Johannes Lampert schreibt in seinem Impuls über das rechte Maß

Lampert Johannes 2Die Werte sind ein Hund. Sie vernebeln uns die Sicht, verstellen sie mit zahlenmäßigen Vorstellungen und schmücken uns mit Gedanken wie: Was hab ich denn nun davon? Wovon?

Ein weiser Mann hat einmal von Umsonstigkeit gesprochen. Das hat er wahrscheinlich darum gemacht, dass man sich Fragen wie „Was hab ich denn nun davon?“ nicht mehr stellen muss, dass man lebt, weil man lebt, nicht um zu erleben. Für umsonst quasi. Und bitte seht „für umsonst“ jetzt bei Gott nicht wertend.

Wert wird heute mit Zahl gleichgesetzt. Das ist einfach, drum konnte diese Gleichsetzung ja überhaupt erst passieren. Und weil Zahlen mathematisch nach oben keine Deckelung gekriegt haben, wird Mensch recht schnell tugendhaft maßlos. Schuld ist dann die Gesellschaft oder manchmal natürlich auch das System. Das liegt auf der Hand, das mit der Schuld. Ein grässliches Wort eigentlich. Den Begriff Schuld sollte man eigentlich schon lange mit einem anderen Wort austauschen. „Spiegel“ zum Beispiel. Da liegt dann keine Anmaßung mehr drin. Im Spiegel. Da werde ich im besten Fall auf mich selber zurück geworfen.

Mea culpa, wo das wohl herkommt?

Das Problem schlussendlich an der Schuld ist, dass sie nicht mehr getilgt wird, sondern nur noch gesucht oder vergeben. Urteile werden gesprochen, Behandlungen objektiviert, Verantwortungen entnommen, an Wertungen wird kaum gespart und Sprüche werden dann in ziemlicher Schlichtheit erteilt. Urteilssprüche, jeden Tag. Untereinander, aneinander, selten an einem selber. Die Schuld als Auszeichnung.
Wunderbar.
Wäre es da vermessen zu fragen: Und was hab ich denn nun davon?

Johannes Lampert, Göfis