Worte von Pfarrer Georg

 

Habt keine Angst! Ich bin da!

„Lieber Gott, wo bist du? Lieber Gott, siehst du es nicht, was da geschieht? Warum lässt du es zu?“ Fragen um Fragen, mit denen wir seit drei Monaten ständig konfrontiert sind. Alle suchen eine Antwort. Spontan ist mir dazu folgende Begebenheit eingefallen:

In einem Krankenhaus lag ein kleiner Junge, der operiert werden sollte. Der Vater hatte ihn ins Krankenhaus gebracht und versuchte nun dem Kleinen Mut zu machen. „Papa“, sagte der Junge, „ich habe gar keine Angst, wenn du bei mir bleibst.“ Da sagte der Papa: „Gut, ich bleibe bei dir.“
Foto HändeDer Chirurg erlaubte es, und so setzte sich der Vater neben sein Kind, das nun auf dem Operationstisch lag. Als der Junge betäubt werden sollte, sah er nochmals den Papa an und sagte: „Papa, bist du da?“ Dann begann die Narkose zu wirken. „Nun können Sie gehen“, meinte der Chirurg, als der Kleine eingeschlummert war und die Operation beginnen sollte. „Nein“, antwortete der Vater, „ich habe meinem Sohn versprochen, bei ihm zu bleiben und so möchte ich auch bleiben.“ „Gut, dann bleiben Sie.“ Die Operation gelang. Als der Junge aus der Narkose erwachte, hielt der Vater immer noch seine Hand. Da lächelte der Junge und sagte ganz leise: „Papa, du bist da?“ Und er schlief wieder ein. Er wusste, sein Vater bleibt bei ihm.
Ist es nicht das, was Gott uns gerade jetzt in dieser Krisenzeit ins Herz schreiben wollte:  „Habt keine Angst, ich bin bei euch! Ich bin bei dir – ja, ich bin da!“ 

Liebe Schwestern und Brüder, Gott unser Vater, ist in Rufweite. Gottes Sohn, Jesus, ist der Garant für die schützende und helfende Nähe Gottes, er ist die Rufbereitschaft Gottes in unserem Leben. Wenn es darauf ankommt, ist er zur Stelle. Freilich wird uns unser Leben dadurch nicht abgenommen, die Lebensstufen – und seien sie auch manchmal steil und dunkel - müssen wir schon selber gehen. Auch gerade jetzt, inmitten der Corona-Pandemie.

„Habt keine Angst, ich bin in euch, ich bin ja da“, sagte uns Jesus in den vergangenen Wochen. Es ist für mich selber sehr tröstlich und beruhigend zu wissen, dass der Herr mich nicht als Waise zurücklässt, sondern dass er immer bei mir bleibt und mir seine Hand entgegenstreckt. Wie das Kind auf dem Operationstisch durch die Nähe und den Beistand seines Vaters die Angst überwunden hat, brauchen wir Christen die Erfahrung, dass Jesus bei uns anwesend ist und unser Leben tatsächlich begleitet. 

Mag auch das Sackgassenschild auf dem Lebensweg noch so bedrohlich und endgültig erscheinen, wie gerade jetzt in dieser Corona-Pandemie, ist er doch bei uns und tritt für uns ein bei seinem himmlischen Vater: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.“ (Joh 17,11f). Wir dürfen darauf vertrauen, dass er uns in allen gegenwärtigen und zukünftigen, kleinen und großen Herausforderungen beistehen und zu guten Lösungen führen wird. Das gibt mir Trost. Das gibt mir Hoffnung. Es ist schön, dass ich an solch einen Gott glauben und mein Vertrauen auf ihn setzen darf.

Euer Pfarrer Varghese Georg Thaniyath