Wir wissen es ja. Auf die verschiedenen Gütesiegel und Prüfzeichen sollte man achten. Man weiß ja, dass man mit jedem erworbenen Produkt eine Entscheidung getroffen hat – fair gehandelt oder nicht. Man weiß ja, dass man dadurch Verantwortung übernehmen kann. Und das will man doch, oder? Voraussetzungen, Möglichkeiten, Chancen und die Machbarkeit des fairen Lebens stehen beim vierten Vorarlberger EthikForum zur Diskussion – am 8. März, 9 – 15 Uhr, im Kulturhaus Dornbirn.

Ja, es stimmt, viele Menschen haben es satt, auf Kosten anderer zu leben. Viele spüren, dass das Ziel der „Energieautonomie“ ein wichtiger Teilaspekt ist, aber sicher nicht alles sein kann. Und viele Menschen in Vorarlberg wollen auch ihren ganz normalen Alltag sozialer und ökologischer gestalten. Oft steht man dann aber vor vollen Regalen und die Produkte wetteifern miteinander, wer auf das schönste Gütesiegel verweisen kann. Überforderung macht sich bemerkbar.

Ermächtigung zum Guten und Richtigen

Das EthikForum Vorarlberg befasst sich 2013 nun genau mit diesem Spannungsfeld von moralischen Intuitionen und den Situationen der Überforderung in der Frage eines gerechten und fairen Lebensstils.
Die spannende Frage ist dabei jene nach der Ermächtigung: Was ermächtigt uns, das Gute wirklich zu tun? Wodurch gewinnen wir die Freiheit, zu aufmerksamen Gestalter/innen unseres Lebensstils zu werden?

Die globale Kehrtwende

Claudia Langer, Referentin beim vierten EthikForum, ist so eine Gestalterin. Vor mittlerweile fünf Jahren hatte sie die Nase voll von salbungsvollen Weltverbesserungs- Reden, bei denen es meist beim Reden blieb. Deshalb gründete sie „utopia.de“, eine Onlineplattform für Kaufberatung. „Viel zu oft begnügen wir uns schon damit, dass wir im Biomarkt einkaufen. Gleichzeitig aber wissen wir nicht, was in unserem Aktienportfolio drin ist. Sind wir ehrlich mit uns, wollen wir fair leben, geht es dabei auch um Verzicht und auch um Schuld, denn natürlich werden uns unsere Kinder fragen, was wir getan haben und wir werden ihnen sagen müssen, dass wir nichts getan haben“, erklärt Claudia Langer und betont, dass die vielen Krisen, die in den vergangenen Jahren immer präsenter geworden sind (Lebensmittelkrise, Bankenkrise, Arbeitsmarktkrise, …), am Ende des Tages sehr viel mehr miteinander zu tun haben, als man auf den ersten Blick vermuten würde. „Uns bleiben noch etwa fünf bis zehn Jahre, um eine Katastrophe zu verhindern. Deshalb ist es ein Ziel von ,Utopia‘, Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam in Richtung Nachhaltigkeit aufbrechen und so auch die Welt verändern wollen“, setzt Langer zur globalen Kehrtwende an. Und ja, sie weiß, dass das nicht einfach ist. Claudia Langer weiß aber auch, dass es notwendig und bereits höchste Zeit dafür ist.

Welche Erkenntnisse liefert die Sozialethik dazu?

„Was macht mich ethisch?“, diese Frage stellt sich beim EthikForum Vorarlberg schließlich die Moraltheologin und Sozialethikerin Dr. Hille Haker. Und auch sie sieht den Menschen von heute eingebettet in Situationen, denen er sich moralisch verpflichtet fühlt und solchen, in denen er das persönliche Glück über diese Verpflichtungen stellen möchte. „Für mich ist wichtig zu erkennen: Wir können gar nicht anders als moralisch oder ethisch zu handeln. Die Frage ist nur, wie wir ethisch richtig handeln, ohne weder unseren eigenen Glücksanspruch noch den Anspruch anderer auf ihr Glück zu leugnen. Als Ethikerin sage ich: Es geht nicht um das richtige Leben, sondern um eines, das richtiger ist als das falsche.“

Marktplatz der Initiativen und Lerncafes

Die Vorträge der beiden Referentinnen bilden den Auftakt zum vierten Vorarlberger EthikForum. Der Marktplatz der Initiativen und die Lerncafes sind dabei jene Orte, an denen sich lokalen Initiativen vorstellen und jede/r das faire Leben gleich einmal ausprobieren kann - zu Themen der Zukunft ohne Hunger, der Gemeinwohl-Ökonomie, des biofairen Konsums, der Vision Ökoland Vorarlberg, der Talente und der solidarischen Energie aus Vorarlberg.
Und vielleicht bleibt am Ende dieses Tages etwas hängen von der Utopie eines fairen Lebens und der Freiheit, das Gute und Richtige zu tun.


Termin

Ethik Forum Vorarlberg
„Fair leben in Vorarlberg – Von der Freiheit, das Gute und Richtige zu tun“
Fr. 8. März, 9 – 15 Uhr
Kulturhaus Dornbirn

Referenten: Claudia Langer (Gründerin der Onlineplattform für Kaufberatung „utopia.de“) und Univ. Prof. Dr. Hille Haker (Sozialethikerin und Moraltheologin in Frankfurt und Chicago)

Moderation:
Thomas Matt

Veranstaltungspartner:
Ethik Center der Katholischen Kirche Vorarlberg, Katholisches Bildungswerk, Caritas Vorarlberg, Bildungseinrichtung Schloss Hofen, FH Vorarlberg, Bildungshaus St. Arbogast

Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht!

Weitere Informationen und das detaillierte Programm finden Sie unter:   www.ethikforum.at