20. bis 27. September - diese Tage stehen ganz im Zeichen der Umwelt und des Klimawandels: Weltweit findet die „Week for Future“ statt, organisiert von „Fridays for Future“. Auch in Vorarlberg wird es Aktionen geben. Anlässlich der „Week for Future“ hat das KirchenBlatt Aaron Wölfling, Pressesprecher von „Fridays for Future Vorarlberg“, zum Gespräch getroffen.

Elisabeth Willi

Aaron WölflingSelbst in einer Ansammlung von Menschen ist Aaron Wölfling, 18-jähriger Maturant am BORG Lauterach, schnell ausfindig zu machen: Seine langen Rastalocken stechen heraus. Das KirchenBlatt trifft den jungen Dornbirner beim Klimadialog „Wir sind Klima: Vorarlberg for Future“ im vorarlberg museum (siehe Factbox rechte Seite). Er wirkt offen, sehr freundlich und voller Elan. Dass er eine Botschaft hat, ist schnell bemerkbar: Bereits bevor das Interview beginnt, erzählt er einiges zum Thema, z. B. zitiert er Forschungsberichte. Alles läuft darauf hinaus, dass die Politik schleunigst etwas ändern müsse. Nur eine solche Änderung könne die Welt vor der großen Katastrophe schützen.

Raus aus der Resignation

Vor eineinhalb Jahren noch lebte der Pressesprecher von „Fridays for Future Vorarlberg“ in Resignation wegen der Klimakrise, wie er schließlich beim Interview erzählt. Jahrelang hatte dieser Zustand angedauert. Doch dann kam Greta Thunberg. „Durch die Bewegung, die sie erschaffen hat, habe ich Mut und Hoffnung geschöpft“. Einigen seiner Freund/innen und Bekannten ging es ebenso, und sie beschlossen, in Vorarlberg auch Klimastreiks abzuhalten. „Fridays for Future Vorarlberg“ war geboren.
Es ist eine unabhängige Bewegung ohne gezählte Mitglieder, Leute kommen und gehen. Sie arbeitet basisdemokratisch und mit flachen Hierarchien. Einmal pro Woche - jeweils am Montag - findet eine Sitzung statt. Manche nehmen immer daran teil, und diejenigen haben dann auch mehr Möglichkeiten zur Mitsprache und Gestaltung.

Schnelles Wachstum

„Es ist unglaublich, wie schnell wir gewachsen sind“, findet Aaron Wölfling. Beim letzten Klimastreik im Mai zeigten 2.000 Personen ihre Solidarität mit der Bewegung. Begonnen hat „Fridays for Future Vorarlberg“ um einiges kleiner beim ersten Klimastreik Anfang März 2019 - und auch wesentlich unbeachteter als heute. Er fand außerhalb der Schulzeit statt und war lediglich einem Medium in Vorarlberg eine kurze Berichterstattung wert, wie Aaron Wölfling erzählt. Erst, als der nächste Klimastreik in die Unterrichtszeit verlegt wurde, folgten die Berichte, die Vorwürfe und die Diskussionen.
Auch für die nächste Demo am Freitag gilt aus schulrechtlicher Sicht: Die Teilnahme daran ist ein unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht, wie Dr. Christiane Peter von der Bildungsdirektion dem KirchenBlatt mitteilt. Es bestehe lediglich die Möglichkeit, dass jede Schule einzeln im Rahmen der Schulautonomie frei gebe.

Keine andere Möglichkeit

Der Pressesprecher von „Fridays for Future Vorarlberg“ versteht die Kritik wegen des Fernbleibens nicht: „Wofür gehen wir in die Schule, wenn wir eh keine Zukunft haben? Uns bleibt nichts anderes übrig als das Fernbleiben vom Unterricht, um Druck auszuüben. Ohne Änderung werden wir, die junge Generation, keine lebenswerte Zukunft haben.“ Um den Kritiker/innen noch mehr Wind aus den Segeln zu nehmen, fügt Aaron Wöfling hinzu: „Wir waren in den Sommerferien - also der schulfreien Zeit - ebenfalls aktiv. Nicht nur ich persönlich - ich hatte keinen einzigen Tag frei - sondern auch die Bewegung. Es fanden z. B. eine Fahrraddemo in Hohenems und eine Aufräumaktion mit Vernetzungstreffen in den Dornbirner Achauen statt.“
Und was entgegnet er jenen Kritiker/innen, die nicht an den Klimawandel glauben? Er zitiere wissenschaftliche Belege. Manchmal aber lasse er es auch ganz bleiben: „Ich möchte niemanden missionieren. Mit solchen Menschen rede ich dann lieber über ihre Familie oder ihre Arbeit. Zum Schutz für mich selbst und meine Zeit.“

Dorf wird evakuiert.

Dass der Klimawandel bereits konkrete Auswirkungen hat, zeigt u. a. das Beispiel des Dorfes Fairbourne in Wales/Großbritannien: Die 1.000 Einwohner zählende Gemeinde liegt nur knapp über dem Meeresspiegel, künftige erforderliche Investitionen in den Küstenschutz sind der Regierung zu teuer, und deshalb sollen die Bewohner/innen ab 2045 in höhere Lagen umgesiedelt werden. Fairbourne dürfte damit die erste Gemeinde in Großbritannien sein, die wegen des steigenden Meeresspiegels aufgegeben wird. „Wenn das kein Beispiel dafür ist: Es ist fünf vor zwölf“, sagt Aaron Wölfling. „Wir stehen vor einer unglaublichen Krise. Bleibt die Lage so, werden die Auswirkungen des Klimawandels zum gesellschaftlichen Kollaps führen. Und das kann zu meinen Lebzeiten passieren!“

Politik ist gefordert.

