Bruno Muxel (62) aus Au im Bregenzerwald war von Mitte Juli bis Mitte August 2019 auf LernEinsatz in Ghana. Er berichtet über die andersartige Denkweise der Ghanaer, ihre Religiosität und die Projekte der Dreikönigsaktion.

Daniel Ongaretto-Furxer

„Die Ghanaer/innen denken ganz anders als wir“, merkt Bruno Muxel an. „Jeder will dein Freund sein. Je mehr Freunde man hat, desto besser. Jeder versucht auch, irgendwie ein Chief, ein Boss, zu sein.“ Bruno schmunzelt und erklärt warum: „Alles wird über einen Boss geregelt. Wenn du zum Medizinmann willst, kannst du nicht direkt zu ihm gehen, sondern musst zuerst zum Chief des Dorfes. Auch wenn du in ein Dorf kommst und alle Leute empfangen dich, muss zuerst der Chief gefragt werden, ob du ins Dorf darfst.“
Bruno erzählt, dass Religion eine sehr große Rolle spielt. Das Christentum gibt es dort in vielen verschiedenen Konfessionen. Die Christ/innen leben mit den Moslems friedlich zusammen. Gemeinsam ist beiden, dass sie die traditionelle Religion des Landes als Glaubensfundament haben. Zeremonien und Heilungsgebete werden rund um die Uhr im Fernsehen übertragen, und die Leute scheuen sich nicht, große Plaketten mit „Jesus“ auf ihren Autos anzubringen.

Bildung für Mädchen.

LernEinsatz in GhanaDie achtköpfige Gruppe des LernEinsatzes war im Norden von Ghana, dem ärmeren Teil des Landes, auf Projektbesuch. Mit Geldern der Dreikönigsaktion, dem Hilfswerk der Katholischen Jungschar, werden beim Projekt „Bildung - auch für Mädchen“ Nähmaschinen gekauft. So werden 16-jährige Mädchen, die oft weder lesen, schreiben noch rechnen können, zu Näherinnen ausgebildet. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Am Ende der drei Jahre können die Mädchen, die das Programm abschließen, die Nähmaschine behalten.
Ein zweites Projekt bietet Bauern einen Rechtsbeistand, wenn ausländische Investoren unrechtmäßig Land erwerben, um es für Goldminen zu nützen. Bei einem weiteren Projekt bekommen Kinder eines sehr entlegenen Dorfes Schuluniformen und können so am Schulunterricht teilnehmen. „Das Geld der Sternsingeraktion wird wirklich sinnvoll eingesetzt und kommt an“, ist Bruno (2. v. l.) überzeugt.

Hintergründe verstehen.

Das Kennenlernen der Menschen und der Projekte in Ghana war eingebettet in Lectures (Vorträge) über Ghana. „Sie waren sehr interessant. Die Aufbereitung der ghanaischen Kultur und deren Besonderheiten war intensiv, ja sogar notwendig, um Hintergründe verstehen zu können“, so Bruno Muxel. „Neben den Projektbesuchen war ich begeistert von der Natur und der Möglichkeit, direkt bei den Menschen zu wohnen. Wir waren drei Tage bei einer Familie untergebracht. Die Lebenswirklichkeit so hautnah zu spüren, war schon einmalig. Ich will den LernEinsatz nicht missen.“  «

LernEinsatz

LernEinsatz bedeutet, dass man in einer Gruppe von acht bis zwölf Mitreisenden für ca. einen Monat zu Projektpartner/innen der Dreikönigsaktion der Kath. Jungschar reist, um von deren Erfahrungen zu lernen. Dazu gehören die theoretische Auseinandersetzung mit dem Reiseland, Begegnungen mit Menschen vor Ort und kontinuierliche Reflexion der Erfahrungen. Die Idee der LernEinsätze stammt von Projektpartner/innen der Dreikönigsaktion selbst. Die nächsten LernEinsätze finden im Juli und August 2020 statt.

Weitere Informationen:

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 45 vom 7. November 2019)