"Fasching, Ballsaison, Pflichttänze" höre ich viele Männerseelen stöhnen. Glattes Parkett, steife gesellschaftliche Formen, wo man sich auf Schritt und Tritt beobachtet fühlt, nur keinen Fehltritt machen - das ist nicht unbedingt das, was sie hinter dem Ofen hervorlockt. Da geht es mir nicht anders.

Männer die tanzen sind Exoten. Diese Erfahrung habe ich seit meinem ersten Wochenende "Kreatives Tanzen" vor fünf Jahren immer wieder gemacht. Bis auf den Tag "Griechische Tänze für Männer" letzthin. Doch langsam, der Reihe nach, eins nach dem anderen, Schritt für Schritt - so wie beim Tanzen.

Meine Frau und ich gönnen uns von Zeit zu Zeit ein Wochenende für uns - ohne unsere vier Kinder. Zum Beispiel besinnliche Tage in einem Bildungshaus mit viel Zeit füreinander, auftanken, sich verwöhnen lassen, die Seele baumeln lassen... "Kreatives Tanzen" hatten wir uns damals ausgesucht. Die Lust, den Körper zu spüren, sich frei zu bewegen, das Nur-Denken und Arbeiten-mit-Worten einmal beiseite zu lassen. Obwohl offen ausgeschrieben, war auch damals kaum ein Mann unter den gut 20 tanzenden Frauen. Aber da war auch Heinrich, 88 Jahre alt, durchaus ein "Nicht-Tänzer", und ich dachte mir: "soviel Mut zu etwas Neuem und Verrücktem möchte ich eigentlich nicht erst mit 88 haben.

Und so ist es nicht bei diesem einen Tanz-Wochenende geblieben. Nach längerer "Tanz-Pause" standen letzthin "Griechische Tänze für Männer" auf dem Arbogaster Programm. Das lass ich mir nicht entgehen, war für mich gleich klar. Kyriakos Chamalidis, den Leiter, kannte ich von früheren Tanzseminaren. Und nicht nur ich war überrascht, daß wir sage und schreibe 26 Männer waren, die sich von griechischer Musik, Rhythmen und Schritten in Bewegung versetzen ließen.

In der griechischen Kultur ist ja das Tanzen in erster Linie Männersache - nicht erst seit dem Film Alexis Sorbas. Bei uns ist das Tanzen fast ausschließlich ein Ausdruck der Beziehung zwischen Mann und Frau. Griechen dagegen tanzen ihre Geschichten und Mythen, frohe und bedrückende Ereignisse, Religiöses und Alltag, Arbeit und Fest, sie tanzen ihr Leben.

Die Perfektion der Schritte ist da gar nicht so wichtig wie bei uns. Ein "Fehler", ein Suchen des Rhythmus, wieder in den Schritt finden, das gehört dazu. Im offenen Kreis - "wir sind ja nicht perfekt" und es kann immer einer dazukommen - weiß man sich getragen vom Schwung, der Leichtigkeit, dem Rhythmus der anderen. Das Leben ist Bewegung - ein paar Schritte vor und dann wieder zurück, wenn wir in einer Sackgasse sind, zur Mitte und nach außen - und immer gehalten, und sei es nur eingehängt mit dem kleinen Finger.

Trauer und Freude gehören zu den griechischen Tänzen, Trauer und Freude gehören zum Leben. "Warum nur mit Worten etwas ausdrücken, wenn wir den ganzen Körper zur Verfügung haben", meint Kyriakos mit griechischer Leichtigkeit. "Das Leben ist ein Tanz, tanze es."