Es sind Exoten, Pioniere, Vorkämpfer hoffentlich – die ersten Männer im Kindergarten. Doch der Erfolg gibt ihnen recht. Klaus Abbrederis ist einer von diesen. Seit Anfang Dezember arbeitet er als Kindergartenassistent in einem großen Kindi und macht seine Erfahrungen.

von Klaus Abbrederis

„Klaauuuusss? Darf i bitte in d´Bauecke?“, „Klaauuuusss? I muass ufs Klo!“, „Klaauuuuss? Dea hot mi gschupft!“ Das ist mein Alltag als Kindergartenassistent, eine herausfordernde, abwechslungsreiche und auch anstrengende Aufgabe. Wie kommt ein Mann dazu, hier zu arbeiten? Zufall oder nicht, über Ecken bekam ich nach meiner Ausbildung als Sozialbetreuer das Angebot als Assistent in einem großen Kindergarten zu arbeiten.

Ein ganz normaler Tag

Eine Pädagogin und ich begleiten insgesamt 23 Kinder. Zwischen 7 und 9 Uhr trudeln sie ein, bemerkenswert frisch und munter bereits in der Früh. Bis 10 Uhr können sie sich im „Freispiel“ austoben mit Bauklötzen und Puppen, mit Malen, oft sehr expressionistisch und kreativ, oder Basteln je nach unserem jeweiligen Jahres-, Monats- oder Wochenthema. Auch so Klassiker wie Schwarzer Peter, Lego oder die Dominobahnen sind gefragt. Danach folgen das Aufräumen und die Jause.

Wenn für die Hygiene und das leibliche Wohl gesorgt ist, folgt eine Stunde „Bildungsarbeit“, was viel steifer und lehrhafter klingt, als es wirklich ist. Aber es braucht akribische Vorbereitung, um Nikolaus und Weihnachten, Feuerwehr und Notfall, Fasching und Märchen oder alles um den Frühling möglichst lebendig aufzubereiten. Es ist eine Herausforderung, kleinen Kindern ein Wissen altersgerecht zu vermitteln und ihnen gute Erfahrungen zu ermöglichen. Dieses Angebot führt auch in die Natur, auf Spielplätze, vor allem Ausflüge und kleine Exkursionen sind hoch im Kurs und Experimente oder ein Besuch bei der Feuerwehr gehören zu den besonderen Highlights. Kein Tag ist wie der andere!

Eine Hand voll Kinder bleibt zum Mittagessen und einige sind so gern bei uns, dass sie am Nachmittag wieder kommen. Feierabend haben wir erst am späten Nachmittag und auch da muss oft noch der nächste Tag vorbereitet werden. Der Job ist eine Herausforderung. Völlig unterschätzt habe ich die Rückenschmerzen und die Erkältungen, da Kinder kaum Hemmungen zeigen, wild durch die Gegend zu niesen. Doch die strahlenden Augen und die oft so erheiternde kindliche Logik entschädigen für Vieles.

Als Mann in einem Frauenberuf

Als einziger Mann bin ich in unserem zehnköpfigen Team natürlich der buchstäbliche „Hahn im Korb“. Aber, ehrlich gestanden, ich fühle mich da nicht unwohl. Auch die männlichen Klischees vom weiblichen „Gegacker“ oder dem zu erwartenden „Zickenterror“ kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil. Die Mischung der Geschlechter kommt den Kindern zu Gute. In vielen Familien fehlt die Vaterfigur, den kann ich den Kinder natürlich nicht ersetzen. Trotzdem kann ich die bald schon angehenden Jugendlichen ein stückweit als Mann begleiten. Ich fühle mich auch als Mann im Spiel und sehr wohl dabei. Die Zusammenarbeit mit den Kindern, den Eltern und dem Team macht mir viel Freude.

Warum bin ich dann als Mann im Kindi trotzdem alleine? Zwei Gründe fallen mir ein. Ich muss als Mann die salonfähige Akzeptanz durchbrechen, wenn ich in einen männeruntypischen Beruf gehe - auch wenn es ein wahres Abenteuer ist, was ich täglich erlebe. In meinem männlichen Freundeskreis ernte ist jedenfalls nur Lob und Zuspruch dafür. Das zweite ist die eher schwache Entlohnung. Wir leisten hier im Kindi eine wertvolle Arbeit für unsere gesellschaftliche Zukunft, die auch noch wichtiger werden wird. Deshalb appelliere ich an die Politik, dass wir ideell wie materiell die angemessene Wertschätzung erfahren. Wer hier spart, spart auch an der Zukunft.

Vielleicht kann ich mit meinem Bericht noch weitere Männer zu diesem pädagogischen Business motivieren. Es wird die Kinder sehr freuen! Das garantiere ich Ihnen.