In der Johanniterkirche steht zur Zeit eine Statue des siegreichen Ostgotenkönigs Theoderich aus der Völkerwanderungszeit. Es handelt sich dabei um einen 3D-Druck des Künstlers Oliver Laric.

Wolfgang Ölz

Oliver Laric (Jahrgang 1981) ist ein international in New York, Lissabon und Innsbruck von renommierten Galerien vertretener, österreichischer, seit 14 Jahren in Berlin lebender, Bildender Künstler.

Weniger Aristokratie. Am Grabmal Kaiser Maximilians, im Volksmund in der sogenannten Schwarzmanderkirche in Innsbruck, steht unter 28 Figuren auch König Theoderich, den Kaiser Maximilian als siegreichen Herrscher der Spätantike gerne als einen seiner Vorväter gesehen hat. Laric ließ den Bronzeguss von Theoderich am Grabmal Maximilians von Peter Vischer d. Ä. aus dem Jahr 1513 in 3D scannen und entfernte Schild, Axt und Schwert inklusive Schnauzer. Vielleicht wollte er damit auf die Unzulänglichkeit kriegerischen Geräts zur Lösung von Problemen hinweisen.

Die Druckdaten des Scans sind online frei zum Download verfügbar und können weltweit von Nutzern als Grundlage für neue Arbeiten verwendet werden. Der Künstler verwendet zwar diese königliche Vorlage, möchte das aristokratische Bedeutungsfeld der Figur verkleinern. Laric sagt: „Dadurch, dass die Skulptur als 3D-Modell frei zirkuliert und von einem breiten Publikum genutzt werden kann, entstehen hoffentlich neue (nicht geschichtliche) Interpretationen.“

Technikneutral

Auf die Frage, ob der 3D-Druck nicht sehr zeitbedingt ist, da sich die Technologie ja in nie dagewesener Geschwindigkeit weiterentwickelt, meint der Künstler: „Ich versuche weder technooptimistisch noch technopessimistisch zu handeln. Während 3D-Scanner und Drucker schnell altern, gibt es vielleicht Herangehensweisen die unabhängig von technologischen Verfallszyklen wirken.“ Auf der Website „threedscans“ von Oliver Laric können Scans im großen Stil heruntergeladen werden, wie das einer Demokratisierung der Freeware (Gratis-Software) entspricht.  

Ist es ein Zufall, dass auch ein Bischof mit Kirche abgebildet ist? Olivier Laric: „Dieser Scan wurde bei meinem ersten Scan-Projekt 2012/2013 aufgenommen. Da ging es mir darum zu testen, was sich wie scannen lässt und was wie runtergeladen wird. Es war also ein breiter Querschnitt an dreidimensionalen Objekten, unter anderem auch sakrale Figuren. Ich folge keinem einzelnen Fokus, sondern verschiedenen Interessen die über die Jahre spezifischer geworden sind.

Tanzende Figur

Oliver Laric lässt sich in seinem Werk nicht gerne festlegen. Das Standbild in der Johanniterkirche beschreibt er so: „Tatsächlich wirkt die Figur tänzerisch und wohl auch weniger leicht kategorisierter als zuvor. Vielleicht wird sich die Figur in den kommenden Jahren noch weiterentwickeln und verändern.“ «

Zur Ausstellung: Standbild. Ausstellung des Kunsthaus Bregenz  in der Johanniterkirche Feldkirch, Marktgasse, E , Öffnungszeiten: Di bis Fr 10  bis 12, 15  bis 18 Uhr, Sa 10  bis 14 Uhr, bis 12. Dezember 2020.

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 42 vom 15. Oktober 2020)