Die Mutterpfarre Bregenz sicherte sich, wie aus der Urkunde zu ersehen ist, trotz Zuerkennung einer Kaplanei weiterhin durch verschiedene Auflagen die Einnahmen und Rechte über die Harder Kirchengemeinde. So brachte diese Stiftung der Gemeinde wenig Nutzen.

Im Jahre 1480 etwa verweigerte der Mehrerauer Abt Johannes nach dem Ableben des Kaplans Hans Hillflis die Einsetzung von Heinrich Hem(m)erlin als neuen Kaplan. So schrieben sie an Bischof Ludwig von Konstanz, mit der Bitte, doch den neuen Kaplan zu bestätigen, wie es ihr Recht sei.

Aufgrund dieser Abhängigkeit und damit verbundener Probleme war es das Ansinnen der Harder, gänzlich unabhängig von der Mutterpfarre St.Gallus zu werden. Um dies voranzutreiben, stellten sie einen Antrag auf Errichtung einer Pfarrei.

Wie Dokumente (VLA, Mehrerauer Akte Schachtel 1, Akt 123.) belegen, müssen die Harder bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts versucht haben, eine eigene Pfarrei zu bekommen. Dies lässt sich aus mehreren Briefen und einem Schriftverkehr schließen, der zwischen Sigmund, dem Erzherzog von Tirol, den Äbten der Klöster Mehrerau und Weißenau und Lippman von Müsbach und Hans Jacoben von Bodmen, den Vögten zu Bregenz und Feldkirch, geführt wurde. Obwohl die Äbte der Klöster Mehrerau und Weißenau und der Bischof von Konstanz der Errichtung einer Pfarrei scheinbar nichts entgegenzusetzen hatten, waren die Pfarre Bregenz und die Vögte zu Bregenz dagegen, da sie eine Schmälerung der Einnahmen der Mutterpfarre St.Gallus sowie ein vermehrtes Bestreben weiterer Orte auf pfarrliche Selbständigkeit befürchteten. Deshalb baten sie wohl den Erzherzog Sigmund in Innsbruck, bei den Befürwortern einen entsprechenden negativen Bescheid auf das Harder Ansuchen zu bewirken. Ein Brief von Erzherzog Sigmund an den Abt des Klosters Weißenau aus dem Jahre 1485 lautet auszugsweise folgendermaßen: 
„Ehrsamer geistlicher lieber... als dann ungezweifelt... denen von Hard eine Pfarre zu Konstanz mit Recht zuerkannt ist, davon Du und der Abt zu Bregenz appelliert sollt haben, begehren wir an Dich... Du wöllest der Appelation mit samt dem benannten Abte, dem wir auch darum schreiben abstehn...". Und in der Antwort der Äbte von Bregenz und Weißenau heißt es: „An unseren gnädigen Herrn Erzherzog... Sigmund zu Österreich... als unser fürstlich Gnaden uns hat lassen schreiben... die Filiale Hard, in der Pfarre Bregenz gelegen, zu einer Pfarrkirche zu machen zu verwilligen (= nicht zu bewilligen)..... Diese Briefe müssen für die Gegner einer Erhebung Hards zur selbständigen Pfarrei Erfolg gehabt haben, da es zu keiner Pfarrerhebung kam.

1499 fand die Schlacht bei Hard statt, wobei zahlreiche Soldaten fielen. Diese wurden bei der Kapelle am See bestattet. Mit Erlass vom 30. April 1521 befahl Kaiser Karl V. die Einweihung dieses Friedhofs. Ansonsten durfte aber niemand mehr hier begraben werden.

Die weiteren Aktivitäten bezüglich der Erhebung zur Pfarrei liegen im Dunkeln, da bisher keine Dokumente aus der folgenden Zeit von etwa hundert Jahren bekannt sind. Am 24.4.1643 verfasste die Gemeinde ein Bittgesuch an den Generalvikar Dr. Johann Wärlin in Konstanz um Errichtung einer selbständigen Pfarrei. Darin heißt es nach der Auflistung der Probleme, die mit dem Kirchgang nach Bregenz verbunden sind, unter anderem: „... weil wir eine eigene Kirche hier im Dorf zu Hard haben, und deren Begräbnis (= Friedhof) schon längst geweiht ist... und einen eigenen Pfarrer bei derselben mit gebührlichem jährlichem Einkommen zu unterhalten... mögen sie uns die gnädige... Bewilligung geben, uns von... ihrer Pfarr- und Mutterkirche gegen Erstattung billigmäßiger Recompens separieren und absondern zu lassen,...".

Der Vize-Generalvikar von Konstanz, Johann Wirtlin, ersuchte in einem vom 13.5.1643 datierten Erlass (Rapp, Seite 158f. 142), den Dekan von Lindau und Pfarrer in Oberraitnau, Mathias Metzler, um eine Untersuchung bezüglich des Harder Ansuchens.

