Ein Buddy Movie ist dadurch charakterisiert, dass zwei Männer zusammenspannen müssen, die sich nicht ausstehen können, um am Schluss die besten Freunde zu werden. Diese Konstellation findet sich auch in Fernando Meirelles’ Film "Die zwei Päpste".

Klaus Feurstein

Zwei gegensätzliche Charaktere

Er schildert ein fiktives Treffen, bei dem der noch amtierende Papst Benedikt XVI.  dem damaligen Kardinal Bergoglio und späteren Nachfolger Franziskus seine Rücktrittspläne erläutert. Dieser ist von dem Ansinnen völlig entsetzt - "Auch Jesus stieg nicht vom Kreuz!" - und rät ihm entschieden davon ab.
Aber Benedikt behauptet, sein Rücktritt werde auch für ihn selber lohnend sein, denn Gott korrigiere immer einen Papst, indem er der Welt einen neuen präsentiere: "Ich möchte meine Korrektur sehen." Allerdings muss er aushalten, dass die Ansichten seiner Korrektur den eigenen diametral widersprechen. „Ich stimme mit gar nichts von dem überein, was Sie sagen!", beendet er eine heftige, kontroverse Diskussion mit Bergoglio.

Entwicklung und Annäherung

Zum Glück machen beide Figuren eine Entwicklung durch, meint die Filmkritikerin Evelyn Finger - seit April 2010 leitet sie das Ressort "Glauben und Zweifeln" - auf "Zeit Online". Nach den hitzigen theologischen Auseinandersetzungen werden die beiden beim Pizzaessen gezeigt, sie sehen Ratzingers Lieblingsserie "Kommissar Rex" und Fußball und Benedikt spielt einen Zara-Leander-Song auf dem Klavier, was beide zu Tränen rührt und einander näher bringt.

Sachbuch als Grundlage

Das Drehbuch beruht auf einem Sachbuch des Briten Anthony McCarten, das er selber für den Film adaptiert hat. Finger findet, dass dieser Ratzinger als den Vereinsamten interpretiere, der "alles in seinen Glauben investiert und dabei den Kontakt zu den Menschen verloren hat. Bergoglios herzerwärmende Menschenfreundlichkeit begreifen wir allmählich als Buße, für die Fehler, die der junge Jesuit beging, als die argentinische Militärjunta die Kirche unter Druck setzte." Sie vermutet, dass Meirelles damit Bergoglios Lebenskonflikt erklären wollte, der – ohne dies zu wollen - durch sein Handeln zwei Jesuitenbrüder (einer davon ist der große Verzeihende Franz Jalics) in die Gefängnisse und die Hände der Folterer der damaligen Junta getrieben hatte.

Wer hat mehr Sympathien?

Die „Zeit“-Journalistin findet Benedikt XVI. im Film die sympathischere Figur, weil er derjenige sei, der die größte Wandlung durchmacht, während für den "Welt"-Redakteur Hanns-Georg Rodek die Sympathien des Regisseurs unverhohlen bei dem Argentinier Bergoglio liegen. Einig sind sich aber alle Kritiker, dass dem Brasilianer ein großartiger Film mit wunderbaren Schauspielern gelungen ist. Anthony Hopkins, der Benedikt spielt, gleicht ihm zwar äußerlich überhaupt nicht, dafür ist die Ähnlichkeit zwischen Bergoglio und dem Schauspieler Jonathan Price frappierend. "Die zwei Päpste" wurde bereits für den Golden Globe 2020 nominiert.

Der Film läuft ab dem 20. Dezember auf Netflix. Noch unbekannt ist der Filmstart in Vorarlberg.

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