Als eine Fortsetzung des lebensnahen Wegs, der mit der Familiensynode eingeschlagen wurde, wertet Bischof Benno Elbs das 300 Seiten starke Schreiben „Amoris laetitia“ (Die Freude der Liebe), das Papst Franziskus zur Familiensynode verfasst hat und das heute durch Kardinal Christoph Schönborn in Rom präsentiert wurde.

Zwei Jahre lang beschäftigte sich die Katholische Kirche weltweit mit den Fragen des Ehe- und Familienlebens im 21. Jahrhundert und der Rolle, die Glaube und Religion darin (noch) spielen. Den Höhepunkt dieser Auseinandersetzung mit dem Thema bildete die Familiensynode, die im vergangenen Herbst rund 300  Bischöfe und Laien in Rom versammelte. Die österreichische Bischofskonferenz wurde dabei durch den Feldkircher Diözesanbischof Benno Elbs vertreten.
Heute wurde schließlich das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ in Rom durch den Generalsekretär der Synode, Kardinal Lorenzo Baldisseri und Kardinal Christoph Schönborn präsentiert, der wesentlich zum Gelingen der Familiensynode beigetragen hatte.


„Es ist unsere Aufgabe, auf die Menschen zuzugehen“

Bischof Benno Elbs sieht in dem Schreiben von Papst Franziskus eine klare Fortsetzung des Kurses der offenen Türen, der mit der Familiensynode eingeschlagen wurde. „Der Grundton ist ermutigend, einladend und bestärkend. Er zeigt auf, dass es unsere Aufgabe ist, auf die Menschen zuzugehen. Abgrenzungen und Ausgrenzungen sind nicht der Stil von Papst Franziskus. Mehr noch, als Tenor  schwingt im gesamten Text immer die Aufforderung mit, Menschen mit all ihren Fehlern immer wieder auch die Türen zu öffnen“, macht Elbs eine der Grundlinien des Schreibens fest.


„Ermutigung steht im Zentrum“

Das heiße unter anderem aber auch, so Bischof Elbs weiter, dass Papst Franziskus die große Bedeutung von Familie und Ehe klar betont: „Die Familie ist ein Sehnsuchtsort für viele Menschen. Sie ist die Lebensschule, in der wir in das Leben in Gemeinschaften hineinwachsen“, so Elbs. Ebenso unterstreiche Papst Franziskus auch, dass die Ehe von Mann und Frau ein erstrebenswertes Ideal ist. „Genau darin liegt auch der große Schatz des Schreibens. Es zeigt, welchen Wert Familie und Ehe haben, begegnet aber Menschen und Situationen, die dem Ideal nur zum Teil entsprechen oder vielleicht sogar widersprechen, mit Wertschätzung, Achtung und Respekt. Man könnte es so formulieren: Für den Blick auf das Ideal wurde die Moralbrille durch die Ermutigungsbrille ersetzt“, ergänzt Bischof Benno Elbs.


Die „heißen Eisen“?

Für die so genannten „heißen Eisen“ bedeutet das, dass Papst Franziskus auch hier den Weg der Integration vorschlägt, wie er u. a. am Beispiel der geschieden Wiederverheirateten ausführt: „Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung. (…) Sie (die geschieden Wiederverheirateten Anm.) sollen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt (…).“ (Papst Franziskus, Amoris laetitia 299)
Und auch dafür schlägt Papst Franziskus einen Lösungsansatz vor: „Wenn man die zahllosen Unterschiede der konkreten Situationen (…) berücksichtigt, kann man verstehen, dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte. (…) Es ist nur möglich, eine neue Ermutigung auszudrücken zu einer verantwortungsvollen persönlichen und pastoralen Unterscheidung der je spezifischen Fälle.“ (Amoris laetitia 300)


„Es darf unterschiedliche Lösungsansätze geben“

„Hier ist die ,Gerechtigkeit im Einzelfall‘, das Prinzip des Begleitens, Unterscheidens und Integrierens angesprochen. Das heißt nichts Anderes, als dass es unsere Aufgabe ist, die Menschen von Situation zu Situation zu einer Gewissensentscheidung zu führen. Dabei sind die Ortskirchen gefordert. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass es unterschiedliche Lösungsansätze in den Ortskirchen geben kann und darf“, so Bischof Benno Elbs. Der Schlüssel dazu heißt: „Es gibt keine Abstufung des Gesetzes, aber es gibt sehr wohl verschiedene Stufen, dessen Anforderungen zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen“, fährt Elbs fort, der das gesamte Schreiben als einen Schritt sieht, den Papst Franziskus die Kirche auf die Menschen zu machen lässt. „Ermutigung statt moralischem Druck lautet die Devise. Glaube ist ,Lebensmittel‘ und Hilfe für die Seele .“