In den letzten Jahren hat sich sehr viel im Silbertal getan. Ein Grund dafür ist Ursula Erhard, geboren und aufgewachsen in Oberösterreich, aber schon so viele Jahre im Montafon lebend, dass sie mittlerweile „dazugehört“. Die ausgebildete Hebamme ist seit fünf Jahren Pfarrgemeinderatsobfrau von Silbertal. Pfarrer Hans Tinkhauser forderte sie im Jahr 2017 auf, mitzuhelfen, um die Pfarre wiederaufzubauen. Und was seit damals alles geschehen ist, kann sich wahrlich sehen lassen.

Andreas Marte

Da gibt es zum einen das „Silbertaler Chörle“ mit 20 Mitgliedern, 15 Frauen und fünf Männern, das schon zweimal bei der Langen Nacht der Kirchen mitgemacht und für musikalische Unterhaltung gesorgt hat. Seit mittlerweile vier Jahren machen die Silbertaler auch bei der Sternsinger-Aktion mit. Kinder und Jugendliche sind der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden sehr wichtig. Neben der Erstkommunion- und Firmvorbereitung, die schon länger sehr gut von den Müttern geleitet werden, führt sie nach Rücksprache mit dem Pfarrer gemeinsam mit der Religionslehrerin erstmals Wortgottesdienste am Schulanfang und Schulende durch. Zudem wird neuerdings eine Kindermette gefeiert und es gibt einen Familienkreuzweg, beides wird von jungen Müttern betreut. Und bei Familienmessen kommen alle Kinder, Eltern und Verwandte zusammen, um gemeinsam die wunderschöne Pfarrkirche hl. Josef und Nikolaus zu besuchen. Vor den Coronamaßnahmen konnten erstmals zwei Adventfeiern sowie mehrere Herbergsingen mit den Silbertaler Kindern stattfinden. Dies soll, sobald es wieder möglich ist, fortgesetzt werden. Die Silbertaler zeigten sich während der Lockdowns sehr kreativ. Da man sich nicht mehr in geschlossenen Räumen versammeln durfte, trafen sich die Gläubigen am Brunnen vor der Kirche. „In der Osternacht und während des Advents haben wir uns mit Laternen rund um den Brunnen aufgestellt. Und vor ein paar Wochen beteten wir für den Frieden und sangen das Vater- unser. Da kommen dann auch Menschen, die nicht immer am Sonntag in die Kirche gehen“, berichtet Ursula Erhard.

Ursula Erhard

Heimgottesdienste

Ebenfalls ein großes Anliegen ist die Seelsorge vor Ort. „Ich besuchte vor ein paar Jahren ein sehr betagtes Ehepaar, die zuhause den Rosenkranz beteten und nicht mehr in die Kirche gehen konnten. Daraus entstand die Idee, Wortgottesdienste zuhause anzubieten. Es kamen dann immer mehrere Nachbarn zusammen um die Messe zu feiern. Da viele ältere Menschen eine 24-Stunden-Hilfe benötigen, haben wir auch die Betreuerinnen zu den Gottesdiensten eingeladen. Und da die meisten von ihnen aus Slowenien kamen, beteten wir das Vaterunser auch auf Slowenisch. Nach der Pandemie wollen wir das wieder beleben.“  Wortgottesdienste gibt es in Silbertal seit vier Jahren, mittlerweile haben drei Personen die Ausbildung dafür gemacht. Regelmäßig gibt es einmal im Monat einen Wortgottesdienst. „Wegen des Priestermangels wird das wohl die Zukunft sein,“ ist Erhard überzeugt.

Ehrenamtliche

Es kümmern sich viele Ehrenamtliche um das Pfarrleben, 90 Prozent davon sind Frauen. Da gibt es das Kirchenputzteam, bestehend aus 20 Personen, und das Kirchenschmuckteam, zwei Personen sind in der Krankenseelsorge tätig, der Seniorenadvent mit Krankensalbung wird von drei Frauen betreut. Das Totenwacheteam hilft den Angehörigen in allen Angelegenheiten, wenn jemand gestorben ist. Einmal lag eine 92-jährige Frau im Sterben, die Angehörigen erreichten den Pfarrer nicht und so wurde Ursula Erhard angerufen. „Die alte Dame rief aus, als sie mich sah: ‚Aber Hebamme brauche ich keine mehr!‘ Ich meinte dann: Irgendwie schon, in den Übergang zum Himmel.“

Pfarrgemeindeblatt

Seit dem Beginn der Pandemie gibt es in Silbertal auch ein Pfarrblatt, da das Bedürfnis in der Gemeinde groß war, während der Lockdowns Informationen aus und über das Pfarrleben zu erhalten. Auch hier hat sich ein Team gebildet. „Teams sind für mich ganz wichtig, hier können auch die einzelnen Talente gefördert werden. Die Diözese bietet tolle Möglichkeiten, sich bei Kursen weiterzubilden und die Unterstützung in der täglichen Arbeit ist ebenfalls sehr groß.“ Ihr Dank gilt aber vor allem ihren Mitbürgern und Mitbürgerinnen: „Ohne die Silbertaler/innen, ohne den Pfarrmitgliedern, ohne den fleißigen Mithelfer und Mithelferinnen wäre es nicht möglich gewesen, dies alles auf die Beine zu stellen. Darum möchte ich allen einen großen Dank aussprechen, die Silbertaler sind toll.“

Botschaft Jesu

Und was wünscht sich Erhard für die Zukunft? „Ich hoffe sehr, dass auch irgendwann Frauen das Priesteramt übernehmen dürfen. Es gibt sehr viele Frauen, die das wunderbar machen könnten und ich spüre, dass dies die Bevölkerung sehr begrüßen würde. Die Essenz ist es, die Botschaft Jesu und den Glauben nach außen zu tragen, wenn das gelingt, zahlt sich das Engagement einfach aus.“