Doris Süß war 1993 die erste hauptamtliche Mesnerin Vorarlbergs. Wie sie sich erinnert, gab es damals viel Gegenwind - sowohl was die kirchlichen Obrigkeiten betraf, als auch aus der Pfarrgemeinde selbst. Heute blickt sie auf 28 erfolgreiche Jahre im Dienst der Pfarre Götzis zurück.

„Für mich war das damals ein großes Thema. Ich kannte nur männliche Mesner, dementsprechend kam es für mich gar nie in Frage, dass ich das einmal machen könnte“, weiß Süß von ihren Anfängen zu berichten. Initiator war damals vielmehr Pfarrer Herbert Buhri. Dieser kannte die damals 30-Jährige als Ehrenamtliche. „Bei einer Sitzung fragte er mich beiläufig, was ich so beruflich mache“, sagt Süß. Nicht bei der schlichten Antwort verharrend, beschrieb Doris Süß dann, welchen Job sie gerne machen würde. Es hätte nämlich eine Arbeit sein müssen, bei welcher sie genau dann zuhause sein hätte können, wenn auch ihre Kinder dort waren.

Einstellung

Das Gespräch muss Pfarrer Buri ins Nachdenken gebracht haben, denn kurze Zeit später fragte er die junge Frau, ob sie nicht Mesnerin werden möchte.  „Meine erste Antwort war dann ‚Ja, geht‘s denn noch? Das kann doch keine Frau machen“, sagt Süß und lacht. Pfarrer Buhri konnte aber überzeugend argumentieren und so sagte Süß zu.

„Es mag blöd klingen, aber im Nachhinein hat sich alles so gefügt, wie es sein sollte. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, Mesnerin zu werden“, so Doris Süß. „Ich konnte ganz viele verschiedene Menschen kennenlernen, die ich sonst nie getroffen hätte.“ Das habe sie unter anderem auch dem Pfarrer zu verdanken, der sich damals vorausschauend weit aus dem Fenster lehnen musste, damit Süß ihre Stelle antreten konnte. „Er wurde sogar vom damaligen Bischof persönlich gerügt“, sagt sie. „Im Umkehrschluss war der Anfang eine schwere Einlernzeit.“

So musste die Mesnerin gleich am ersten Wochenende die Erstkommunion und die Woche darauf vier Beerdigungen organisieren. Auch die Augen der Pfarrgemeinde ruhten auf ihr. „Es musste immer alles passen, auch auf mein Aussehen wurde sehr streng geachtet“, erinnert sich Süß. Wobei sie das alles erst viele Jahre später erfahren habe, da sie nach der Messe alles nachbereiten musste und den Tratsch am Vorplatz gar nicht mitbekam. Selbst heute noch würde sie Menschen treffen, die ihr erzählen, dass sie ihr die Arbeit damals nicht zugetraut hätten. Oder Menschen, die sich noch genau daran erinnern, dass sie zu Beerdigungen immer eine schwarze Masche getragen habe.

Ständig präsent zu sein, war auch die ganzen vergangenen Jahre der berufliche Alltag von Frau Süß. So ist sie bei allen Veranstaltungen in der Kirche - seien es auch nur Konzerte - vor Ort, bereitet alles vor und nach. Zusätzlich kümmert sich Süß um alle weiteren Angelegenheiten, die die Kirche betreffen. „Das reicht von der Kasse beim Opferstock über die Vorbereitung von Messen bis hin zur Organisation des Götzner Kirchenblatts und zur Verwaltung aller Bestände, beispielsweise an Kerzen oder an Öl“, sagt sie. Besonders die Arbeit mit den Ministranten sei hier ein Herzstück der Arbeit. „Zum Glück werde ich von vielen Menschen unterstützt“, sagt Süß. Neben ihrer Familie sind das Barbara Ender und Isabella Bell, die sie im Krankheitsfall oder im Urlaub vertreten. Auch die vielen Engagierten, die die beiden Kirchen mit Blumen schmücken oder reinigen, seien unverzichtbar.

Ort der Stille

Aus ihrer Arbeit hat Doris Süß bereits viel Seelenheil für sich mitgenommen. „Die Kirche ist mit den Jahren meine Heimat geworden“, sagt sie. „Am allerliebsten bin ich hier, nachdem ich die Pforten bereits geschlossen habe. Dann sitze ich in der Bank und höre mir eine CD an. Das habe ich damals angefangen, als meine Mama gestorben ist. Wie viele Stunden ich seither schon ‚Tears in Heaven‘ hier gehört habe...“ Lange wird Doris Süß aber nicht mehr in der Kirche arbeiten. Nächstes Jahr im Oktober geht sie in Pension. Wer ihre Fußstapfen auffüllen wird, wird sich erst noch zeigen.

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 15 vom 15. April 2021)