Mitten in der Corona-Krise, am 1. April, als bereits auf Home-Schooling umgestellt war, wurde aus der Religionslehrerin der Volksschule Feldkirch-Altenstadt, Roswitha Schwaninger, die neue Fachinspektorin für Religionsunterricht in den Bezirken Feldkirch und Bludenz. Im KirchenBlatt-Interview spricht sie über die Aufgaben einer Fachinspektorin und über die Bedeutung des Religionsunterrichtes in Zeiten wie diesen.

Unterrichten Sie neben Ihrer neuen Tätigkeit als Fachinspektorin weiterhin Religion?
Roswitha Schwaninger: Nein. Die Entscheidung hierfür ist mir zwar schwergefallen, weil ich die Arbeit geliebt habe, aber ich habe mir mit Hermann Hesse gesagt: Es ist Zeit, sich in andere, neue Bindungen zu begeben.

Welches sind die Aufgaben einer Fachinspektorin für Religionsunterricht?
Schwaninger: Ich unterstütze und begleite die Lehrer/innen. Es passiert in den Religionsstunden so viel Tolles – das will ich sehen, würdigen und bestärken. Meine Aufgabe ist aber auch, die Qualität des Unterrichts zu erhalten und sie weiterzuentwickeln. Außerdem halte ich Kontakt zu Direktor/innen und Priestern, damit die Religionslehrer/innen gute Voraussetzungen haben. Ein weiterer großer Aufgabenbereich ist das Personal-Management: Ich bin für die Besetzung der Schulen mit Religionslehrer/innen zuständig.

Als Fachinspektorin besuchen sie in normalen Zeiten die Lehrer/innen an den Schulen und kommen dabei auch in den Unterricht. Beinhaltet das nicht den Beigeschmack von Kontrolle?
Schwaninger: Mein ganz großes Anliegen ist es, dass ich den Lehrer/innen auf Augenhöhe begegne. Vor vielen Jahren wurde vielleicht inspiziert und kontrolliert, jetzt sind es Besuche, zu denen ich mich übrigens im Voraus anmelde. Ich wünsche mir, dass durch die Art, wie ich auf Menschen zugehe, diese Besuche als Begegnung wahrgenommen werden.

Wie läuft der Religionsunterricht im Home-Schooling ab?
Schwaninger: Die Volksschüler/innen bekommen ganzheitliche Aufträge, die sie nachher nicht abgeben müssen. Oft sind es Impulse für Gebete oder Bastelanleitungen, z.B. für einen Tischwürfel. Diese Impulse bieten eine Auszeit mit Gott oder mit der Familie. Die Aufgaben sollen auch eine Hilfestellung sein, damit die Kinder ein Gefühl der Sicherheit und der Geborgenheit bekommen und sie erfahren können „Ich bin geborgen in Gottes Hand“.

Und wie sieht der Religionsunterricht in mittleren und höheren Schulen aus?
Schwaninger: Dort gibt es auch direkten Kontakt zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen über digitale Programme. Es geht nun nicht um das Herunterklopfen von Wissen, sondern es wird über religiöse, ethische und soziale Themen diskutiert, aber auch darüber, was jetzt Sicherheit gibt. Die Schüler/innen werden begleitet, und es wird über ihr Leben in der Corona-Zeit gesprochen. Da passiert ganz viel Tolles.

Ist die momentane Situation auch eine Chance für den Religionsunterricht?
Schwaninger: Ja und nein. Beim Religionsunterricht generell können die Schüler/innen zu sich kommen, und sie werden in ihrer Person und in ihren Fragen ernst genommen. Des Weiteren wird im Religionsunterricht vermittelt, dass Gott alle Wege mitgeht. Diese beiden Punkte bekommen in der jetzigen Situation eine neue Bedeutung, insofern werden die Stärken des Religionsunterrichtes besser wahrgenommen.
Andererseits ist gerade beim Religionsunterricht der persönliche Kontakt sehr wichtig und der fällt jetzt teilweise komplett weg. Außerdem lebt der Unterricht vom Fragen-Stellen, vom miteinander Reden und Diskutieren, was zur Zeit nur eingeschränkt möglich ist. «

Roswitha Schwaninger

Roswitha SchwaningerGeboren und aufgewachsen in der Südoststeiermark. Studium der Theologie in Graz und Tübingen. Berufseinstieg als Pastoralassistentin in Graz. 17-jährige Tätigkeit als Religionslehrerin an den Volksschulen Rankweil-Montfort und Altenstadt. Referentin an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg für Didaktik. Seit 1. April Fachinspektorin für Religionsunterricht in der Region Süd (Bezirk Feldkirch und Bludenz).

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 17 vom 23. April 2020)