Das christliche Verständnis von Freiheit meint nicht ungezügelte Willkür zu üben. Christlich verstandene Freiheit heißt, sich von den Zwängen der Finsternis lösen zu können. Wir haben die Wahl-Freiheit zwischen Dunkel und Licht, zwischen Gut und Böse.

4. Fastensonntag (Laetare) – Lesejahr B, 11. März 2018
Wort zum Sonntag von Andrea Berger-Gruber

1. Lesung
2 Chronik 36,14–16.19–23

Auch alle führenden Männer Judas und die Priester und das Volk begingen viel Untreue. Sie ahmten die Gräueltaten der Völker nach und entweihten das Haus, das der HERR in Jerusalem zu seinem Heiligtum gemacht hatte. Immer wieder hatte der HERR, der Gott ihrer Väter, sie durch seine Boten gewarnt; denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung. Sie aber verhöhnten die Boten Gottes, verachteten sein Wort und verspotteten seine Propheten, bis der Zorn des HERRN gegen sein Volk so groß wurde, dass es keine Heilung mehr gab.
Die Chaldäer verbrannten das Haus Gottes, rissen die Mauern Jerusalems nieder, legten Feuer an alle seine Paläste und zerstörten alle wertvollen Geräte. Alle, die dem Schwert entgangen waren, führte Nebukadnezzar in die Verbannung nach Babel. Dort mussten sie ihm und seinen Söhnen als Sklaven dienen, bis das Reich der Perser zur Herrschaft kam. Da ging das Wort in Erfüllung, das der Herr durch den Mund Jeremias verkündet hatte. Das Land bekam seine Sabbate ersetzt, es lag brach während der ganzen Zeit der Verwüstung, bis siebzig Jahre voll waren. Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien sollte sich erfüllen, was der HERR durch Jeremia gesprochen hatte. Darum erweckte der HERR den Geist des Königs Kyrus von Persien und Kyrus ließ in seinem ganzen Reich mündlich und schriftlich den Befehl verkünden: So spricht Kyrus, der König von Persien: Der HERR, der Gott des Himmels, hat mir alle Reiche der Erde verliehen. Er selbst hat mir aufgetragen, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen. Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört – der HERR, sein Gott, sei mit ihm –, der soll hinaufziehen.

2. Lesung
Epheser 2,4–10

Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet. Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz in den himmlischen Bereichen gegeben, um in den kommenden Zeiten den überfließenden Reichtum seiner Gnade zu zeigen, in Güte an uns durch Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt –, nicht aus Werken, damit keiner sich rühmen kann. Denn seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus zu guten Werken erschaffen, die Gott für uns im Voraus bestimmt hat, damit wir mit ihnen unser Leben gestalten.

Evangelium
Johannes 3,14–21

Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat. Denn darin besteht das Gericht: Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag März 2018Andrea Berger-Gruber
ist Fachinspektorin für katholischen
Religionsunterricht im Burgenland sowie
Vorsitzende des forum martinus der Diözese Eisenstadt,
sie ist verheiratet und hat eine Tochter.
Die Autorin erreichen Sie unter

Damit es heller und wärmer wird ...

Nikodemus, ein Pharisäer und Mitglied des Hohen Rates, kommt zu Jesus und nennt ihn respektvoll Rabbi. Das Nikodemusgespräch beginnt in den Versen vor diesem Sonntagsevangelium. Im vorliegenden Text wird Nikodemus und uns das Ziel der Menschwerdung Jesu geoffenbart. Wir selbst können die Entscheidung treffen, denn „wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet“ und ist damit gerettet. Vom Gericht und negativen Handlungen von Menschen ist hier die Rede. Für uns ist es oft schwer, zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Angesichts des Dauerbeschusses von Ghouta in Syrien hat z.B. Papst Franziskus beim Angelus am zweiten Fastensonntag appelliert, sofort die Gewalt zu stoppen, um humanitäre Hilfe in Syrien zu ermöglichen. „Man kann Gewalt nicht mit Gewalt stoppen“, merkt er an.
Abgesehen vom Hinweis auf das Gericht und das Böse ermutigt uns diese Rede Jesu sehr: Unser Gott ist ein Gott der Liebe. Damit wir Menschen das auch begreifen, hat er uns ihn selbst geschickt. Jesus hat uns von diesem Gott der Liebe erzählt und auch davon, wie wir unser Leben gut leben können. „Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht“ heißt es in Vers 19. Aber es liegt in unserer Freiheit, uns für das Gute zu entscheiden, denn „wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht ...“
Jesus fordert uns alle auf, die Botschaft von Gott weiter zu tragen und den Menschen vorzuleben, Gutes konkret werden zu lassen. Es liegt an uns, friedvoll, mitfühlend, verständnisvoll und unterstützend den Menschen um uns zu begegnen. Durch unsere Entscheidung für das Gute tragen wir dazu bei, dass es in unserer Welt wieder „heller und wärmer“ wird.

Zum Weiterdenken
Was kann ich konkret Gutes tun und wie kann ich auch andere dazu ermutigen?

An den Strömen von Babel,
 da saßen wir und wir weinten,
wenn wir Zions gedachten.
An die Weiden in seiner Mitte
hängten wir unsere Leiern.
Denn dort verlangten, die uns gefangen hielten, Lieder von uns,
unsere Peiniger forderten Jubel:
Singt für uns eines der Lieder Zions!
Wie hätten wir singen können die Lieder des Herrn,
fern, auf fremder Erde?
Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem,
dann soll meine rechte Hand mich vergessen.
Die Zunge soll mir am Gaumen kleben,
wenn ich deiner nicht mehr gedenke,
wenn ich Jerusalem nicht mehr erhebe
zum Gipfel meiner Freude.

Antwortpsalm (aus Psalm 137)

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(aus dem KirchenBlatt Nr. 10 vom 8. März 2018)