Esperança ist seit März 2008 ein Projekt der Pfarrgemeinde Göfis, das die soziale und pastorale Arbeit in Brasilien von DI Markus Breuß, der in Göfis aufgewachsen ist, und von Pe. Adilson José Selch, dessen Vorfahren aus Göfis ausgewandert sind, unterstützt.

Pe. Adilson schreibt:
Ich hatte die Hoffnung und Erwartung, sie im Sommer dieses Jahres zu besuchen. Aufgrund der Folgen der Pandemie war dieser Besuch leider nicht möglich. Eine weitere Gelegenheit wird kommen, so Gott will. Wichtig ist jetzt, gesund zu bleiben und sich gegenseitig zu helfen. Zu dieser Zeit war ich auch mit dem Virus infiziert, aber ich konnte mich erholen. Mehr als 600.000 Menschen in Brasilien verloren leider ihr Leben. Als Folge der Pandemie, einschließlich und vor allem aufgrund eines falschen Managements von Politik und Wirtschaft im Land, haben wir neben Todesfällen die Rückkehr von Inflation, Arbeitslosigkeit, Hunger, auch in der Gemeinde, in der ich lebe und arbeite. Wir sehen, wie sich Notsituationen vervielfachen. Ich verfolge die Situation von Hunderten von Familien, die von der Müllabfuhr überleben. Auch unsere Pfarrgemeinde leidet unter den Auswirkungen der Finanzkrise. Die Einnahmen für die Aufrechterhaltung der Seelsorge wurden halbiert. Unabhängig von der kritischen Situation halten wir solidarische Aktionen aufrecht, dienen und helfen nach unseren Möglichkeiten denen, die uns suchen. Glücklicherweise helfen viele Menschen freiwillig mit Spenden.
Im laufenden Jahr wurden verteilt: mehr als 20.000 Mahlzeiten (500 pro Woche); mehr als 6.000 tausend Brote; 8.000 tausend Kilo Lebensmittel (Reis, Bohnen, Nudeln, Mehl...); Darüber hinaus wurden Tausende von Kleidungsstücken aus Spenden verteilt. Wir haben auch wieder Projekte zur Aufnahme und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen aktiviert. Jeden Montag und Dienstag gibt es Musik, Theater, Sportworkshops mit vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Zusammen mit der Liturgie entschieden wir uns, anstatt Räucherstäbchen zu verbrennen, Gott in Mehl, Brot und Reis zu ehren, die dann an den Tischen von Familien ankommen. Leider, werden hier in Brasilien Bischöfe, Priester, Laien, die sich für soziales Engagement  einsetzen und die Haltung der Regierung in Frage stellen, in sozialen Netzwerken angegriffen und als Kommunisten beschuldigt. Jesus sagte zu den Jüngern: „Gebt ihnen selbst etwas zu essen!“ Ich denke, dies ist eine starke Zeit für uns, dieses Wort zu leben. Zusammen mit der Kraft des Gebets, das Hören auf das Wort, das Teilen der Eucharistie, das Teilen des täglichen Brotes, nehmen wir die Worte ernst, damit alle das Leben haben.
Ich danke euch allen noch einmal für Ihr Glaubens- und Lebenszeugnis, für Ihre Solidarität. Danke für den brüderlichen Empfang, den ich immer unter euch finde. Das Weihnachtsfest des Herrn naht. Auch der Beginn eines neuen Jahres steht vor der Tür. Möge es eine Zeit der erneuerten Hoffnung, des Friedens, des Lebens, der Gesundheit und der Würde für alle sein. Mit dem Läuten der Weihnachtsglocken gießt das Jesuskind reichlich seinen Segen über euch alle aus!
Fröhliche Weihnachten und gesegnetes 2022 und herzliche Grüße!

Pe. Adilson José Selch

 

DI Markus Breuß teilt unter anderem mit:
Auch im Jahr 2021 ist die Lage in Brasilien weiterhin sehr ernst. Die COVID-Pandemie fordert weiterhin seine Opfer, Ende Oktober waren es immer noch über 300 Tote pro Tag. Die Bundesregierung versäumt es, eine effektive und koordinierte Vorgehensweise umzusetzen und es fehlen auch abfangende, wirtschaftliche Maßnahmen. Viele der Familien, die wir mit unserem Verein ATABAQUE begleiten, leiden unter geringem Einkommen, fehlenden Lebensmitteln, schlechter ärztlicher Versorgung und Schwierigkeiten, mit dem psychischem Druck umzugehen.

Wir haben dieses Jahr verstärkt versucht, durch koordiniertes Fundraising und Förderungsansuchen Unterstützung von humanitären Hilfsorganisationen zu erlangen. Auf diese Weise konnten wir über 5.000 Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilen. Auch mit den Spenden aus Göfis haben wir einigen Familien in dieser Situation helfen können. Der Bio-Lebensmittelzustelldienst (@deliverydarocajacobina) wurde ausgebaut, wo Jugendliche aus unserem Viertel mitwirken und Produkte von lokalen ProduzentInnen bezogen und übers Internet vermarktet werden. Auch Afro-Mode wird im Online-Shop angeboten, wo Frauen aus unserer Nähwerkstatt (@meninasdoquilombo) ihre selbst genähten Kleidungstücke und Accessoires verkaufen können. Einige dieser Stücke können im Weltladen im bugo besichtigt und gekauft werden.
Vielleicht noch kurz zu mir: Ich war im Herbst für einen guten Monat auf Heimaturlaub in Göfis, um ein bisschen Abstand vom Geschehen in Brasilien zu gewinnen.Leider bin ich besorgt, was die (politische) Zukunft des lateinamerikanischen Landes betrifft. Viel wurde in den letzten Jahren zerstört, einiges ist nicht wieder gut zu machen. Für 2022 sind Wahlen vorgesehen. Was ist zu erwarten: Lügen, Fake-News Kampagnen, Ignoranz, Gewalt. Ich hoffe, dass ich Gegenteiliges erleben werden kann!

Somit wünsche ich uns allen eine besinnliche Weihnachtszeit im Zeichen des Verstehens und der Nächstenliebe, damit Lügen und Ignoranz keinen Platz mehr in dieser Welt haben. Ich wünsche uns allen „Esperança“!
Ein herzliches Vergelts Gott!

DI Markus Breuß

PS: Mehr Infos gibt es unter www.atabaquejacobina.blogspot.com,
Spendenkonto Projekt Esperança, Raiba Montfort, Bankstelle Göfis, IBAN: AT63 3742 2000 0783 1555

Vergelts Gott sagt auch,
Edith Bischof, als Kontakt und Auskunftsperson