Theologe und Croupier – das kann sich wunderbar ergänzen wie der junge Feldkircher Simon Jutz glaubhaft vermittelt. Sowohl bei theologischen Fragestellungen als auch beim Rollen der Kugel im Roulettekessel schlägt sein Herz höher.

Wolfgang Ölz

Simon Jutz (1989) hat gerade sein Bachelorstudium in Religionspädagogik an der Universität Innsbruck abgeschlossen. Seine Bachelorarbeit über theologische Themen innerhalb der Harry Potter Reihe und wie diese als Einstieg für theologische Gespräche dienen, hat er beim Innsbruck Pastoraltheologen Christan Bauer geschrieben. Sein Uniprofessor hat unlängst schon auf der theologischen Website „feinschwarz.net“ mit ihm ein Interview geführt und ihn nach seiner liebsten Casino Geschichte gefragt. Am liebsten erinnert er sich daran, wie er im Casino seine jetztige Freundin kennengelernt hat: ein Lächeln, erste Worte und ein Glas Prosecco führten zu weiteren Treffen. Mittlerweile sind die beiden über zwei Jahren glücklich zusammen. Simon Jutz schwärmt: „Das Casino ist ein Ort der Begegnung, ein Ort der unheimlich spannend ist.“

Auf die Frage hin, ob man als Theologe keine Gewissensbisse hat, wenn Menschen im Casino ihr Geld verlieren und womöglich Haus und Hof verspielen, zieht Simon Jutz einen Vergleich zur Kirche: Viele Leute kennen die Kirche nur als Klischee, etwa aus den Medien zum Thema Missbrauch, defacto ist dieser heute aber verschwindend klein, auch wenn jeder einzelne Fall eine unentschuldbare Tragödie darstellt. Ähnlich im Casino: Laut Studie vom Bundesministerium zur Prävention der Glücksspielsucht weisen nur 0,7 % der Befragten ein pathologisches Spielverhalten auf. Zudem ist der Spielerschutz in Österreich eine Grundvoraussetzung für den Erhalt der Glücksspielkonzessionen.

Neben dem Casino ermöglicht das Studium Simon Jutz weitere Berufschancen; Nämlich im Bereich der Pastoral und der Schule als Religionslehrer. Der in Innsbruck lebende Feldkircher gesteht im Interview, dass seine zukünftige Berufswahl auch davon abhängen wird, wo leistbarer Wohnraum ermöglicht wird. Sowohl in Tirol als auch in Vorarlberg stellt der Erwerb eines Eigenheims für viele Menschen ein großes finanzielles Problem dar.

Abgemeldet

Simon Jutz besuchte die HS Oberau in Gisingen und maturierte 2009 am Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch. In der Hauptschule hatte er sich wegen des Lehrers vom Religionsunterricht abgemeldet, am Gymnasium sich für Ethik entschieden. Trotzdem hat er den Weg an die Theologische Fakultät gefunden. Er ist der Meinung, dass sowohl Ethik- als auch Religionsunterricht ihre Berechtigung haben. Heute kann er sich gut vorstellen selbst Religion zu unterrichten und gleichzeitig im Casino zu arbeiten.