Der Prälat der Mehrerau, der Pfarrer von Bregenz und die Landesfürstliche Regierung gaben ihre Zustimmung zur Errichtung der Pfarrei, jedoch der bürgerliche Magistrat der Stadt Bregenz war dagegen, weil er dadurch finanzielle Einbußen für die Pfarrkirche befürchtete. So äußerten der Stadtammann und der Rat von Bregenz ihre diesbezüglichen Bedenken in einem Schreiben vom 22.8.1643 an den Generalvikar von Konstanz: „Es ist unserer Kirchen Einkommen so schlecht, dass... die Kirche... nicht unterhalten werden kann, bereits in das Kapital gegriffen werden müsste. Wenn aber ein Ort nach dem andern ohne recompens... sich separieren will, ist die Konsequenz schon gemacht, wie es hinkünftig mit der Kirche, Gottesdienst und Seelsorge hergehen müsse." Das Schreiben endet mit der Bemerkung, dass die Harder, wenn sie schon eine eigene Pfarrei haben wollten, der Mutterkirche jährlich wenigstens so viel zahlen sollten, als ihr Pfarrer bekäme (Rapp, Seite 160 f.). Dekan Metzler berichtete dem Generalvikar über diese Standpunkte in einem Brief vom 8.7.1643

Damit kamen die vorläufigen Aktivitäten bezüglich der Erhebung der Kaplanei zu einer Pfarrei zum Erliegen. Neuerlich nahmen die Harder Bürger die Sache in die Hand und richteten ein Bittgesuch, datiert vom 16.6.1645, an Fürsterzbischof Franziskus Johannes Prasberg in Konstanz, in dem die verschiedenen offenen Punkte bezüglich der Pfarrerhebung beleuchtet und Lösungen vorgeschlagen werden (Original Lda.).

Zuerst erfolgt eine Auflistung der Gründe, wieso man in Hard eine selbständige Pfarrei wünscht: „Dem hochwürdigen Fürsten und Herren, Herrn Franzisco Joanni, Bischof zu Konstanz, Herr der Reichenau und Ohningen entbieten wir, die Untertanen, Eingesessenen und Gemeindeleute reich und arm zu Hardt im Dorf, im Gericht Hofsteig und der Herrschaft Bregenz gesessen, alle in der Pfarre Bregenz inkorporiert... Nachdem wir und unsere Vorderen lange Zeit zu Winters und anderen Zeiten, besonders wenn die Brücke an dem Fluss der Bregenzer Ach durch Ansteigen derselben, wie dann öftermals pflegt zu geschehen, beschädigt und zerrissen wird... Dass auch zu vielen Zeiten, wenn Schnee und Regenwetter einfallen, viele alte ehrbare Leute unter uns, sowohl weiblichen als auch männlichen Geschlechts wegen der Weite und Böse des Weges... Pfarre Bregenz nicht erreichen, sondern zu Hause bleiben und also öftermals an Sonn- und anderen heilig gebotenen Feiertagen keiner heiligen Messe und anderen heiligen Gottesdiensten teilhaftig gemacht werden können. ...damit wir, unsere Erben und Nachkommen jederzeit nach Ordnung und Aufsetzung der heiligen christlichen Kirche in der Not lebendig und tot versehen mögen werden, haben wir dem hoch ehrwürdigen und geistlichen Herren Placido, den Abt des Gotteshauses Mehrerau... auch dem wohl ehrwürdigen, edlen und hochgelehrten Francisco Thurnher, der heiligen Schrift Doktor und dieser Zeit der Pfarre Bregenz wohlverordneten Vikar... eröffnet, erzählt und vorgetragen, sie auch... ganz demütiglich mit höchstem Fleiß angerufen und gebeten uns gnädig und günstiglich zu bewilligen und zu gestatten... eine eigene Pfarre mit Administrierung aller heiliger Sakramente am erwähnten Gotteshaus zu Hard aufzurichten. Damit wir uns, unsere Nachkommen des beschwerlichen Kirchgangs nach Bregenz entladen, auch in der Not und sonst mit den hochwürdigen Sakramenten nach alter löblicher Christlicher Ordnung jederzeit versehen werden können und mögen..."

Nun folgt die Auflistung der Versprechungen und Eingeständnisse, durch die man eine entsprechende Billigung des Antrages zu erreichen sucht: „Als haben wir dem wohl erwählten Herren Abt des Gotteshauses Mehrerau... für uns, unsere Erben und Nachkommen wissentlich in Kraft dieses Briefes zugesagt, verheißen und versprochen wie folgt: Zum ersten sollen und wollen wir... einem Priester oder Pfarrherrn... das der Kaplanei zugehörige Haus samt dem beiliegenden Gut, Kraut und Baumgarten so ungefähr ein Jauchart groß, und zu nächst bei dem Gotteshaus... zu Hard gelegen für ein Pfarrhaus übergeben, wollen ihm auch zum und an den Pfarrhof einen Stadel für das Vieh und Ross wie auch einen Schweinestall auferbauen und erhalten... und auch... Kirche und Pfarrhaus mit dessen Beigebäuden und Gemächern nun hierfür und in ewige Zeit hin in gutem... Bau erhalten... in unseren, unserer Erben und Nachkommen selbst eigenen Kosten und ohne des Gotteshauses Mehrerau und sonstiger... Nachteil und Schaden. Zum anderen sollen und wollen wir einem jeden weltlichen Priester, so uns je zuzeiten zum Pfarrherrn gegeben wird... an jährlichen Zinsen und Gefallen zweihundert Gulden... Einkommen an Geld übergeben... (die Auflistung der Finanzierung des Pfarrers wird in mehreren Punkten ausführlichst fortgesetzt).

