Seit Herbst gibt es für Männer in Vorarlberg einen neuen Zugang zu Männerberatung die Internetplattform www.vordermann.at – ein Angebot, das hoffentlich genützt wird.

von Markus Hofer

Wie lange warten Männer, bis sie mit ihren persönlichen Problemen tatsächlich Hilfe holen? Ein Studie des Bundesministeriums hat es genau erforscht: 6,7 Jahre! Das sind fast sieben Jahre oft stummen Leidens, bis Männer sich überwinden und bereit sind, Hilfe anzunehmen. Es ist eigentlich eine verrückte Zahl und so darf es nicht weitergehen; es ist viel zu schade um diese Jahre.

Letztlich sind es traditionelle Männerbilder, die uns da im Weg stehen. Zuerst einmal heißt es: Ein Indianer kennt seinen Schmerz. Da heißt es also auf die Zähne beißen, schweigen, keinen Laut von sich geben und ja nicht jammern. Diese stumme leid paart sich dann mit der Nächsten Devise: Selbst ist der Mann! Schließlich brauchen nur Schwächlinge Hilfe. In einem alten Western operiert sich der Held mit viel Whiskey die Kugel selber aus dem Oberschenkel. So könnte es gehen, aber Hilfe von außen anzunehmen, das ist da nicht drin. Wir müssten diese Devisen umdeuten: Richtige Männer suchen Lösungen und schauen, wo sie sie finden. Der: Ein Indianer kennt seinen Schmerz und weiß mit ihm verantwortungsvoll umzugehen.

In Vorarlberg hat sich ganz offiziell etwas getan in Sache Hilfe für Männer. Nach Treffen von Männern aller Vorarlberger Landtagsparteien, der Männerpartei, der Männerberatung des EFZ und dem Männerbüro war klar, dass es ein verbessertes Beratungsangebot für Männer braucht. Mit diesem Schwung ist gelungen, was vor Jahren noch nicht möglich war. Das Ehe- und Familienzentrum, das Institut für Sozialdienste und die Caritas als die großen Beratungsanbieter arbeiten nun zusammen und haben mit dem Männerbüro eine neue Internetplattform für Beratung und Information erarbeitet, die vom Land Vorarlberg finanziert wurde: www.vordermann.at

Vielfältige Info-Artikel, die von verschiedenen Männern verfasst wurden, laden ein zum Schmökern. Gleichzeitig gibt es die Möglichkeit, auch völlig anonym einen persönlichen Rat bei einem Fachmann einzuholen. Internetberatung ersetzt nicht das persönliche Gespräch, aber es kann der erste Schritt dazu sein. Auf vordermann.at ist eine Liste aller Beratungsstellen in Vorarlberg und die ist schon sehr stattlich. Angesiedelt ist vordermann.at beim Ehe- und Familienzentrum. Die Verantwortlichen sind: Edgar Ferchl-Blum (EFZ), Martin Fellacher (Caritas), Bernhard Fuchs (IFS) und Markus Hofer (Männerbüro).

Das Ziel sollte sein, Männern in Lebenskrisen und schwierigen Lebenslagen rasche Orientierung über die Vielzahl professioneller Beratungsinstitutionen zukommen zu lassen und niederschwellige Beratung im Internet anzubieten. Das Erarbeiten von möglichst lösungsorientierten Möglichkeiten steht im Vordergrund. Durch die Plattform soll die Schwelle für die Inanspruchnahme von Unterstützung gesenkt werden. Durch diese Maßnahme sollen positive Wirkungen auf die Männer selbst und auf ihre Lebenssysteme (Familie, Arbeitswelt, Partnerschaft) hergestellt werden.

Die Website ist ansprechend und einladend gestaltet – sie lädt ein sich zu informieren. Klicken Sie rein und geben Sie die Adresse weiter. Für manchen Mann könnte diese Seite der erste Schritt sein…