Nach Frauenberichten, Armuts-berichten u.a. liegt dem Nationalrat im Sinne des Gender Mainstreamings der erste Männerbericht vor. Sozialministerin Haubner wurde vom Parlament dazu beauftragt und künftig soll alle fünf Jahre ein solcher Bericht erstellt werden. Egal wie man zu einzelnen Positionen steht, gibt es in Österreich wenigstens einen Ansatz einer eigenen Männerpolitik. Es genügt nicht, wenn Männer mit einem Männerbild, das von der Frauenpolitik entworfen wurde, konfrontiert werden. Eine aktive Einbeziehung der Männer in die Väter-, Familien und Geschlechterpolitik ist nötig.

von Markus Hofer

Sicher wird der Männerbericht von einigen, auch männlichen Abgeordneten belächelt werden: Wo kämen wir denn hin, wenn auch noch die Männer Probleme hätten? Dass für so etwas Geld ausgegeben wird, wurde schon beklagt. Es wird interessant sein zu beobachten, wie die Politik auf den Männerbericht reagieren wird. Der Bericht selber versteht sich jedenfalls als Signal der „Entkrampfung an der Geschlechterfront“.

Der 1. Männerbericht beschäftigt sich mit Buben und Burschen, Männern und Vätern. Die Inhalte basieren auf den Studien, die von der männerpolitischen Grundsatzabteilung in den letzten Jahren in Auftrag gegeben wurden. Nach einer Problemanalyse folgen zu jedem Punkt Handlungsempfehlungen an die Politik. Diese sind teilweise sehr konkret und darüber sollte auch diskutiert (und nicht nur gut österreichisch geraunzt) werden.

Bei Buben und Burschen zeigt sich, dass Verhaltensauffälligkeiten schon in den ersten Lebensjahren ansteigen. Parallel dazu gibt es immer weniger männliche Lehrer und damit fehlen die männlichen Vorbilder fast generell. Deshalb plädieren die Experten für mehr männliche Erzieher, eine Unterrichtsgestaltung, die sich auch an den Bedürfnissen der Buben orientiert und natürlich ein Mehr an aktiver Vaterschaft.

Im Bereich der Männergesundheit hat sich erwiesen, dass Männer ihren Körper stark funktionalisieren und weniger gut auf sich achten. Bei schwerwiegenden Problemen warten Männer im Schnitt sechs bis sieben Jahre, bevor sie eine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Suizidrate ist bei Männern um vieles höher als bei Frauen.

Ein wichtiger Themenbereich sind die Scheidungsfolgen für Männer und die oft damit verbundene Vaterentbehrung. Die Folgen für Scheidungsväter sind manchmal gravierend, zumal sie beim Unterhalt bis zu 25% unter das Existenzminimum belastet werden können. Eine Chance auf alleinige Obsorge haben Männer selten und auch die vorhandenen Gesetze werden von den Richtern kaum wirklich exekutiert.

Bei den männlichen Jugendlichen ist das Familienleben ein hoher Wert. Über ein Drittel möchte in der Familie präsenter sein, als es der eigene Vater war. Da ist die Politik gefordert, wie sie in Zukunft auch die jungen Väter in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser unterstützen kann.