Nach dem Österreicher Axel Corti 1971 hat nun der weltberühmte amerikanische Regisseur Terrence Malick das Leben des Nazi-Widerstandskämpfers Franz Jägerstätter aus dem Innviertel mit ungewöhnlichen Mitteln auf die Leinwand gebracht und überwiegend begeisterte Kritik geerntet.

Klaus Feurstein

Der Film erzählt am Anfang von einem verborgenen Leben der einfachen Bauernfamilie Jägerstätter, die in St. Radegund (OÖ) einen Hof bewirtschaftet, mit der Natur und von ihrer Hände Arbeit lebt und regelmäßig den Gottesdienst besucht. Malick wird dabei nicht müde, immer wieder scheinbar idyllische, romantische Bilder von der Landschaft, dem Liebespaar und den Kindern zu zeigen. Einige Kritiker bezeichnen das als Kitsch - ein Vorwurf, der auch schon in Bezug auf seine früheren Filme auftauchte.

Verfremdung statt Kitsch.

Dabei wird außer Acht gelassen, wie der Regisseur seine Geschichte erzählt und wie er die Bilder montiert. Nie lässt er das Geschehen richtig in Fluss kommen, sondern bricht Szenen abrupt ab. Es gibt lange, fast meditative Sequenzen mit gleitender und kreisender Kamera, die den Eindruck von Wiederholung erzeugen - vor allem, wenn Jägerstätter bei seinem Gefängnisaufenthalt auf den Gängen und in seiner Zelle gezeigt wird. Aus dem Off hört man den Text seiner Briefe und Aufzeichnungen meist mit sperriger „neuer“ Musik von Gorecki, Schnittke und Pärt unterlegt. Auch sonst wird die Geschichte oft mit einem Voice-Over erzählt oder man hört eine Person weitersprechen, obwohl sie nicht mehr im Bild zu sehen ist. Der Film ist auf Englisch gedreht worden, aber zwischendurch reden die Figuren in oberösterreichischer Mundart. Und selbst die angeblich kitschigen Bilder sind farblich zurückgenommen: Es gibt fast nur ausgebleichtes Grün und Blau. Leuchtendes Rot kommt im ganzen Film nur in Zusammenhang mit dem Hakenkreuz (!) vor. Außerdem schaffen extreme Kamerawinkel und Großaufnahmen eine klaustrophobe und fast gespenstische Atmosphäre. Durch diese Fülle von Verfremdungseffekten wird eine romantische Lesart des Films unterbunden und dem Publikum Raum zur Reflexion gegeben. Vielleicht ist die Irritation, die für einen halbwegs ortskundigen Zuschauer entsteht, wenn die Geschichte aus dem leicht hügeligen Innviertel ins Südtiroler Hochgebirge verlegt wird, auch dieser Intention geschuldet.

Liebe und Gewissen.

Die österreichische Schauspielerin Valerie Pachner spielt Franziska, die Frau von Jägerstätter. Sie ist überzeugt, dass das Leben der beiden zeige, wozu zwei Menschen fähig sind, wenn sie einander lieben: „Ihre Liebe ist stärker als der Schmerz und größer als die Zeit. Sie reicht über den Tod hinaus.“ Und reicht bis ins Göttliche hinein. Malick stellt in überzeugender Weise die Spannung zwischen menschlicher und göttlicher Liebe dar. So lässt er Franziska beten: „Gott, du weißt, wie sehr ich Franz liebe, doch du liebst ihn am meisten. Gib ihm Mut und Stärke!“ Franziska bekommt als Figur  im Film viel Raum und agiert fast gleichwertig mit dem Protagonisten. Eindringlich wird der Konflikt von Jägerstätter gezeigt, das zu tun, wozu ihn sein Gewis
sen treibt, nämlich dem verbrecherischen Naziregime den Führereid und den Waffendienst zu verweigern und damit seine Hinrichtung zu akzeptieren. Oder sich mit ihm zu arrangieren und seiner Familie erhalten zu bleiben. Immer wieder konfrontieren ihn die Schergen des Führers mit der Behauptung, seine Verweigerung sei sinnlos, sie werde den Krieg nicht verkürzen und niemand werde je davon erfahren.  Daher auch der Titel „Ein verborgenes Leben“, der aus einem Text von George Eliot stammt. „Denn das wachsende Gedeihen der Welt hängt zum guten Teil von unhistorischen Tatsachen ab; und dass die Dinge für dich und für mich nicht so schlimm stehen, wie es hätte der Fall sein können, verdanken wir zur Hälfte denen, die ein verborgenes Leben treu gelebt haben und in unbesuchten Gräbern ruhen.“

Ein verborgenes Leben - Spieltermine

Regie: Terrence Malick; Darsteller/in: August Diehl, Valerie Pachner; Deutschland, USA 2019, 174 min.

Skino Schaan: Do 13. Feb., 18 Uhr (OmU)
Cinema Dornbirn: Sa 22. / So 23. Feb. 20.30 Uhr, Mo 24. bis Do 27. Feb., 19.30 Uhr (DF)
Taskino im Rio Kino, Feldkirch:  17. / 19. Feb., 18 Uhr,  18. / 20. / 21. Feb., 20.30 Uhr. (OmU)
Leinwandlounge in der Remise Bludenz: Mi 10. Juni, 19 Uh

Franz Jägerstätter und die Kirche

Franz Jägerstätter hat seine Verweigerung gegen den Rat seines damaligen Bischofs durchgesetzt. In kirchlichen Kreisen fand er am ehesten beim Ortspfarrer und zwei Seelsorgern im Gefängnis in Berlin Verständnis. Es brauchte viele Jahre über seinen Tod hinaus, bis die Kirche sein Handeln positiv beurteilte. Im Jahre 1965 verwies der englische Erzbischof Thomas D. Roberts SJ (1939 bis 1958 in Bombay, Indien) bei der Arbeit an der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils auf die einsame Gewissensentscheidung Franz Jägerstätters: Märtyrer wie er „sollen nie das Gefühl haben, dass sie allein sind.“
2007 wurde er - besonders aufgrund der Biografie von Erna Putz und des Engagements von Bischof Manfred Scheuer - seliggesprochen. Der Vatikan hatte den Linzer Bischof Ludwig Schwarz ermutigt, sich auch für die Seligsprechung von Franziska einzusetzen. Da sie nicht als Märtyrerin gestorben ist, bräuchte es dafür aber ein anerkanntes Wunder.

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