Die Fastenpredigten 2010 in der Wallfahrtskirche Maria Bildstein. Am 21. Februar hat Jugendseelsorer Dominik Toplek das Wort

Liebe Fastende!

Vorbereitung auf Ostern sieht normalerweise so aus: wir überlegen uns, auf was wir alles in der Fastenzeit verzichten möchten und hoffen es mit ein paar Jokern durchzuhalten. Wir wollen ja schließlich dann an Ostern stolz auf uns sein 40 Tage erfolgreich gegen den Versucher angekämpft zu haben. Die Vorbereitung und innere Reinigung geschieht so durch harten Verzicht bzw. durch Bußübungen.

Umgekehrter Weg

Heute lade ich sie ein, den umgekehrten Weg auf Ostern hin zu gehen. Schauen wir nicht auf den Verzicht, sondern blicken wir am Beginn bewusst in die Zukunft, auf das gelobte Land, das uns erwartet. Blicken wir auf die Früchte, welche wir Gott darbringen werden, wenn wir ein Leben eingetaucht in Milch und Honig genießen.

Peter Fox, ein deutscher Sänger, hat im letzten Jahr in seinem Lied "Haus am See" von seiner Vision von einem beschenkten, glücklichen Leben gesungen:

„Und am Ende der Straße steht ein Haus am See.
Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg.
Ich hab 20 Kinder meine Frau ist schön.
Alle kommen vorbei ich brauch nie rauszugehen.

Hier bin ich gebor'n, hier werd ich begraben.
Hab taube Ohr'n, 'nen weißen Bart und sitz im Garten.
Meine 100 Enkel spielen Cricket auf'm Rasen.
Wenn ich so daran denke kann ich's eigentlich kaum erwarten.

Nichts weniger als heiles Leben

Es wird nicht erwähnt, wie dieser paradiesische Lebensabend Wirklichkeit werden kann. Da sind wir im Vorteil, denn heute wird uns erzählt, dass Gott uns in die Zukunft führt, und das in eine noch weit freudigere, in eine erfüllte Zukunft.
Gleich vorweg: diese Bild von heilem Leben müssen wir immer vor Augen haben, wir dürfen uns nicht mit wenigerem zufrieden geben und wir dürfen nicht der Versuchung erliegen, uns diese Zukunft selber machen zu wollen, denn dann verkehrt sich diese Zukunft, sie wird eine einzige Enttäuschung.

Üben wir uns in dieser Fastenzeit ein, dieses Bild nicht aus den Augen zu verlieren. Denn ich bin überzeugt, dass wir mühelos durch diese Fastenzeit gehen werden, Schritt für Schritt, auch durch die schmerzhaften, läuternden Phasen hindurch, die immer auftauchen werden und uns herausfordern wollen, letztlich blenden wollen, damit wir die echte Zukunft mit Gott nicht mehr sehen. Wer diese Vision vom Heil immer vor Augen hat, wird von dieser Vision her „verwandelt“, er wird sich verändern.

Ich darf dazu den deutschen Theologe Fulbert Steffensky zitieren: „Was Lernen, Veränderung und Bekehrung möglich macht, das ist nicht allein die Aufdeckung des bisherigen Elends, sondern die Erwartung eines bisher noch nicht eingelösten Versprechens von Glück. Bekehrung kommt nur zustande, wo große Träume von menschlichem Glück eingeübt werden.“

Und am Ende werden wir erleben, dass selbst diese Träume vom menschlichen Glück eine Ahnung von den Himmel ist, der sich an Ostern uns zeigt.

Dominik Toplek
Jugendseelsorger der Diözese Feldkirch