Damals, als Jesus geboren wurde, hörte eine ganz reiche und edle Frau von dieser ganz besonderen Geburt....

...Gerne wollte sie dieses Königskind besuchen. Sie packte ein paar wertvolle Edelsteine ein und folgte den Königen, die zu diesem Kind aufbrachen.

Auf ihrem Weg traf sie auf einen verletzten Mann. Die Könige aber zogen weiter. Doch die Frau blieb stehen und half dem Mann. Sie brachte ihn zu einem Wirten und gab ihm einen Edelstein, sodass er sich um den verletzten Mann kümmern konnte. Dann zog sie weiter Richtung Betlehem.

Nach kurzer Zeit sah sie eine arme Witwe mit ihren Kindern. Sie konnte doch nicht vorbei reiten und so blieb sie auch hier stehen und half ihr. Sie gab ihr genügend Edelsteine, dass sie für sich und ihre Kinder sorgen konnte. Danach zog sie weiter. Bald wäre sie in Betlehem, beim Königskind, dachte sie. Und freute sich sehr, dass sie dieses besondere Kind besuchen konnte.

Doch schon am nächsten Tag traf sie auf eine Gruppe Menschen, die alle sehr krank waren. Niemand kümmerte sich um sie und in die Stadt durften sie auch nicht mehr. Auch ihnen muss man doch helfen, dachte die edle Frau und blieb stehen. Sie verband die Wunden, kochte Essen für sie und sorgte sich um sie. Die Zeit verging und mittlerweile hatte sie auch keine Edelsteine mehr, so dass sie weiter nach Betlehem reisen konnte. So blieb sie weiterhin bei den Menschen und kümmerte sich um sie. Mittlerweile war die edle Frau schon sehr alt geworden, aber sie vergaß nie, dass sie sich doch auf dem Weg zum Königskind machen wollte.

Eines Tages ging sie in die Stadt um Essen für die Menschen zu besorgen. Da hörte sie eine Menge johlen und schreien. Sie stieg auf einen Hügel hinauf und sah einen Mann der ein Kreuz trug. Er war voller Blut und hatte große Schmerzen. Keiner half ihm. Da eilte sie zu ihm und gab ihm das einzige was sie noch besaß. Es war ein weißes Leinentuch. Sie reichte es ihm und er legte es auf seine Wunden im Gesicht. Er gab es ihr zurück und sagte „Du warst seit meiner Geburt bei mir - in den Menschen, denen du geholfen hast.“

Und als sie das weiße Leinentuch sah, sah sie SEIN Gesicht - das Gesicht des Königkindes!
                                                             © Gaby von der Thannen-Nuck