Maria Walch aus Feldkirch hat als fünfjähriges Mädchen in Schloss Hartheim in Oberösterreich gewohnt. Kurz zuvor hatten die Nazis das Schloss als Tötungsanstalt genutzt und dort insgesamt 30.000 Menschen ermordet.

Elisabeth Willi

Seit beinahe 15 Jahren arbeite ich als Redakteurin - und noch nie hat mich ein Interview dermaßen berührt wie das mit Maria Walch. Einerseits lag dies an dem furchtbaren Thema - andererseits aber auch daran, dass meine Interviewparnterin selbst so bewegt war. Es ist ein großer Unterschied, Wörter wie „vergasen“ und „ermorden“ zu schreiben oder sie im Angesicht einer Frau auszusprechen, die Menschen gesehen hat, kurz bevor ihnen genau das geschehen ist.

Geflüchtet.

Maria WalchMaria Walch wurde 1939 in Novaki, einem kleinen Dorf in Kroatien, geboren. Weil sie und ihre Familie Volksdeutsche waren, flüchteten sie 1944 und kamen nach Linz in ein Auffanglager für Flüchtlinge. Genau gegenüber befand sich die Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart für psychisch Erkrankte und für Menschen mit Behinderung. „Alle Leute, die darin waren, haben gewartet, bis es einen Platz in Schloss Hartheim gab. Wie schrecklich!“ sagt Maria Walch. „Platz haben“ ist gleichbedeutend mit „umgebracht werden“. Denn nichts anderes war Schloss Hartheim von 1940 bis 1944: eine Tötungsanstalt für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung sowie für psychisch kranke Menschen.
Maria Walch kann sich an die Bewohner/innen der Anstalt Niedernhart in Linz gut erinnern. „Ich habe gesehen, wie sie ihre Hände durch Gitter gestreckt haben.“ Was mit ihnen geschieht, hätte sie zu dem Zeitpunkt in ihren schlimmsten Albträumen nicht erträumen können.

Spuren verwischt.

In Schloss Hartheim ermordeten die Nazis 30.000 Menschen, viele davon waren Kinder. Die Todesurkunden wurden gefälscht, um die Angehörigen auf falsche Fährten zu führen. Im Dezember 1944 lösten die Nazis die Tötungsanstalt auf, zerstörten Beweise und bauten sie so um, dass Spuren der Morde verwischt wurden.
Kurz danach wurde Schloss Hartheim als Flüchtlingsunterkunft genutzt - und Maria Walch sowie ihre Mutter zogen dort ein. Sie hat oft im Erdgeschoß gespielt, ist dort herumgetollt - und sie kann sich erinnern, dass auf der rechte Seite neben dem Eingang ein großes Zimmer mit drei Öfen gewesen ist. Erst viel später erfuhr sie, dass dies Verbrennungsöfen für die Leichen gewesen sind. „Das hat mich sehr verfolgt“, erklärt sie.
Erinnern kann sich die Feldkircherin auch an graue Busse, die nach Hartheim fuhren. „Vielleicht waren darin Angehörige, die ihre Verstorbenen gesucht haben?“, fragt sie sich bis heute. Wie lange Maria Walch mit ihrer Mutter in Schloss Hartheim gelebt hat, weiß sie nicht genau, bis ungefähr 1945/46. 1954 übersiedelten sie nach Vorarlberg, hier heiratete sie und gründete eine Familie.

Nachforschungen.

„Ich habe mir in den letzten Jahrzehnten sehr viele Gedanken um Hartheim gemacht“, so Maria Walch. Sie sammelt Literatur darüber und besuchte den heutigen Gedenkort. „Es ist wichtig, dass man nachforscht. Damit man es nie vergisst.“
Übrigens, noch während des Besuchs bei Maria Walch habe ich beschlossen: Ich werde  an der Gedenkreise nach Hartheim, die im Rahmen der Carl Lampert Woche angeboten wird, teilnehmen. «

Sozialgeschichtliche Reise im Rahmen der Carl Lampert Woche

nach Schloss Hartheim und Linz, 30. und 31. Oktober 2019

Leistungen

  • Fahrt im Komfortbus, 1 x Halbpension
  • neu renovierte Zimmer mit Bad/Dusche, WC
  • Reisebegleitung: Gerhart Hofer, Direktor der Kathi Lampert Schule für Sozialbetreuungsberufe, Götzis. Katharina Lampert ist 1941 in Schloss Hartheim ermordet worden.
  • Pauschalpreis: € 229,-
  • Einzelzimmerzuschlag: € 30,-
  • Storno- und Reiseversicherung: € 7,-

Infos und Anmeldung: Nachbaur Reisen, T 05522 74680, E

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 40 vom 3. Oktober 2019)