Für Martin Fenkart steht die Fastenzeit für die Einladung, sich vom Blick Gottes treffen zu lassen. Und Thomas Berger-Holknecht stellt die Sehnsucht nach dem Wunder von einem Mehr an "Staunen und Genießen können" in die Mitte.

Nathanael unterm Feigenbaum

Martin FenkartLiebes Piktogramm – ich drehe dich um 90 Grad nach links. Aahh: Eine ganz neue Perspektive: Da liegt ja jemand auf dem Boden und ruht sich aus unter einem Schatten spendenden Blatt. Urlaubstimmung? Cocktails? Endlich Zeit für Entspannung? „Arbeitsfasten“? Wer liegt denn eigentlich überhaupt hier so schön entspannt? Möglicherweise heißt das Männchen Nathanael. Genau! Da gibt es nämlich eine Geschichte in der Bibel von einem gewissen Nathanael. Der lag da unter dem Feigenbaum. Was er da gemacht hat zwischen Feigen und grünen Blättern das wissen wir leider nicht. Einer aber wusste das und hatte was gesehen – das war Jesus.

Nathanael hat Jesus getroffen und ihn gefragt: „Woher kennst du mich?“ Und Jesus antwortete ihm: „Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.“ Nathanael ist beeindruckt, denn ein Blick sagt offensichtlich wirklich mehr als 1000 Worte und Nathanael will von da an mit Jesus durch sein Leben gehen.

Jesus hatte einen aufmerksamen und wachsamen Blick für die Menschen – nicht nur für seine Freunde. Er hat zum Beispiel den „Nathanael unter’m Feigenbaumblatt“ in seiner Einzigartigkeit, Schönheit und Tiefe erkannt und der junge Nathanael hat sich offensichtlich selber in den Worten von Jesus erkennen können.

Die Einladung steht: Lassen Sie sich uns vom Blick Gottes treffen und wagen Sie den Versuch einmal Jesus in die Augen zu schauen. Es könnte ja sein, dass er auch zu Ihnen sagt: „Komm – folge mir nach!“

Martin Fenkart, Hohenems

__________________________________________________

Sehnsucht Wunder

Berger-Holzknecht Thomas"Alles beginnt mit der Sehnsucht, immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres. (...) Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an? So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen, Dich zu suchen, und lass sie damit enden, Dich gefunden zu haben." (Nelly Sachs)

Schon lange steht bei mir in der Fastenzeit nicht mehr der Verzicht im Vordergrund. Die Fastenzeit ist für mich eine geschenkte Zeit, in der ich eine Ahnung vom Reich Gottes zu bekommen versuche. Das gelingt mir dort, wo ich mich für die vielfältige, verborgene Gegenwart Gottes öffnen kann. In mir schlummert eine verlässliche Sehnsucht, Gott in meinem Leben zu entdecken (ich vermute, das meinen die Theologen, wenn sie von Gnade sprechen ...). Und diese Sehnsucht führt mir deutlich vor Augen, wie schnell und druckvoll das Getriebe meines Alltags abläuft, wie besinnungslos ich oft durchs Leben eile, und dabei so manches Wunder unbestaunt an mir vorüberziehen lasse.

"Die Zeit heilt alle Wunder, schon nach wenigen Jahren nur noch Narben da wo Wunder waren.", singt die deutsche Gruppe "Wir sind Helden". Die Fastenzeit ist mir in dieser Dynamik eine heilsame Unterbrechung und führt mich dann doch noch zu einem Verzicht, der aber nicht unbelohnt bleibt. Sie führt mich eher zu einem Verzicht auf "Machen wollen" und zu einem Mehr an "Staunen und genießen können".

Im Pastoralgespräch "Die Wege der Pfarrgemeinden" hat mich ein Zitat von Johannes Paul II immer wieder berührt: „Der Sohn Gottes vollbringt auch heute sein Werk. Wir brauchen aufmerksame Augen, um es zu sehen, und vor allem ein großes Herz, um selber seine Werkzeuge zu werden.“

Auch dazu lädt mich die Fastenzeit ein.

Thomas Berger-Holzknecht, Lingenau