Sieben Sockelflächen für die Pfarrkirche in Götzis

Die Werkform der Sockelflächen hat eine lange Vorgeschichte. In meiner Kunst hat sich ab Ende der 50er-Jahre ein Werkbegriff herausgebildet, der anders als die traditionellen Werkbegriffe ist. In seinem Zentrum steht die Handlung des Betrachters. Er wird an der Werkbildung / Werkformung beteiligt, ja er kann selbst das Werk hervorbringen. Diese Kunstkonzeption erfordert andere als die überlieferten Formen und enthält auch einen anderen Materialbegriff. In der Handlung erhalten diese Formen einen instrumentellen Charakter. Körper, Raum, Zeit, Ort, Sprache, Erinnerung werden zu Materialien der Werkformung. Am Anfang dieser Entwicklung stehen die 1956 bis 1957 entstandenen „Umrisszeichnungen“, bei denen der Betrachter die umzeichneten Felder in einer inneren Handlung imaginativ füllen kann. Dem folgen meine von 1957 bis 1958 entstandenen Wortbilder, die ebenfalls in einer inneren Handlung weiterzuführen sind. Die „Leeren Flächen“, Materialprozess-Werke, die Hand-, Körper- und Raumstücke der Jahre 1961 bis 1963 führen zu den von 1963 bis 1969 entstandenen 58 Werkstücken des 1. Werksatzes, der den Körperhandlungen Werkcharakter verleiht. Damit wird die Werkfrage grundsätzlich anders als in den historischen Werkentwürfen gestellt: Der handelnde Mensch wird Werkzentrum. Ab 1970 entstehen neben anderen Werkformen auch die Sockelflächen. Ihnen liegt eine einfache, doch in Bezug auf den traditionellen Sockelbegriff, radikale Skulpturvorstellung zugrunde: Der auf den Sockelflächen stehende Mensch kann sich als Skulptur definieren. Er ist dabei aus der Umgebung hervorgehoben. Die in der optischen Mitte der Flächen eingravierten Begriffe werden eine Deutung erfahren und auch die Richtung der Vorstellung bestimmen. Sie können im Kontext der Kunst verbleiben als auch auf allgemeine Lebenszusammenhänge bezogen werden. Die Architektur der Kirche St. Ulrich bestimmte die Anzahl und Anordnung der Sockelflächen. Die Folge der Begriffe entspringt bildhaft-plastischen Vorstellungen. Bestimmend waren auch die vom Architekturbüro Lenz entwickelten dezenten, doch auf den Bau hin äußerst wirksamen Wandöffnungen. Die beiden Reihen in den Seitenschiffen wollen begangen werden. Gleichzeitig legen sie auch ein jeweiliges Verharren auf den Sockelflächen nahe. Die dem Altarbereich und dem Mittelschiff zugewandte Sockelfläche in der Apsis ist durch ihre Position herausgehoben und betont durch ihren Ort ein Verharren.

Franz Erhard Walther Künstler – Fulda/BRD

Festschrift: Umgestaltung der Pfarrkirche 2008
Literatur: Franz Erhard Walther. Das Haus in dem ich wohne. Ritter-Verlag, Klagenfurt, 1990