Die Ortschaft Braz ist ob zahlreicher Wildbäche und Murabbrüche seit jeher Wassergefahren ausgesetzt. Das mag die Bewohner im Mittelalter dazu bewogen haben, ihre Kapelle dem Walserheiligen Nikolaus zu weihen, dem besondere Verehrung in der Abwehr von Hochwasser zukam. In dieser Funktion als „Wasserpatron“ wurde er in der Barockzeit vom hl. Johannes von Nepomuk abgelöst, den wir am Vorplatz der Kirche antreffen und welcher auch in der barocken Ausstattung mehrfach seinen Platz gefunden hat.

Wie das ganze Klostertal gehörte Innerbraz im Mittelalter zur uralten Pfarre Nüziders. Die Auslösung aus dieser seelsorglichen Abhängigkeit begann im 15. Jahrhundert, während die zum Bludenzer Kirchspiel zugehörigen Außerbrazer sich zunehmend an der entstehenden Pfarre St. Nikolaus orientierten. Der endgültige Zusammenschluss erfolgte durch ein Dekret Josefs II. 1785.

Die 1383 erstmals erwähnte St. Nikolauskapelle wurde um 1500 bedeutend vergrößert und 1501 von neuem geweiht. Ihre heutige Ausgestaltung erhielt sie im 18. Jahrhundert, wobei der aus Braz stammende, engagierte Pfarrer Franz Anton Leu maßgeblichen Anteil hatte. Zahlreiche Künstler aus Vorarlberg und Tirol haben durch seinen Einsatz hier ihre Spuren hinterlassen. Nach mehr oder weniger misslungenen Renovierungen 1885 und 1896, wo einem Trend der Zeit folgend die barocken Altäre durch neuromanische ersetzt worden waren, wurde im 20. Jahrhundert der barocke Gesamtcharakter wieder hergestellt. Heute präsentiert sich die Pfarrkirche St. Nikolaus ob ihrer reichhaltigen Ausstattung als eine der schönen Barockkirchen der Region.

Für den 1760 errichteten Hochaltar lieferte Josef Klemens Witwer aus Imst eine mächtige Figur des hl. Nikolaus sowie die Assistenzfiguren der hll. Bischöfe Martin und Ulrich. Auch die Figuren am linken Seitenaltar stammen aus der Werkstatt Witwers, während jene am rechten Seitenaltar von Josef Anton Renn – einem weiteren Barockbildhauer aus dem Tiroler Oberland stammen. Neben diesen beiden lieferte auch der aus dem Paznauntal stammende Johann Ladner ein Werk für die Brazer Kirche – jenes mächtige Kruzifix, welches später in das Kriegerdenkmal integriert wurde.

Große Bedeutung kommt der Pfarrkirche Braz auch hinsichtlich der barocken Maler zu, welche an ihrer Ausstattung mitgewirkt haben. An erster Stelle ist Johann Jakob Zeiller aus Reuthe zu nennen, einer der bedeutendsten Tiroler Maler des 18. Jahrhunderts. Er schuf das linke Seitenaltarbild „Maria Immakulata“ in leuchtendem Kolorit. Zeiller nahm zwei junge Männer aus Braz als Lehrlinge bei sich auf, von denen der ältere – Franz Thomas Leu – eine Reihe von Werken in seiner Heimatkirche hinterlassen hat. Neben den Kreuzwegstationen aus dem Jahr 1776 (die er mit 20 Jahren schuf; sie sind somit als ausgewiesenes Frühwerk anzusprechen) stammen auch das Kanzelrückwandbild „Maria mit Jesus und Johannes“ (eine Kopie nach Anthonis van Dyck) sowie das Vorsatzbild „Maria vom guten Rat“ am linken Seitenaltar aus seiner Hand.

Neben Leu ist Philipp Jakob Greil als Urheber des Gemäldes des hl. Johannes Nepomuk am rechten Seitenaltar zu nennen; vor allem aber verdient Christoph Klausner als interessante Künstlerpersönlichkeit unsere Aufmerksamkeit. Der aus dem Raum Kufstein stammende Maler hat sich als Schöpfer der Deckenmalereien verewigt, die ganz in barocker Manier die himmlischen Hierarchien darstellen. Im Mittelpunkt steht die Eucharistie mit einer prachtvollen Abendmahlsdarstellung. Nach neuerer Forschung ist Klausner vermutlich auch als Schöpfer der 13 Heiligenfiguren an der Emporenbrüstung anzusprechen.

 


©Christof Thöny