Die Erde lässt sich problemlos retten, wenn man nur die richtigen Produkte kauft. Konzerne vermarkten ihre Ware als „nachhaltig“, „fair“, „natürlich“ oder „umweltschonend“ und geben sich selbst ein grünes Image. Das nennt man Greenwashing. Regisseur Werner Boote („Plastic Planet“) und Autorin Kathrin Hartmann decken jetzt in der Dokumentation „Die grüne Lüge“ und dem gleichnamigen Buch solchen Öko-Schwindel auf.

Klaus Feurstein

Wachstum und Konsum müssen begrenzt werden.

Die eigentliche Heuchelei ist - laut Hartmann -, „dass es so weitergehen kann wie bisher, dass wir reichen Länder im Norden oder in den kapitalistischen Zentren weiterhin ein irres Wachstum haben können, einen irren Konsum, eine wahnsinnig hohe Mobilität haben können und dass das ohne Folgen bleibt.“ (zitiert nach Thorsten Mack, NDR)
Der Film zeigt deutlich:  Wenn wir immer mehr verbrauchen, nützt es auch nichts, wenn das einzelne Produkt etwas weniger umweltschädlich hergestellt wird. Dazu gehören technische Versprechen wie das elektrische Auto, in dem umweltschädliches Lithium steckt und dessen Strom auch von Kohlekraftwerken erzeugt wird.

Es braucht endlich Gesetze

Eine zentrale Aussage des Films ist die direkte Kritik an einer Politik, die die Verantwortung für ökologisch und sozial annehmbare Güter den Verbrauchern zuschiebt und keinen Schutz vor trügerischer Werbung wie der von einer Nachhaltigkeit der Palmölproduktion bietet, durch die Regenwald vernichtet und Menschen vertrieben werden.
Die Menschen müssen als mündige Bürger agieren und entschieden Gesetze einfordern, damit die Welt überleben kann. Hartmann: „Es darf nicht die Entscheidung von uns individuell sein, zu sagen: Ich kaufe dies und jenes nicht mehr, damit dies und jenes nicht mehr passiert, sondern ich muss mich doch drauf verlassen können, das Dinge, die ich brauche, so hergestellt sind, dass Menschenrechte nicht verletzt werden und die Umwelt nicht zerstört wird. Dafür muss es doch Regeln und Gesetze geben.“ (Mack, NDR)

Gezeigt wird das Leben von wirklichen Menschen

„Die grüne Lüge“ zeigt eine Reise der Filmemacher zu Vertretern von Konzernen, die be- und hinterfragt werden. Aber sie besuchen auch Menschen, die Widerstand gegen die Umweltzerstörung leisten. Der Film präsentiert neue Fakten, sinnliche Eindrücke und erzeugt eine gewissen formalen Thrill. Durch einen sparsamen Off-Kommentar werden die Aussagen auf den Punkt gebracht und das Recherchierte in einen größeren Zusammenhang gestellt.
„Eine ernüchternde Reise, eine Reise, die zornig macht. Und die zugleich optimistisch bleibt. Der Film von Boote und Hartmann vermittelt er, wie sich die Gefahren einer Produktion unter dem grüngewaschenen Image der Konzerne nicht allein in Zahlen und Untersuchungen wiedergeben lassen, sondern im Leben von wirklichen Menschen. Das ist es, was Filme können.“ (Georg Seesslen, epd film)

Filmmusik aus Vorarlberg

Die Filmmusik, ein „Requiem auf die Erde» stammt vom Feldkircher Marcus Nigsch, der am Vorarlberger Konservatorium bei Herbert Willi studiert und schon viele Preise für Alben und Kompositionen gewonnen hat.

Bei der heurigen Berlinale war der Film für den Dokumentarpreis nominiert. Am 9.3.2018 wird im Taskino auch der Regisseur Werner Boote anwesend sein.

Zum Film

Die grüne Lüge, Dokumentarfilm von Werner Boote, Österreich/Deutschland, 97 Minuten.
Buch zum Film: Kathrin Hartmann, Die grüne Lüge. Weltrettung als profitables Geschäftsmodell.  mehr lesen »

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