28. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr B, 10. Oktober 2021

Wort zum Sonntag von Gudrun Guerrini

König Salomo stimmt einen Lobpreis auf die Weisheit an. Sein Wunsch, sie zu erlangen steht über allem. Dank dieser Gabe Gottes wird er zum Inbegriff des weisen Königs.

1. Lesung

Weisheit 7,7–11

Ich betete und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr. Einen unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr nicht gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm. Mehr als Gesundheit und Schönheit liebte ich sie und zog ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz, der von ihr ausstrahlt. Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.

Gottes Wort hat schöpferische Kraft. Er spricht Menschen an und macht Beziehung möglich. Sein Wort ist Richtschnur für die Gemeinden.

2. Lesung

Hebräer 4,12–13

Lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenken und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.

Reichtum und Nachfolge Jesu stehen in einem Spannungsverhältnis. Woran halten wir fest? Was hindert daran, Jesus nachzufolgen?

Evangelium

Markus 10,17–30
(oder Kurzfassung: Markus 10,17–27)

In jener Zeit lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer der eine Gott. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie aber gerieten über alle Maßen außer sich vor Schrecken und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich. Da sagte Petrus zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Wort zum Sonntag

Pfr. Georg NigschGudrun Guerrini
ist Referentin für Bibel, Pfarrgemeinderat und Pastoraljahr/BPAÖ in der Diözese Innsbruck. Die Autorin erreichen Sie unter

Wort zum Evangelium

Der Weg von Galiläa nach Jerusalem wird für die Jünger zu einem Intensivkurs des Glaubens. Dabei werden sie Zeugen einer Begebenheit, die ein wichtiges Thema aufwirft. Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Ein wohlhabender Mann wendet sich mit dieser Frage an Jesus. Offenbar ist er an einen Punkt gelangt, an dem weder sein großes Vermögen noch seine bisherige Glaubenspraxis die innere Sehnsucht stillen können. Den entscheidenden Schritt, den Jesus vorschlägt – nämlich die irdischen Güter zu verkaufen und den Erlös den Armen zu geben, um ihm nachzufolgen – kann er nicht machen. Traurig bleibt er in seinem Dilemma stecken. Die Zwickmühle des reichen Mannes ist vielen von uns vertraut. Materielle Sicherheit lässt einen ruhig schlafen, keine Frage. Aber wer hat nicht auch schon die Erfahrung gemacht, wieviel Energie und Zeit es bindet, sich um Zeug zu kümmern, das man für ein befreites und gutes Leben gar nicht braucht? Um die Leerstelle im eigenen Leben zu füllen, hilft es nicht, anzuhäufen, sondern loszulassen und solidarisch mit den Armen zu sein. Im Bild vom Kamel und vom Nadelöhr spitzt sich zu, wie erschwerend irdischer Reichtum für das Sein im Reich Gottes ist. Sogar die Jünger, die ihr altes Leben aufgegeben haben und Jesus nachgefolgt sind, erschrecken.
Diese Worte Jesu sitzen wie ein Stachel im Fleisch, bis heute. Sie regen an, immer aufs Neue zu prüfen, woran das Herz hängt und zu unterscheiden, was bleibende Schätze sind, die über das irdische Leben hinausreichen.

Zum Weiterdenken
Welchen Stellenwert hat die Sinnfrage in Ihrem Leben und welche Rolle spielen dabei die irdischen Güter? Die Nachfolge Jesu hat ihren Preis. Würden Sie – mit Blick aufs eigene Leben – diesem Satz zustimmen?

Unsere Tage zu zählen, lehre uns!
dann gewinnen wir ein weises Herz.
Kehre doch um, Herr! – Wie lange noch?
Um deiner Knechte willen lass es dich reuen!
Sättige uns am Morgen mit deiner Huld!
Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast,
o viele Jahre, wie wir Unheil sahn.
Dein Wirken werde sichtbar an deinen Knechten
und deine Pracht an ihren Kindern.
Güte und Schönheit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! /
Lass gedeihen das Werk unsrer Hände,
ja, das Werk unsrer Hände lass gedeihen!

Antwortpsalm (aus Psalm 90)

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 40 vom 7. Oktober 2021)