Schulen tragen oft Namen von bedeutsamen Personen im Titel, meist von berühmten Männern, die ihnen Vision geben. Die Schule für Sozialbetreuungsberufe in Götzis entschied vor 10 Jahren, den Namen einer Frau anzunehmen, die für so viele Menschen steht, die ihr Leben lassen mussten, weil sie nicht der Norm entsprachen. Kathi Lampert war eine von ihnen.

Caroline Begle

Kathi Lampert war eine junge Götznerin, die an Epilepsie litt. 1941 wurde sie als „unwertes Leben“ im Vernichtungsschloss Hartheim bei Linz in der Gaskammer ermordet. Die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen war daraufhin in Österreich über Jahrzehnte von Beschämung, Ausgrenzung und Vernichtung geprägt. „Wir entschieden uns daher, den Namen eines Opfers stellvertretend und exemplarisch aus dem großen Dunkel in die Mitte, ins Licht zu stellen,“ erklärt Direktor Gerhart Hofer. 1990 war der Sonderschullehrer damit beauftragt worden, eine heilpädagogische Ausbildung für Erwachsene aufzubauen und als Beruf zu entwickeln. „Ab den 1960er-Jahren gab es die Werkstätten der Lebenshilfe, doch erst 30 Jahre später war man so weit zuzugestehen, dass das Personal eine Ausbildung braucht. Gerade hier, wo es Klienten gibt, die sich oft nicht wehren können, braucht es besondere Kompetenzen.“

Leiter Kathi-Lampert-Schule Dir. Gerhard Hofer

Kombination von Pädagogik und Pflege
Die Kathi-Lampert-Schule, die letzten Dezember ihr 25-jähriges Jubiläum feierte, ist heute eine moderne Ausbildungsstätte für Erwachsene mit den beiden Schwerpunkten Behindertenarbeit und Behindertenbegleitung. Ziel der Bildungsarbeit ist Persönlichkeitsentwicklung und fachspezifische Kompetenz, um Menschen in größtmöglicher Eigenverantwortung und Selbstbestimmung begleiten zu können. Über vier bzw. sechs Semester hinweg werden die Studierenden zu Fach- oder Diplom-Sozialbetreuer/innen ausgebildet.

Freiheit und Selbstbestimmung
Trägerin der Schule ist das „Werk der Frohbotschaft Batschuns“. Dessen Leitsatz zeigt sich auch in der spirituellen Grundhaltung der Schule. „Wie es in Lukas 4,18 heißt, legt unsere Schule großen Wert auf Solidarität mit benachteiligten Menschen. Wir stellen uns auf deren Seite und wollen durch unsere Arbeit zu ihrer Lebensqualität, Freiheit und Selbstbestimmung beitragen. In diesem Sinne ermutigen wir auch unsere Studierenden zu dieser Haltung“, so Gerhart Hofer.

Gelebte Inklusion
Derzeit werden 140 Studierende in 9 Klassen unterrichtet. „Wir freuen uns, dass wir 40 Prozent Männeranteil haben sowie Studierende von 17 bis 57 mit den unterschiedlichsten Hintergründen“, erklärt der Direktor. „Solch bunt gemischte Klassen zu unterrichten ist natürlich manchmal eine Herausforderung, aber es funktioniert – wir erhalten sehr gute Bewertungen von den anonymen Umfragen, die wir mit den Studierenden machen. Auf die Durchschnittsnote 1,5 sind wir stolz.“
Besonders stolz ist der Direktor auch auf die Integrationsklasse. „Vier Personen mit Lernschwierigkeiten erhalten bei uns die Ausbildung. Das heißt wir reden nicht nur über Inklusion, wir leben sie.“

Kathi-Lampert-Schule

Ausbildungsangebote:

BA Behindertenarbeit mit Pflegehilfe
Tagesform (Vollzeit Schule mit Praktika), Fachabschluss (2 Jahre) und Diplomabschluss in Berufstätigenform (1 Jahr)

BB Behindertenbegleitung
Berufstätigenform (50% Schule / 50% Praxis), Diplomabschluss (3 Jahre)

IBB Integrative Ausbildung für Menschen mit Lernschwierigkeiten
Berufstätigenform mit Abschluss Fach-SozialhelferIn (2 Jahre)

Infotag:

Fr 3. Februar, Offener Unterricht
ab 8 Uhr, Infostunden um 11 und 15 Uhr.

www.kathi-lampert-schule.at

(aus dem KirchenBlatt Nr. 5 vom 2. Februar 2017)