Das Bild ist kein schönes - jenes, das hier zur Bebilderung dient genauso wie das, das die Welternährungsorganisation zeichnet. Derzufolge werden jährlich nämlich rund ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen. In Summe sind das 1,3 Mrd. Tonnen. Den größten Müllberg verursachen hier private Haushalte und ein Schuldiger ist ebenfalls schon ermittelt: das Mindesthaltbarkeitsdatum, das für Verunsicherung sorgt.

Jeder kennt  und sucht die drei Buchstaben auf seinen abgepackten Lebensmitteln, die über Tod oder Leben - oder weniger drastisch formuliert - über Müll oder Vorratskammer bzw. Kühlschranklagerung bestimmen: MHD. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sorgt für Unsicherheit, da es von vielen für das Verfallsdatum gehalten wird. Statt den eigenen Sinnen zu vertrauen, landet das (vielleicht noch genießbare) Essen dann in der Mülltonne statt im Magen. Und zwar ziemlich oft.

1,3 Mrd. Tonnen für die Tonne

Laut der Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) werden jedes Jahr rund 1,3 Mrd. Tonnen Lebensmittel weggeworfen. "Legt man die EU-Schätzung von 180 Kilogramm pro Einwohner/in und Jahr auf Österreich um, so sind das 150 vollbeladene Sattelschlepper voll Lebensmittel, die verloren gehen – jeden Tag. Das hat massive Auswirkungen auf die Umwelt", betont DI Dr. Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin von "Mutter Erde". In einem durchschnittlichen EU-Haushalt endet ein Viertel der gekauften Lebensmittel ungegessen in der Tonne. Die Tendenz ist steigend, die Prognose für 2020 liegt EU-weit bei 126 Millionen Tonnen pro Jahr.

Weniger und bewusster einkaufen

Den größten Anteil an Lebensmittelmüll verursachen die privaten Haushalte (47 Mio. Tonnen) - zusammen mit der Gastronomie und dem Handel erzeugen sie EU-weit 70 Prozent der Abfälle. Problematisch ist auch die Entsorgung: Alleine im Restmüll finden sich laut Bericht 157.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelreste – davon ein guter Teil an originalverpackten und nur teilweise verbrauchten Lebensmitteln. Ein Tatsache, die auch ins Geld geht. Durch die vermeidbaren Lebensmittelabfälle könnten österreichweit insgesamt nälich ca. 380 Mio. Euro pro Jahr eingespart werden.

Aber wie? Die Vereinten Nationen (UNO) fordern eine Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030. Brüssel will die EU-Staaten dazu verpflichten, die Zahl der Lebensmittelabfälle bis 2025 um 30 Prozent zu verringern. Um diese Ziele zu erreichen, wäre zunächst eine fundierte Datenlage Voraussetzung. „Wir brauchen transparente Daten und verbindliche Maßnahmen“, forderte Friederike Klein von WWF Österreich.

Aktuell: zumindest spenden

Frankreich und Italien gehen bereits mit "gutem Beispiel voran" indem sie französische Händler per Gesetz verpflichten, unverkaufte Nahrungsmittel zu spenden, zu verarbeiten, als Tierfutter zu verwenden oder zu kompostieren. Auch in Italien sollen laut einem jüngst im Abgeordnetenhaus beschlossenen Gesetz Landwirte, Industrie und Handel, aber vor allem auch Privathaushalte Lebensmittel künftig nicht mehr wegwerfen oder vernichten, sondern an Bedürftige weitergeben. In Österreich geben derzeit Handel und Verarbeitungsbetriebe auf freiwillliger Basis rund 11.000 Tonnen Lebensmittel an soziale Einrichtungen weiter. (red/orf.at)