Pastoralrat? Hm, das muss dem Namen nach wohl irgendetwas mit der Pastoral und mit Beratung zu tun haben. Und hat man sich erst einmal auf diese Spur begeben, liegt man damit auch gar nicht so falsch. Der Pastoralrat berät nämlich den Bischof, macht ihm Vorschläge, was wie angegangen werden könnte und traf sich zuletzt im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast.

Die Auflösung wird natürlich sofort nachgeliefert: Der Pastoralrat ist eines der größten Gremien in der Katholischen Kirche Vorarlbergs. Derzeit umfasst der Pastoralrat der Diözese Feldkirch rund 30 Mitglieder. Teilweise sind "von Amts wegen" - wie man so schön sagt - dort Mitglied, teilweise vertreten sie verschiedene andere Gremien oder Einrichtungen der Diözese und wieder andere kommen direkt von der Basis - also aus den Pfarrgemeinden. So ist der Pastoralrat zwar sicher ein sehr großes Gremium, spiegelt aber in seiner Größe und Vielschichtigkeit auch die Verzahnung von Kirche, Menschen und Land.

Der Bischof selbst ist Vorsitzender dieses Beratungsgremiums. Zur geschäftsführenden Vorsitzenden wurde für die aktuelle Periode bis 2022 Christine Vonblon gewählt. Ehrenamtlich engagiert sie sich im Pfarrgemeinderat, hauptberuflich leitet sie das Team Lebensgestaltung und Ethik im Pastoralamt. Sie bringt so quasi den doppelten Blick mit - den der Ehren- und den der Hauptamtlichen. 

Themen gibt es zur Genüge

Wie der Namen schon sagt, geht es in den Beratungen des Pastoralrates um Fragen der Pastoral - zugespitzt formuliert: um die Seelsorge in allen ihren Spielarten, Varianten, Chancen, aber auch Herausforderungen. Und derer sind da viele: Von der Leitungsmodellen bis hin zur Organisation einer großen Tagung für Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenräte, von Fragen der Pastoral in den Pfarren bis hin zum spirituellen Abgleich zwischen Ecuador und Vorarlberg ist alles drin.

"Mit der pastoralen Brille im Ländle"

Den Anfang machte an diesem Beratungsabend Pfarrer Georg Nigsch. Mehrere Jahrzehnte war er in Ecuador. Seit Kurzem ist er wieder in Vorarlberg. Dass ihm da Unterschiede auffallen, ist nicht verwunderlich. Menschen in Vorarlberg leben anders und glauben anders als jene in Ecuador. "In Guadalupe war ich zuständig für ca 15 Dörfer, die sich auf 15 Kilometer verteilten", erklärt Nigsch. Die Gesamtzahl der Einwohner in diesen15 Dörfern sei etwa mit einem Dorf wie Weiler vergleichbar gewesen. Nur waren die Dörfer bedeutend schwerer zu erreichen als Weiler. "Jedes Dorf war quasi autark. In Guadalupe haben wir auch sehr viel in der Katechese gearbeitet. Unser Leitbild war, dass wir alle Kirche sind. Als ich in Guadalupe ankam, hatte ich vier Katecheten und Missionsschwestern. Als ich ging, waren wir 70."

Aufgeklärt, abgeklärt, erklärt

Natürlich sei die Spiritualität in Ecuador eine ganz andere. "Für die Menschen hier ist Gott einfach in allem - in der Erde, im Wasser, in den Pflanzen. Und wenn es donnert, dann fragen sie sich, was Gott ihnen damit sagen will." In Vorarlberg sei das anders. Hier sei man viel aufgeklärter, gehe erklärender an die Dinge heran. "In Vorarlberg fällt mir besonders die starke Wirtschaft auf und die rasante Entwicklung der Digitalisierung. Aber ich sehe hier auch einen religiösen Analphabetismus und eine oft wirklich mangelhafte religiöse Bildung. Die Sinnfrage stellt sich den Menschen hier nur noch selten und die Kirche brauchen sie so auch oft nicht mehr." Und einen Ansatz, wie man ein bisschen Ecuador nach Vorarlberg holen könnte, hatte Pfarrer Nigsch auch parat: "Mission ist Berufung, nicht nur ein Job. Die Volkskirche muss unbedingt gefördert werden, dafür brauchen wir vielerorts vielleicht etwas weniger Perfektionismus. Wir müssen einfach sprechen und dürfen bei allem, was wir tun, den Mut und die Geduld nicht verlieren." 

