„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns sein Zelt aufgeschlagen.“ So lautet die wörtliche Übersetzung aus dem Johannes-Prolog, die wir am Weihnachtstag hören. Das ist die Frohe Botschaft: Gott lässt uns nicht allein.

benno elbsEin Licht anzünden 

Ein Gang durch den Advent
mit Bischof Benno Elbs
Teil 4 von 4

 

Das Bild von der Lade Gottes, die in einem Zelt wohnt (siehe dazu die erste Lesung des 4. Adventsonntags), fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Die reich mit Gold verzierte Truhe aus Akazienholz birgt unter anderem die Steintafeln mit den Zehn Geboten (vgl. Ex 25,10–15). Sie enthält das Allerwertvollste und ist doch wieder so leicht und beweglich, dass sie auf dem Weg durch die Wüste mitgetragen werden kann.
Für Israel ist die Bundeslade das Zeichen der Gegenwart Gottes und seiner Gerechtigkeit. Durch alle Gefahren und Bedrohungen ist er mit ihnen. Gott ist mit uns Menschen unterwegs. Er ist dort, wo Menschen leben – in unseren Freuden und in unseren Enttäuschungen, im Jubel und in der Sorge, selbst in der Niederlage. Gott ist überall da, wo du bist. Wir selbst sind Gottes Tempel. Der Zweitwohnsitz Gottes ist das Herz des Menschen, könnte man wohl sagen. Das ist der innerste Kern der biblischen Botschaft.

Sehnsucht nach Heimat
Gleichzeitig gibt es im Volk Israel – und ebenso bei uns – den Wunsch nach einer festen, sicheren Wohnung, die Bestand hat. So möchte König David auch für den Gott Israels ein Haus, einen Tempel bauen. Es ist ein vom Alltäglichen herausgenommener Ort, wo die Brücke zu Gott noch einmal in ganz besonderer Weise gepflegt und gestaltet wird: in der Liturgie, beim Feiern des gemeinsamen Gottesdienstes, im Beten und Singen, in einem besonders schön und kostbar gestalteten Raum, der das Herz und die Seele öffnet für das Göttliche und das Himmlische.
Auch das entspringt einer tiefen Sehnsucht des Menschen, nämlich irgendwo zu Hause zu sein, Heimat und Wurzeln zu finden. Werteforscher belegen das in ihren Umfragen immer wieder. Beides ist in der Botschaft des Advents und von Weihnachten enthalten. Wir sind miteinander unterwegs, wie auch Gott mit uns unterwegs ist. Wir dürfen zu Hause sein an einem Ort, wo wir Liebe und Geborgenheit erfahren. Und ebenso brauchen wir Orte, die uns Gottes besondere Nähe und Gegenwart spüren lassen.

Gott baut uns ein Haus 
Papst Franziskus spricht immer wieder von der Zärtlichkeit der Liebe Gottes. „Maria versteht es, mit ein paar ärmlichen Windeln und einer Fülle zärtlicher Liebe einen Tierstall in das Haus Jesu zu verwandeln“, formuliert er so einfühlsam und lebensnah in seinem Schreiben „Evangelii gaudium“ (Nr. 286).
Zu Hause ist man dort, wo man Zärtlichkeit erfährt, wo Menschen Zeit mit mir verbringen und wo ich die wertschätzende Zuwendung von lieben Menschen erfahren kann. Ja, zuhause ist man dort, wo man geliebt wird. Wir dürfen uns freuen, wenn wir diese beiden Realitäten des Volkes Israel – die des guten und begleiteten Weges und die des heiligen Ortes – auch in unserem persönlichen Leben erfahren dürfen. Dann ist Weihnachten!

Das Weihnachtsevangelium nach Lukas

(Kap. 2,1-20 in der neuen Einheitsübersetzung)

Und sie fanden das Kind 

Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der ­Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln ­gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.

Und es geschah, als die Engel von ­ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat! So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

(aus dem KirchenBlatt Nr. 51/52 vom 21./28. Dezember 2017)