auch vor der Kirche nicht halt: am 31.1.1916 wurde das Kupferblechdach für Rüstungszwecke entfernt und durch Eternit ersetzt. Am 15.9. wurden aus dem gleichen Grund die Glocken entfernt. Lediglich eine Glocke verblieb im Turm. Am Missionskreuz auf dem Friedhof wurden Kriegergedenktafeln angebracht.

Am Pfingstmontag, dem 5. Juni 1922, erfolgte die Weihe der neuen Kirchenglocken. Am 31. März 1926 wurde die „Große Glocke'' dem bestehenden Läutwerk beigefügt. Der Jesuitenpater Franz Dür feierte am 3.8.1930 seine Primiz.

Am 19.4.1934 verstarb Pfarrer Johann Künz. Zu seinem Nachfolger wurde Richard Hefel bestellt. Auf Initiative von Frau Maria Palka wurde am 14.6.1936 die Marianische Frauenkongregation gegründet. Im Jahre 1940 wurde die Anschaffung einer elektrischen Läutanlage verworfen, da die Glocken zu Kriegszwecken entfernt worden waren und sich ein Läutwerk somit erübrigte.

Pfarrer Hefel wurde 1942 nach Schwarzach versetzt. Der bisherige Kaplan Fridolin Fehr wurde an seiner Stelle zum Pfarrprovisor ernannt. Im selben Jahr wurde zu Weihnachten erstmals ein Christbaum in der Kirche aufgestellt.

1945 wurde Ignaz Scheier zum neuen Pfarrer von Hard bestellt. Erstmals nach dem Krieg fand an Christi Himmelfahrt mit der Ösch-Prozession wieder ein Umgang statt. Alle Prozessionen waren aus „Verkehrssicherheitsgründen" seit sieben Jahren verboten gewesen. Da der Altar beim Gemeindediener Joh. Kloser wegen Gebrechlichkeit nicht mehr entsprach, wurde stattdessen ein neuer Altar bei V. Schwärzler in der Seestraße aufgestellt. Die Fronleichnamsprozession wurde dadurch verlegt und führte nunmehr über Reichsstraße, Judengasse und Seestraße zur Kirche.

1950/51 wurde die ehemalige Bemalung in der Kirche weiß bzw. zum Teil grau überstrichen und in der Apsiswölbung vom Maler Hans Strobel das Emmaus-Bild angebracht, das von Kommerzialrat Johann Wolff gestiftet wurde. Die Kirche bekam vier neue Glocken als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg zur Waffenerzeugung eingeschmolzenen.

1952 wurde der Harder Emil Bonetti zum Priester geweiht. 1955 erhielt die Kirche ein elektrisches Läutwerk. Die Ösch-Prozession wurde verlegt, da die zweimalige Überquerung der Betonstraße als zu gefährlich erachtet wurde. Der Weg führte nunmehr über die Kirchstraße, Marktstraße, Mittriedstraße, Alte Straße, Landstraße und Seestraße.

In den Jahren 1957/58 erfolgte die notwendige Vergrößerung des Friedhofs.

1958 kam es zur Einstellung der Prozession nach St. Gebhard. Diese Prozession führte ehemals nach Lauterach, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg dann in eine Prozession in die Mehrerau umgewandelt, und nach der Errichtung der Kirche St. Gebhard dorthin geführt. Eine weitere Prozession, die am 25. April nach Lauterach führende Markusprozession (die nichts mit dem Hl. Markus zu tun hat, sondern auf römisch-heidnische Flurumgänge zurückgeht), fiel den Entwicklungen der Zeit zum Opfer und fand ab 1960 nicht mehr statt. Der Bittgang am Montag der Bittwoche vor Christi Himmelfahrt, der nach Fußach führte, wurde 1961 eingestellt. Nach der Rheinregulierung war das Ziel dieser Prozession von Höchst nach Fußach verlegt worden.

Im Jahre 1961 erhielt die Kirche auch eine neue Orgel. Der Neupriester Josef Jäger kam 1962 als Kaplan nach Hard. Die Pfarrei hatte somit erstmals drei Seelsorger. In diesem Jahr wurde auch das alte Kaplanhaus in der Poststraße verkauft und ein Neubau auf der Pfarrwiese errichtet.

1963 wurden die Schwestern vom Kostbaren Blut, die das Mädchenheim der Kammgarnspinnerei betreuten, von ihrer Ordensgemeinschaft infolge Schwesternmangels abgezogen.

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