Was hat Christkönig und Cäcilia miteinander zu tun? Wie kommt es, dass Cäcilia als frühchristliche Märtyrin zur Patronin der Kirchenmusik erhoben wurde und in der Alten Kirche als Organistin abgebildet ist?

Diese und ähnliche Fragen beantwortete Markus Hofer in seiner Predigt zum Cäciliensonntag.

Mit einem Ensemble hat unser Pfarrkirchenchor den Gottesdienst musikalisch gestaltet. Am Cäciliensonntag gilt unser besonderer Dank allen Kirchenmusikerin unserer Pfarre, den Organistinnen und Organisten, Kantoren, Instrumentalisten und unserem Pfarrkirchenchor unter der Leitung von Brigitte Dünser. Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurde dieses Jahr Annelies Heinzle geehrt, voriges Jahr hat Reinelde Böckle ihre 40jährige Zugehörigkeit zum Kirchenchor gefeiert. DANKE.

Predigt zum Cäciliensonntag

Markus Hofer

Sie haben sich sicher auch schon verschrieben, zu flüchtig gelesen und dann kam etwas Anderes heraus. Mir passiert das regelmäßig beim morgendlichen Kreuzworträtsel. Dann schreibe ich schnell ein längeres Wort hinein und merke bald, dass nichts mehr geht. Wenn ich dann in der Lösung nachschaue, merke ich, dass ich wieder einmal zu flüchtig und ungenau gelesen habe. Manchmal haben solche Lesefehler aber auch größere Folgen. Zum Beispiel verdanken wir einem solchen Lesefehler die Patronin der Kirchenmusik!

Die heilige Cäcilia war eine frühchristliche Märtyrerin. Wie sie haben viele Christinnen und Christen in den frühen Verfolgungen ihr Leben lassen müssen, weil sie mutig für ihren Glauben eingestanden sind. Es gibt tatsächlich zeitgenössische Schilderungen, dass Männer und Frauen dabei singend und betend in den Tod gegangen sind.

Cäcilia lebte im 3. Jahrhundert, verlässliche historische Daten haben wir natürlich keine. Sie ließ sich taufen, bekehrte dann ihren eigenen Ehemann und bald darauf auch ihren Schwager. Als der Stadtpräfekt von Rom davon Wind bekam, ließ er die beiden Brüder vor eine Jupiter-Statue führen. Als er von ihnen verlangte, dass sie sich vor diesem römischen Gott niederknien und ihm opfern, weigerten sich die beiden und bekannten sich mutig zu ihrem Glauben und ihrem einzigen Gott. Daraufhin ließ der Stadtpräfekt die beiden Brüder enthaupten.

Obwohl es verboten war, bestattete Cäcilia ihren Mann und ihren Schwager. Auch das wurde dem Stadtpräfekten zugetragen. Darauf schickte er einige Polizisten ins Haus der Cäcilia, um ihr Vermögen auszukundschaften. Solche Gräueltaten hatten oft auch den Hintergrund, dass sich jemand zusätzlich bereichern wollte. Cäcilia aber hatte ihr Vermögen bereits verkauft und den Armen geschenkt – ganz im Sinne des Evangeliums. Die Polizisten müssen beindruckt gewesen sein. Als Cäcilia dann sogar die Polizisten noch zum christlichen Glauben bekehrte, war es für den Präfekten zu viel und er ließ auch Cäcilia enthaupten.

Noch vor ihrem Tod soll sie den Bischof von Rom gebeten haben, ihr Haus als Kirche zu weihen. Wo das Haus vermutlich stand, befindet sich heute die Basilika Santa Cecilia in Trastevere, einem der stimmungsvollsten Stadtteile Roms.

Wie wurde sie nun aber zur Patronin der Kirchenmusik?

In der lateinischen „Leidensgeschichte der heiligen Cäcilia“ heißt es „Während sie die Instrumente spielten, sang sie…“. Irgendwann im frühen Mittelalter hat das vermutlich ein Mönch falsch abgeschrieben und so hieß es plötzlich: „Sie spielte die Instrumente und sang…“. Nachdem natürlich eine Frau allein nicht verschiedene Instrumente spielen kann, war gleich klar, dass das die Orgel sein muss und auf diesem Wege wurde die hl. Cäcilia zur Patronin der Kirchenmusik.

Als solche wurde sie eine sehr beliebte Heilige – und darum singt am Cäciliensonntag auch immer der Kirchenchor zu Ehren seiner Patronin. In der Alten Kirche finden wir sie sogar zweimal. Im Altarbild des Hauptaltars sitzt sie unten an der Orgel in einer großen Schar frühchristlicher Märtyrerinnen. Hinten, in der Mitte der Emporenbilder, rechts neben dem König David, sitzt sie als barocke Lady mit Rosen im Haar an einer kleinen Orgel.

Gott sei Dank, hat sich dieser Mönch verlesen, denn die Kirchenmusik ist etwas sehr wichtiges und verdient eine entsprechende Patronin. Die Kirchenmusik war immer schon ein wesentlicher Teil unserer christlichen Kultur. Gut, beim Letzten Abendmahl hatte Jesu keine Gitarre dabei. Aber schon bei Paulus kann man lesen, dass in den Gottesdiensten gesungen wurde. Anfangs waren es einfache Gebetsrufe, Psalmen vermutlich auch – und wie es geklungen hat, wissen wir nicht mehr. Doch bald schon kam der ambrosianische Gesang, der gregorianische Choral bis herauf zu den Orchestermessen und bis hin zu unserem Gotteslob.

Singen macht nicht nur Freude und ist gesund, sondern es schafft auch Gemeinschaft. Darum gehörten Gesang und Gottesdienst immer zusammen. Vom Kirchenvater Augustinus stammt zudem das Zitat: „Wer singt, betet doppelt!“ Egal, wie man das interpretieren will, Tatsache ist, dass beim Singen mehr als beim Sprechen beide Gehirnhälften mit im Spiel sind. Es läuft da also wirklich etwas doppelt. Darum möchte ich auch heute unseren Dank aussprechen an die großartige Patronin und Fürsprecherin der Kirchenmusik!

Liebe heilige Cäcilia,

lege deine Fürsprache ein, dass uns der Gesang nie ausgehen möge.
Lege vor allem auch deine Fürsprache ein, dass unsere Chöre diese schreckliche Zeit der Pandemie gut überstehen.
Und nicht zuletzt, wenn wir schon dabei sind: Unser Kirchenchor hätte gerne ein paar neue Sänger und Sängerinnen. Und es dürfen ruhig auch jüngere sein!

Amen