Der Himmel wartet auf uns!

Warum also höllisch hetzen?
Sind wir schneller am Ziel, wenn wir uns beeilen?
Oder nur schneller weg vom vorigen Standpunkt?
Die Gefahr über das Ziel hinaus zu rasen ist größer,
wenn wir ungezügelt drauflosrennen?
Oder erreichen etwa Schnellschüsse das Ziel genauer?
Sollten wir aber nicht schon weiter sein?
Andere sind schon am Ende (ihrer Geduld).
Warum dauert vieles
(nicht nur in Rom, sondern auch bei uns)
bis zur Entscheidung so lange?
Es heißt: "Gut' Ding braucht Weile".
Braucht besseres Ding Langeweile?
Wenn wir das Leben erlangt haben,
werden wir jene bedauern,
die ihm immer noch nachlaufen.
Wenn wir über unser eigenes Verhalten
selbstbewusst frei entscheiden - was stört uns dann
das fremdgesteuert verhaltene Entscheiden anderer?
In glücklichen Augenblicken vergessen wir die Zeit.
Stunden der Begeisterung verfließen im Nu.
In ihnen verweilen wir beschaulich.
Wir spüren: Ewigkeit kennt keine Grenze.
Der Himmel ist der Einschränkung durch Raum und Zeit entzogen.
Wir können ihn grenzenlos genießen.
Ohne Eile wird er uns zu unserem Heil zu Teil,
wenn wir nicht schon beim weiter Entfernten sein zu müssen meinen
bevor wir beim Nächstliegenden angekommen sind.
Es ist persönlich wohltuender und für die Gemeinschaft förderlicher,
sich und anderen Zeit zu lassen als sie sich und anderen zu nehmen.
Vorausdenken und Nachsinnen brauchen Freiraum und Freizeit.
Diese gegenwärtig beim 'Philosophicum Lech' auskostend grüßt

Pfarrer Werner Witwer
September 2012