Wie so viele Länder weltweit entschied sich auch die südafrikanische Regierung als Reaktion auf den Coronavirus für einen Lockdown. Am Beispiel der kleinen Stadt Ixopo erzählt die aus Muntlix stammende Ordensfrau Sr. Regina Bachmann, welche Folgen dies für die Bevölkerung mit sich brachte.

Patricia Begle

Am 1. April erfolgte der Lockdown. Niemand durfte raus, alle Geschäfte blieben geschlossen, außer Lebensmittelgeschäfte und Tankstellen. Polizei und Armee sorgten dafür, dass die Regelungen eingehalten wurden. Was eine Ausgangssperre für Menschen bedeutet, die in einem Slum leben, ist kaum vorstellbar. „Die Leute waren auch vor Corona hungrig“, erzählt Sr. Regina. „30 Prozent der Menschen sind hier arbeitslos, auch viele junge. Das ist eigentlich eine Zeitbombe. Mit Corona ist es viel schlimmer geworden.“

Überlebensmittelpakete.

Sr. Regina packt LebensmittelpaketeDas Sacred Heart House, in dem die 87-Jährige seit acht Jahren lebt, wurde als Bleibe für ältere oder kranke Schwestern gebaut. Heute ist es auch für ein paar jüngere Schwestern das Zuhause, 14 Frauen sind sie insgesamt dort. Schon vor Jahren haben sie begonnen, Menschen, die an der Tür um Essen bitten, Lebensmittelpakete mitzugeben. Die Coronakrise hat die Nachfrage nach den Paketen steigen lassen. Gefüllt mit Reis, Bohnen, Mehl und anderen Grundnahrungsmitteln sichern sie Familien das Überleben. Kommen junge Männer zur Tür, dann bekommen sie Arbeit im Garten. „Das Lebensmittelpaket ist dann ihr Lohn, so müssen sie nicht betteln“, erklärt die Ordensfrau. Den jungen Leuten Arbeit zu geben, das ist ihr größter Wunsch.

Weniger Gewalt.

Was sich in der Stadt während des Lockdown zum Positiven verändert hat, ist der Rückgang von Gewalt. Um 60% hat sie sich verringert. Sr. Regina sieht einen Grund darin, dass in dieser Zeit kein Alkohol zu erwerben war. Wie wichtig er ist, zeigte sich, als die Geschäfte am 1. Juni wieder öffneten. „Schon um halb vier in der Früh sind die Menschen in Schlangen vor den Geschäften angestanden, um Alkohol zu kaufen“, erzählt sie.

Maßnahmen.

Was sie sonst von der Lage erzählt, klingt fast vertraut: Menschen tragen Masken und halten Abstand, die Schulen wurden am 8. Juni für Maturant/innen wieder geöffnet, die anderen Kinder und Jugendlichen müssen bis Mitte Juli warten. Am 7. Juni durfte erstmals wieder Gottesdienst gefeiert werden, die Regierung schickte dafür zwei Angestellte, die die Kirche desinfizierten. 50 Menschen sind in ihrer Kirche erlaubt. In Südafrika wurden bis Anfang Juni rund 40.000 Infizierte und 800 Todesfälle gezählt, die Gesamtbevölkerungszahl lag 2018 bei 57,7 Millionen Menschen. In ihrer Stadt Ixopo weiß Sr. Regina bislang von keiner Person, die positiv auf das Virus getestet wurde.

Zuversicht.

LebensmittelpaketeTrotz der schwierigen Situation hat Sr. Regina ihren Optimismus und ihr Vertrauen nicht verloren. „Als Christin muss man doch positiv sein, da darf man sich nicht gehen lassen“, ist sie überzeugt. Ihr Haus ist ein Haus des Gebetes. „Der Herrgott lebt auch da, schlussendlich hat er alles in seiner Hand.“ Nach Vorarlberg wird die Ordensfrau nicht mehr kommen, die Reise wäre zu beschwerlich. „Es geht mir gut, wo ich bin. Ich habe alles, was ich brauche und bin dankbar für jeden Tag, an dem ich aufstehen kann“, erklärt sie zufrieden. Und am Ende des Gesprächs: „Grüßen sie mir alle!“ «

Helfen Sie helfen!

Die Pfarre Muntlix unterstützt Sr. Regina schon jahrelang, dieses Jahr durch eine Spendenaktion. Um € 50,- können Lebensmittel-Bausteine erworben werden, mit denen Lebensmittelpakete finanziert werden. Spendenkonto: Raiba
Vorderland, IBAN: AT61 3747 5000 0110 0593, Verwendungszweck: „Lebensmittelpaket“.

Marianhiller Missionsschwestern

Der Frauenorden „Marianhiller Missionsschwestern vom Kostbaren Blut“ wurde 1885 vom Trappistenabt Franz Pfanner in Südafrika gegründet. Heute umfasst er rund 900 Mitglieder weltweit. Sr. Regina Bachmann legte 1956 ihre Ewigen Gelübde in der Gemeinschaft ab, 1960 reiste sie nach Südafrika. Nach ihrer Ausbildung als Krankenpflegerin und Hebamme war sie 46 Jahre im Mariannhill Hospital in Durban tätig, vor allem als Pflegedienstleiterin. Seit 2011 lebt sie im Sacred Heart House in Ixopo.

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 24 vom 11. Juni 2020)