Dr. Michael Willam (41) lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Weiler. Er ist von Beruf Theologe und Ethiker. Für die Katholische Kirche Vorarlberg war er in den letzten zwölf Jahren in mehreren Bereichen tätig. Seit Herbst 2018 leitet er das „Projekt Vorderland“.

Interview: Walter Stampfl

Herr Willam, wieso haben Sie diese Aufgabe angenommen?
Michael Willam: In erster Linie wollte ich, nach einer längeren Zeit im Pastoralamt mit den Menschen an der Basis, mit den Leuten in den Pfarren arbeiten. Ich bekam die Chance, die Zukunft der Pfarren im Vorderland in dieser Zeit des Umbruchs mitgestalten zu können. Ich selbst habe in meiner Heimatpfarre St. Karl in Hohenems sehr viel Positives in meiner Kindheit und Jugend erlebt. Darum ist es mir wichtig, dass auch meine Kinder in einem Umfeld aufwachsen, wo die Pfarre und die pfarrlichen Strukturen eine Rolle spielen. Hier habe ich die Möglichkeit, diese Strukturen nachhaltig zu stärken und zu gestalten.

Wie kam es zum Projekt Vorderland, und wie verlief der Start?
Willam: Wir suchten ein neues Modell für die Diözese. Das ist einfach notwendig. Es gab positive Berichte aus St. Gallen. Pastoralamtsleiter Martin Fenkart und Personalreferent Peter Mayerhofer sind hingefahren und haben sich das angeschaut. Anschließend sind wir zusammengesessen. Wir kamen zum Schluss, dass wir uns daran orientieren können. Also haben wir einen Vorschlag ausgearbeitet. Ich startete im September 2018 und habe mich in die Pfarren vorgetastet. Dort gab es zunächst Infoabende.

Wie waren die Reaktionen?
Willam: Es herrschte größtenteils Verständnis dafür, dass auf Grund der Situation reagiert werden muss. Bei einigen Personen war die Skepsis groß und ist sie immer noch. In manchen Pfarren, in denen es gute Systeme gibt, wird der neue Verband als Bedrohung gesehen.

Wo liegen die Herausforderungen?
Willam: Die größte Herausforderung ist die Kommunikation gegenüber den Pfarrangehörigen. Wenn die nicht passt, gibt es Gerüchte. Wenn mich jemand kontaktiert, oder wenn ich erfahre, dass es bei einem Pfarrangehörigen Bedenken gibt, suche ich die Begegnung und versuche eventuelle Missverständnisse aufzuklären.

Wie ist die Stimmung bei den Treffen? Spüren Sie Rivalität?
Willam: Manche sind wie gesagt skeptisch, die meisten abwartend, manche arbeiten konstruktiv mit. Rivalität spüre ich nicht. Rivalität entsteht nur, wenn man sich nicht kennt und sich nicht begegnet.

Worauf kommt es aus Ihrer Sicht an?
Willam: Die Vernetzung der Engagierten aus den Pfarren ist das Herzstück dieses Projektes. Das Projekt wird nur gelingen, wenn die Beteiligten merken, dass ihnen bzw. ihrer Pfarre die Vernetzung und Kooperation etwas bringt. Deshalb war es mir auch wichtig, schnellstmöglich die sogenannten „Spurgruppen“ zu bilden. Da arbeiten hauptsächlich Ehrenamtliche in kleinen Gruppen an einzelnen Themen. Wenn hier voneinander gelernt wird, dann fängt die Sache an zu leben. Ich möchte überzeugen, dass diese Vernetzung langfristig notwendig ist, dass es aber auch kurzfristig einen Gewinn für die Pfarren bringt. Und ich möchte das vorhandene Engagement fördern.

Wie fühlen Sie sich nach sechs Monaten? Geht es an die Substanz?
Willam: Während der sechs Monate bin ich realistisch geworden. Manche Erlebnisse sind positiv, manche sind negativ. Mit ein bisschen Distanz gibt beides zusammen ein Bild, das für mich noch passt. Die Arbeit macht auch Freude, und ich fühle mich nicht ausgelaugt. Ich finde, wir sind auf gutem Weg.

Wie ist der aktuelle Stand des Projektes?
Willam: Es gibt jetzt einen Entwurf. In diesen werden derzeit die Rückmeldungen aus den Pfarren eingearbeitet. Das soll bis Ende März passiert sein. Dann wird ein Vorschlag erstellt, der vom erweiterten Projektteam Anfang April verabschiedet werden soll. Es kann noch alles geschehen.

Die Umsetzung ist ab Herbst geplant. Dann auch mit Michael Willam?
Willam: Ja im Herbst - das wird erst der Beginn sein. Ich kann mir schon vorstellen, die Sache weiter zu begleiten. Es ist reizvoll für mich, gemeinsam mit den engagierten Menschen in der Region an der „Kirche von morgen“ mit zu arbeiten. Die Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

 

Vorankündigung

Alle Pfarrangehörigen der beteiligten 10 Pfarren haben nach Ostern an zwei öffentlichen Veranstaltungen die Gelegenheit, sich aus erster Hand über das Projekt zu informieren.

  • Infoabend mit Bischof Benno Elbs und Personalleiter Peter Mayerhofer
    Dienstag, 23. April, 19.30 Uhr, Bildungshaus Batschuns

  • Infoabend mit Generalvikar Rudolf Bischof und Pastoralamtsleiter Martin Fenkart
    Montag, 29. April, 19.30 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast