Anlässlich des Tages der Arbeitslosen am 30. April luden die Sozialen Unternehmen Vorarlbergs zum Pressegespräch. Sie informierten über die Budgetkürzungen und die Zukunft des zweiten Arbeitsmarktes.

Im Bild (v.l.): Harald Moosbrugger (Wirtschaftsabteilung des Landes Vorarlberg), Benedikta Hämmerle (Sprecherin und Koordinatorin Soziale Unternehmen Vorarlberg), Bernhard Bereuter (Leiter des AMS Vorarlberg), Rainer Siegele (Obmann des Vorarlberger Umweltverbandes)

Die Wirtschaft läuft gut, die Arbeitslosigkeit sinkt - dennoch entspannt sich die Lage der Langzeitarbeitslosen nicht. Im Gegenteil. "In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen verdreifacht", erklärt Benedikta Hämmerle, Sprecherin der Sozialen Unternehmen Vorarlbergs. "Sie wird sich wahrscheinlich auch in Zukunft erhöhen." Gründe dafür liegen im Strukturwandel, in Veränderungen des ersten Arbeitmarktes und in der demografischen Entwicklung der Bevölkerung. "Der reguläre Arbeitsmarkt ist nicht in der Lage, alle zu beschäftigen", stellt Hämmerle fest.

Mehr Gestaltungsspielraum

Umso bedauerlicher ist die Budgetkürzung für das AMS, die von der Regierung beschlossen wurde. 5% davon gibt das AMS an die Sozialen Unternehmen weiter - im laufenden Geschäftsjahr. Das bedeutet eine Kürzung von 10% für das zweite Halbjahr. Die Verhandlungen zwischen den betroffenen Unternehmen, dem AMS und der Wirtschaftsabteilung des Landes laufen derzeit auf Hochtouren, Ergebnisse gibt es noch keine. Die grundsätzliche Schwierigkeit liegt darin, dass die Sozialen Unternehmen an sehr strikte Regelungen seitens des AMS gebunden sind. Sie haben so gut wie keinen Spielraum. Deshalb fordern sie eine Weiterentwicklung des zweiten Arbeitsmarkt. Gemeinsam mit dem AMS gaben die Unternehmen eine Studie in Auftrag mit dem Titel "Der zweite Arbeitsmarkt - Notlösung oder Wirtschaftstreiber?"

Europäische Initiativen

Die Soziologin Dr. Eva Häfele präsentierte die Ergebnisse der Studie beim ersten Thinktank mit VertreterInnen aus Wirtschaft, Politik, Sozialpartnern, AMS und Sozialen Unternehmen, der am 12. April stattfand. Dieser wurde ins Leben gerufen, um die Neugestaltung des zweiten Arbeitsmarktes gemeinsam mit allen Beteiligten voranzutreiben, denn nur in "enger Zusammenarbeit können die Probleme von Langzeitarbeitslosen effektiv gelöst werden", ist Bernhard Bereuter, Leiter des AMS Vorarlberg, überzeugt. In der Studie werden erfolgreiche Initiativen aus ganz Europa präsentiert, bei denen aktivierende Maßnahmen eine rein wohlfahrtsstaatliche Versorgung Erwerbsloser ablösen können.

Bedeutsam für Wirtschaft und Gesellschaft

Dieser grundsätzlichen Richtung stimmt auch Rainer Siegele, Obmann des Vorarlberger Umweltverbandes und Bürgermeister von Mäder, zu. "Lieber bezahle ich Geld für eine Leistung als für Sozialhilfe", erklärt er. Er verweist zudem darauf, dass für die Sozialhilfe Land und Gemeinden aufkommen müssen. "Der Bund verschiebt damit die Kosten auf Land und Gemeinden." Am Beispiel der Altkleiderverwertung zeigt er die Bedeutung der Sozialen Unternehmen für die Gesellschaft auf. Carla wickelt diese Aufgabe - ein gesetzlicher Auftrag der EU - für den Vorarlberger Umweltverband ab. Gäbe es dieses Unternehmen nicht, müsste ein anderes dafür bezahlt werden - zu einem höheren Preis.

Von welcher Perspektive aus das Ineinander von Sozialem, Ökologischem und Wirtschaftlichem auch betrachtet wird - es ist immer ein Gewinn für alle Beteiligten. Ohne Soziale Unternehmen würden viele Lücken entstehen, mittlerweile sind zahlreiche Betriebe auf die Arbeiten aus den Sozialen Unternehmen angewiesen. Für die betroffenen Arbeitslosen sind sie die einzige Chance auf Erwerbsarbeit - und damit auf Würde, Teilhabe und Sinn.

Zur Sache:

Zu den Sozialen Unternehmen gehören: AQUA Mühle Vorarlberg, carla der Caritas Vorarlberg, Dornbirner Jugendwerkstätten, Integra Vorarlberg, Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte. Rund 600 Menschen schlossen 2017 vorübergehend einen befristeten Arbeitsvertrag in einem Sozialen Unternehmen ab. Die durchschnittliche Beschäftigungsdauer betrug 4,5 Monate.

Förderungen 2018:  Arbeitsmarktservice Vorarlberg – 6,470 Millionen Euro (2017: 7 Millionen Euro), Land Vorarlberg – 2,856 Millionen Euro (2017: 2,6 Millionen Euro).

Leitplanken für neue Beschäftigungsmodelle:

  • Flexible Richtlinien – Gestaltungsfreiraum für Soziale Unternehmen
  • Stufenweise Angebote von stundenweiser Beschäftigung bis Nachbetreuung auf 1. Arbeitsmarkt
  • Aktivierung für Erwerbstätigkeit statt wohlfahrtsstaatliche Versorgung
  • Gezielte Unterstützung für unterschiedliche Ausprägungen der Langzeitarbeitslosigkeit
  • Längerfristige Beschäftigungsformen
  • Neue Finanzierungsformen
  • Kooperationen mit Stiftungen, Wirtschaftsunternehmen, Regionen, Gemeinden

www.sozialeunternehmen-vorarlberg.at