Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche – für die einen steht sie für Urlaub oder Schi fahren, für andere ist sie eine Zeit der bewussten Unterbrechung, der Besinnung und der Vorbereitung auf das Osterfest.

Von Markus Hofer

Viele Jahre habe ich mich mit dem hl. Franz von Assisi beschäftigt. Was mich besonders faszinierte, waren seine wilden Einsiedeleien. Dabei war er gar kein Einsiedler. Er war eine Art Wanderprediger, der draußen mit den Menschen lebte. In gewissen Abständen hat er sich aber in seine Einsiedeleien zurückgezogen. So sorgte er dafür, dass ihm das Feuer nie ausging. Seine Einsiedeleien waren Rückzugsorte, Refugien, in denen Franz sich allein und Gott gehörte. Es waren Orte, in die er sich zurück zog zu Gebet und Betrachtung, Orte, die den Fluss seines aktiven Lebens unterbrachen. Hier kam er zur Ruhe, hier gelangte er wieder an seinen Grund.


Solche Rückzugsorte würden uns Männern auch heute gut tun. Viele rackern sich ab für den Beruf, die Familie, den Verein, das eigene Ansehen. Doch wo bleibe ich selber? Wer immer nur fährt, dem geht irgendwann das Benzin aus. Wer immer nur gibt, wird irgendwann leer. Wer immer nur feuert, ist irgendwann ausgebrannt. Was wir Männer manchmal brauchen würden, ist weniger Viagra, Hormone oder Sportprogramme, sondern vielmehr Orte, an denen wir zu uns selber kommen. Die Karwoche könnte eine gute Zeit dafür sein. 


Zeiten der Stille würden uns gut tun. Viele halten das gar nicht mehr aus, bekommen Entzugserscheinungen wie bei einem Süchtigen. Stille kann verdammt wehtun und das muss sie vorerst auch, wenn man sie nicht mehr kennt. Es braucht auch Zeiten der Finsternis. Manchmal muss man schon unter den Teppich gehen. Die Karwoche könnte auch eine Zeit der Bedürftigkeit sein. Wenn wir unsere Grenzen nicht mehr wahrnehmen, können wir mit ihnen nicht umgehen. Viele spüren sich selber nicht mehr. Wir müssen in uns hineinhören, sonst geht das Leben an uns vorbei.