Es folgen die Pflichten des Geistlichen: „Ferner soll er... alle Sonn- und Feiertage und dann wöchentlich noch überdies an zwei ihm beliebigen Tagen... aufs wenigste zwei heilige Messen in unserer Kirche zu Hard zur Ehre Gottes, der Himmelskönigin Maria, mit dem ganzen himmlischen Heer, auch zur Hilfe und Trost aller Lebendigen und abgestorbenen Christgläubigen zu lesen. Er soll auch die löblichen Gebräuche, Bitten und Gewohnheiten und alt Hergekommenes der Pfarre Bregenz unversehrt und ungeändert und sich mit allen Dingen und Zeremonien dem Regierer und Vorsteher der Pfarre Bregenz ganz gleichförmig machen...".

Es folgt eine Aufzählung der Gebote der Pfarrmitglieder: „... Wir sollen und wollen auch... alle samt und sonders was von Jugend und Alters wegen gehen mag und solches zu tun möglich ist, nach gehörter heiliger Messe in unserer Pfarrkirche zu Hard, die der Pfarrherr um unserer alten und betagten Leute willen zuvor gelesen hat, wie von alters her mitsamt unserem Pfarrherrn den Tag der Kirchweihe zu Bregenz in der Pfarrkirche... bei dem Wort Gottes heiligen göttlichen Ämtern und Messen erscheinen, denselben von Anfang bis Ende mit unserem christlichen Gebet aus- und abwarten... und auf den Kirchweih-Tag allwegen einem Pfarrherrn zu Bregenz für das Opfer... sieben Gulden... überantworten. Wir sollen und wollen auch gleichfalls schuldig sein, die Kreuzgänge als an St. Marxen Tag und in der Kreuzwoche... und uns in dem allem wie von alters her durch uns beschehen ist, christlich und gehorsam erzeigen."

Im nächsten Absatz wird erwähnt, dass dem Mesner der Mutterpfarre Bregenz pro Jauchart eine Getreidegarbe zur Sorge um die Kirche, eine Garbe für das Läuten der großen Glocke und von jedem Haus einen Pfennig „sonst aber nichts weiter" zukommen zu lassen sei. Dann wird erwähnt, dass der Pfarrer zum Gedenken der Toten ein Seelenbuch führen dürfe und die Einnahmen aus den Mess-Stipendien als Aufbesserung seines Gehaltes behalten dürfe. Weiters heißt es: „Vornehmlich aber soll ein Priester, so er bei uns zum Pfarrherrn bestätigt wird, schuld, pflichtig und verbunden sein, alle Heilige, sonderlich die vier Hochfeste und Sonntage, desgleichen auch unserer lieben Frau und aller Apostel Tage, das heilige Wort zu predigen und zu verkündigen, und sich darin, wie einem christlich-katholischen Pfarrherrn zu tun gebühret, auch ihm gegen Gott und der Welt verantwortlich ist, erzeigen und befleißen.'' Zuletzt wird noch die Besoldung des Mesners und die Vorgangsweise bei der Prüfung der Kirchenrechnung festgelegt. Es folgt die Auflistung aller an diesen genannten Punkten Beteiligten und deren Einverständnis zu den niedergeschriebenen Punkten.

Auf dieses Bittgesuch folgte endlich eine positive Erledigung der Sache: In einem Schreiben vom 16.11.1646 erteilte der Fürsterzbischof die Approbation zur Errichtung einer Pfarre Hard und erhebt die Kapelle zur Pfarrkirche (Original Lda.). Patron der Pfarre ist der Pestheilige Sebastian, ein römischer Offizier unter Kaiser Diokletian, der aufgrund seines Bekenntnisses zum christlichen Glauben zum Märtyrer wurde. Sein Festtag (und Pfarrpatrozinium) ist am 20. Jänner.

In Bregenz wurde am 16. Juni 1645 von geistlichen und weltlichen Herren eine Konvention verfasst, die unter anderem besagt: „Dem Gotteshause Mehrerau verbleibt das Patronatsrecht auf die neue Pfarre Hard ungeschmälert. Der Pfarrer von Hard soll die alten Gebräuche der Mutterkirche Bregenz beibehalten. Zur Anerkennung des früheren Pfarrverbandes sollen die Harder alljährlich am Kirchweihfeste der Pfarrkirche zu Bregenz in Prozession dahin sich begeben und dem Pfarrer daselbst sieben Gulden verabreichen.“ 

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