Seit unserem letzten Artikel waren wir dreimal in Äthiopien. Darum möchten wir hier von unserer Arbeit berichten.

1. Schwerpunkt: Neu- und Umbauten der Ambulanzen

In den letzten 1 1/2 Jahren wurden die Um- und Neubauten in drei Stationen abgeschlossen. Für dieses Jahr war nur noch der Ausbau einer letzten Station geplant. Bei unserem letzten Aufenthalt im Oktober wurden wir jedoch um Hilfe bei der Renovierung für zwei weitere Ambulanzen gebeten. Da die Umbauten dringend notwendig sind, werden die Vorhaben von uns unterstützt, sowohl was die Planung, als auch die Finanzierung betrifft. Die Einrichtung der Ambulanzen ist beinahe abgeschlossen. So erhielten alle Stationen neue Mikroskope, was eine hohe Qualitätsverbesserung darstellt. In zwei Stationen fehlen noch die Sterilisatoren. Da die äthiopische Regierung Schwierigkeiten bei der Einfuhr der Geräte macht, ist es im Augenblick nicht möglich, diese  Apparate zu besorgen. Wir hoffen jedoch, in diesem Jahr auch dafür eine Lösung zu finden. Dann haben wir für alle Ambulanzen, was Einrichtung und Raumangebot betrifft,  einen guten Standard erreicht.

2. Schwerpunkt: Förderung der Ausbildung

Seit zwei Jahren finden regelmäßige Schulungskurse für alle Laboranten der elf Stationen statt. Die Lehrer des Krankenhauses Bushulo führen zusätzliche Kontrollbesuche in den einzelnen Stationen durch. Die Ergebnisse wurden und werden gemeinsam analysiert. Aus den Resultaten werden entsprechende Konsequenzen gezogen. Dies bedeutet für einzelne Laboranten eine intensive, länger dauernde Nachschulung. Im  Allgemeinen sind die Kontrollergebnisse jedoch gut. Aufgrund der Einführung neuer Untersuchungsmethoden wurde im letzten Jahr ein dreitägiger Schulungskurs in mikroskopischer Diagnostik im Krankenhaus Bushulo veranstaltet. Wir werden dieses Programm der Qualitätssicherung am Arbeitsplatz und der Erweiterung der Untersuchungsmöglichkeiten auch in den nächsten Jahren weiterführen. Für dieses Jahr ist der Start neuer Untersuchungsmethoden, wie z.B. die Durchführung eines Blutbildtests bei Schwangeren geplant. Dies ist ein wichtiger Schritt, da die Sterblichkeit bei werdenden Müttern sehr hoch ist. Es werden in den nächsten Monaten alle Stationen mit den entsprechenden Apparaten ausgestattet.

3. Schwerpunkt: Weiterbildung der Krankenschwestern und Pfleger

In der Provinz Awassa veranstalteten wir drei mehrtägige Fortbildungskurse im Bereich der medizinischen Diagnostik und Therapie. Ein vierter Kurs fand, auf Wunsch von Bischof Abraham, in der benachbarten Provinz Meki statt. Neben einer Beteiligung von fast 100%  waren alle Kurse durch eine sehr rege Mitarbeit der TeilnehmerInnen geprägt. Die Kursunterlagen wurden von uns gemeinsam mit äthiopischen Ärzten erarbeitet. Die Fortbildung fand in unserem Beisein statt.  Durch das Einbinden einheimischer Fachkollegen ist eine Weiterführung auch für die Zukunft gesichert. Der erste Kurs in diesem Jahr wird im März stattfinden, während unseres Aufenthaltes in Äthiopien. Die Vorbereitungen laufen zurzeit.

Wie wichtig die Fortbildung sowohl für Laboranten als auch für das medizinische Personal ist, möchten wir euch aufgrund der nachstehenden Zahlen darstellen. Die Provinz Awassa ist mit 101 000 km² etwas größer als Österreich und zählt derzeit ca. 7.5 Mio. Einwohner. Den elf Missionsstationen sind von der äthiopischen Regierung 390 000 Bewohner zur medizinischen Versorgung zugeteilt. Aufgrund der hohen Qualität der medizinischen Leistungen und der menschlichen Zuwendung durch die Schwestern und Pfleger umfasst die tatsächlich zu versorgende Bevölkerung ca. eine halbe Million.

4. Schwerpunkt: Er betrifft den Fond für Patienten, die sich die Behandlung einer schweren Erkrankung nicht leisten können.

Seit einem Jahr steht jeder der elf Stationen jährlich eine gewisse Summe für Spezialbehandlungen zur Verfügung. Diese Einrichtung wird von allen Stationen immer mehr in Anspruch genommen. Als Beispiel möchten wir den Fall eines vierzehnjährigen Mädchens anführen. Diese Patientin erkrankte an einer schweren Entzündung der Wirbelsäule mit zunehmender Verkrümmung, die als Folge eine schwere Atemnot verursachte. Wir fanden ein amerikanisches Ärzteteam, das in einer 10-stündigen Operation eine Wirbelsäulenkorrektur durchführte. Der Eingriff wurde von diesen Ärzten kostenlos vorgenommen. Die Kosten der Voruntersuchungen und Nachbehandlung wurden von uns aus diesem Fond finanziert. Wir trafen Mabrate bei unserem Aufenthalt im Oktober. Das Wiedersehen war für uns sehr beeindruckend. Auf den Fotos könnt Ihr den Zustand vor und nach der Operation erkennen. Das Mädchen ist jetzt erstmals in der Lage die Schule zu besuchen. Ihr strahlendes Lächeln zeigt uns ihre Gefühle. Die Ausbildung wird von uns finanziert, da Mabrate nie schwere körperliche Arbeiten verrichten kann. Sie ist jedoch durch den Schulbesuch in der Lage, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Dieser Fond wird ganz speziell von der Pfarre Frastanz gefördert. Alle diese Aktivitäten bedeuten mehr als nur den berühmten Tropfen auf den heißen Stein und sind nur mit eurer Unterstützung möglich. Wir bedanken uns bei euch allen ganz herzlich im Namen unserer Patienten.

Dr. Bruno und Marlene Renner