Im ersten Corona Lockdown entstand die Idee für dieses wunderbare Gemeinschaftswerk. Nun können sie es in der Dompfarre St. Nikolaus in Feldkirch bestaunen. Bis Ende August zu den Öffnungszeiten im Pfarrbüro und ab 1. September jeweils vor und nach den Gottesdiensten in der Abendmahlkapelle.

Die Idee…

 

Der Schreibende predigt und forscht, er gibt grosszügig weiter und betet, lässt sich ergreifen, gibt Salz, Quellwasser und Licht den Künftigen, bereichert und verteidigt, bewacht …

Johannes Gerson, Theologe,  (1363-14-29)

 

Heilmittel gegen die Vereinzelung...

 

Wenige Stunden vor dem vollständigen Lockdown in der Schweiz am 16. März suchte ein kleines Team aus reformierten und katholischen Seelsorgenden in St. Gallen nach einer Möglichkeit, die drohende Vereinzelung zu überwinden. In Krisenzeiten gilt es, zum Grundlegenden und Tragendem zurückzukehren. Die Bibel ist zwar kein Heilmittel gegen das Coronavirus, wohl aber ein wirksames Mittel, den eigenen Ängsten und Sorgen Sprache zu verleihen. Darum lud das Projekt-Team der St. Galler Corona-Bibel Menschen aus St. Gallen und Umgebung, aus der Schweiz und schliesslich aus allen Ländern ein, jeweils ein Kapitel der Bibel mit der eigenen Handschrift abzuschreiben. Für die insgesamt 1189 Kapitel der Bibel galt es Schreibende zu finden.

 

Schreiben verbindet und befreit...

 

Über Jahrhunderte wurden im Skriptorium des St. Galler Klosters heilige Texte abgeschrieben, illustriert und kommentiert.

Nicht nur aus der klösterlichen Tradition wissen wir, dass das Abschreiben von Texten von der beklemmenden Gegenwart befreien kann. Wer alte Texte abschreibt, verbindet sich mit den Hoffnungen, Sehnsüchten, Ängsten und Sorgen derer, die vor uns gehofft und gebangt, gelitten und seufzt haben. Auf diese Weise wird die alles bestimmende Macht der Gegenwart gebrochen, weil Vergangenheit und Zukunft neu in den Blick kommt. Viele der über 900 Schreibenden haben uns später von dieser Erfahrung erzählt und berichtet.

 

Ein Stück Geschichte schreiben...

 

Darum haben wir dazu aufgefordert, sich mit einem Kapitel der Bibel schreibend, illustrierend und kommentierend auseinanderzusetzen.

Jede Handschrift schreibt ein Stück Geschichte, ist Teil einer Lebensgeschichte und wird zu einem Zeitzeugnis erlebter Geschichte.

 

Was daraus entstanden ist…

 

Halten Sie gerade in den Händen. Die St. Galler Corona-Bibel ist ein einzigartiges Gemeinschaftswerk unzähliger einzelner, die miteinander ein Werk voller Überraschungen und Geheimnissen, voller Energie und Spiritualität geschaffen haben  - in einer Zeit der Krise, in der Hundertausende weltweit durch den Coronavirus starben und weiterhin das Leben vieler gefährdet ist.

 

Das gebundene und künstlerisch gestaltete Original der St. Galler Corona-Bibel, das insgesamt aus sieben Bänden besteht, wird in einem feierlichen Akt der St. Galler Stiftsbibliothek übergeben. Dort wird es als einzigartiges Zeitzeugnis ausgestellt und aufbewahrt.

 

Möge jede einzelne Seite dieser Bibel, wo und wie immer sie gelesen wird, ob im Krankenhaus oder am Küchentisch, ob allein oder gemeinschaftlich zur Kraftquelle werden, den anstehenden Herausforderungen mutig und hoffnungsvoll entgegen zu treten.

 

Dein Wort. Ein Licht. Auf unseren Wegen.