Auch wenn jede und jeder einzelne gefordert sei und etwas unternehmen könne, sehen „Fridays for Future“ die Politik in der Hauptverantwortung. Die Forderungen der Bewegung an sie lauten: „Klimaschutz muss die erste Priorität werden. Es gehören Rahmenbedingungen her, damit die Menschen weniger Auto, dafür mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Außerdem sollte die Politik Anreize und Verpflichtendes schaffen, um den Klimaschutz in Gesellschaft und Wirtschaft zu forcieren.“ Es brauche eine Wirtschaft, so Aaron Wölfling, die nachhaltig arbeite. „Die produzierenen Konzerne müssen raus aus Erdöl, Gas sowie Kohle und hin zu erneuerbaren Energien.“

Druck.

„Wir werden weiterkämpfen, bis der Wandel erreicht ist“, bekräftigt der Maturant, der für die Grüne Jugend für die Landtagswahl kandidiert. Er freut sich sehr, dass „Fridays for Future“ täglich stärker wird. Aber: „Es sprechen sich zwar alle Parteien für uns aus, gleichzeitig setzen sie nur symbolpolitische Maßnahmen und forcieren den Klimaschutz nicht wirklich.“ „Fridays for Future“ sei die stärkste Klimabewegung in der Geschichte, und sie werde weiter Druck auf die Regierenden ausüben.

„Religions for Future“

Mittlerweile erhalten „Fridays for Future“ österreichweit Unterstützung einiger Allianzen: von „Parents for Future“, „Farmes for Future“, „Artists for Future“, „Doctors for Future“ oder auch „Religions for Future“. Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften - Katholik/innen, Protestant/innen, Muslim/innen und Buddhist/innen - haben dazu eine gemeinsame Grundsatzerklärung erarbeitet. Sie rufen darin zum Schutz des gemeinsamen Hauses Erde auf und verweisen darauf, dass religiöse Traditionen wie Dankbarkeit, Demut und Gerechtigkeit wichtige Haltungen im Umgang mit der Natur vermitteln können.
Aaron Wölfling, Pressesprecher von „Fridays for Future Vorarlberg“ sagt: „Diese Allianzen sind sehr wichtig für uns. Unsere Anliegen können nur realisiert werden, wenn wir einen großen Teil der Bevölkerung hinter uns wissen.“ «

Aktionen in der „Week for Future“ in ­Vorarlberg:
Fr 20. September: In ganz Österreich findet die Aktion „Dein Ort“ statt. Alle sind aufgerufen, ein Transparent mit den Worten „Für die Zukunft“ zu basteln, es vor das Ortsschild zu halten, ein Foto zu machen und es ins Internet zu laden. Infos auf:
www.fridaysforfuture.at/deinort 

Fr 27. September, 11 Uhr, Bahnhof Bregenz: Großer Internationaler Klimastreik. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion  Vorarlberger Politiker/innen, die für den Nationalrat kandidieren, statt.

Vorarlberg for Future

30 Vorarlberger Klimaschutz-Initiativen vernetzen sich zu „Wir sind Klima: Vorarlberg for Future“. Dazu trafen sie sich vergangene Woche erstmals im vorarlberg museum in Bregenz; über 100 Engagierte diskutierten Klimaschutz-Maßnahmen.
Die Bandbreite der Initiativen reicht von kleinen Gruppen wie „Offener Kühlschrank“ und Repair-Café über Gemeinwohlökonomie und Naturschutzbund bis hin zum Klimaneutralitätsbündnis mit der Beteiligung großer Industriebetriebe. Auch landesnahe Organisationen wie die illwerke vkw, die inatura oder das Energieinstitut sind dabei. Die Initiative „f5 Pfarrgemeinden“ der Katholischen Kirche Vorarlberg ist ebenfalls Mitglied.
Die gemeinsame Frage lautete: Wie können wir rasche und mutige Schritte für mehr Klimaschutz setzen? Die 30 Organisationen und Initiativen wollen selbst noch stärker wirksam werden, etwa durch mehr Zusammenarbeit untereinander und eine bessere Öffentlichkeitsarbeit. Sie sehen aber auch die Landes- und Bundespolitik in der Pflicht.

Klimaneutralität. „Die Ziele der Energieautonomie müssen durch die Klimaneutralität ergänzt werden“, formulierte Organisator Christof Drexel beim Abschluss der Veranstaltung. Klimaneutralität umfasst beispielsweise auch den Treibhausgas-Ausstoß durch die Landwirtschaft, der bei der Energieautonomie nicht berücksichtigt wird. Und: Die Energieautonomie solle bereits 2040, und nicht erst 2050 erreicht sein. Nötig sei eine konkrete Roadmap, deren Umsetzung jährlich überprüft wird.
Die Klimainitiativen streben einen breiten Dialog mit Menschen aus Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung und anderen gesellschaftlichen Gruppen an. Nach dem gelungenen Auftakt sei klar, dass „Vorarlberg for Future“ weitergeführt werde, sagte Organisator Christof Drexel.

(aus dem KirchenBlatt Nr. 38 vom 19. September 2019)