Was steht an? Schwerpunktthemen für die Zukunft

Die Zeit zwischen den Sitzungen des Pastoralrates nutzen die Mitglieder, um eine interne Umfrage zu starten. Gefragt wurde nach Themen, die in der näheren Zukunft der Kirche bestimmend sein werden und die deshalb bereits jetzt bearbeitet und durchdacht werden sollten. So wird aus reiner Reaktion im Idealfall Aktion bzw. ein zeitgerechtes Agieren.

Auf Platz zwei rangierte die "Beauftragung der Laien" hinter dem Topthema - der "Zukunft der Seelsorge". Beide Themen trafen sich in einer gemeinsamen Schnittmenge: Der Frage nach neuen, alternativen Leitungsmodellen. Im Vorstand des Pastoralrates wird nun bis im Herbst ein grober Fahrplan erarbeitet, wie mit den Themen und den Fragestellungen, die sie mit sich bringen, weitergearbeitet wird. 

Quo vadis Arbogast?

Gut eineinhalb Jahre ist es nun her, dass Daniel Mutschlechner auf Josef Kittinger als Leiter des Jugend- und Bildungshauses St. Arbogast gefolgt ist. In diesen eineinhalb Jahren, so berichtete Daniel Mutschlechner im Pastoralrat, hat sich auch schon einiges getan. Natürlich gab es eine Phase des Zurechtfindens. Dann aber löste die einfache Tatsache, dass es durch eine Reihe von Pensionierungen zu einem Generationenwechsel kam, auch eine Phase der Neuorientierung aus. "Da sind wir noch mitten drin und sicher noch lange nicht am Ende", startete Daniel Mutschlechner in seine kleine Präsentation des Hauses in St. Arbogast. 

Am Anfang stehen natürlich immer die Zahlen. Interessant zu wissen ist zum Beispiel, dass in St. Arbogast 2017 rund 27.000 Gäste bei 1118 Veranstaltungen gezählt wurden. Pro Jahr gehen rund 15.500 Frühstücke, 6400 Jausen, 26.500 Mittagessen und 18.300 Abendessen über den Tresen. Geschüsselt wird das ganze Haus von insgesamt 37 Mitarbeiter/innen. Und die Eigenfinanzierungsrate von 64% darf auch nicht verschwiegen werden. Soweit der Stand der Dinge - über den man nun in die weitere Zukunft hinausdenkt. 

Fünf Baustellen

Da stehen fünf größere und kleinere "Baustellen" ins Haus. Da geht es um Fragen der Organisation (in welchem Verhältnis steht das Haus zur Diözese, wie können Synergien besser genutzt werden, ...), und der Programmierung (Balance zwischen Jugend und Alter, Lokalem und Internationalem, zwischen Schweben und ganz alltäglichen Inhalten) genauso aber auch um das gesamte Leistungspaket, das das Haus anbieten kann. 

Die vierte "Baustelle" zählt zu den größeren und verbirgt sich hinter dem Begriff der "Infrastruktur". Das wird genauso geprüft, ob das Bestehende noch mit den Ansprüchen mithalten kann, als dass man sich auch Gedanken darüber macht, wie aus dem Jugend- und Bildungshaus noch mehr ein "sozialer Ort" werden kann. Und schlussendlich dreht sich dann natürlich auch vieles um die Fragen der Kommunikation und wie man mit guten Projekten und Produkten die erreichen kann, die man erreichen möchte. 

Langeweile kehrt in St. Arbogast also so schnell nicht ein...

Und da war doch noch - PGR-Tagung 2019

Ach ja, und auch 2019 wird ordentlich was los sein in der Diözese Feldkirch: Da bahnt sich zum Beispiel die Idee einer Herbsttagung für Pfarrgemeinderät/innen und Pfarrkirchenrät/innen an. Die Reaktionen auf dieses Ansinnen fielen im Pastoralrat auf jeden Fall schon einmal positiv aus. 

Mit diesen und vielen Vorschlägen, Ideen und Beratungen mehr ging die Sitzung des Pastoralrates dann schließlich zu Ende. Das nächste Mal trifft man sich im Herbst, setzt Themen fort, greift neue auf, und hat dabei immer die Themen und Fragen vor Augen, die sich die Kirche heute in Vorarlberg zu stellen hat. Keine leichte Aufgabe, aber eine spannende.