Gedanken zu Fronleichnam von Pfarrer Fabian Jochum.

Liebe Leserinnen und Leser des KirchenBlattes!

Was ist die Marke, an der unsere Kirche erkennbar ist? Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, diese Frage in einem Workshop mit einem erfahrenen Werbefachmann zu diskutieren.  Fronleichnam war immer schon ein „markiges“ Fest: Das allerheiligste Sakrament des Altares, eine kunstvoll gefertigte Monstranz, ein traditionsreicher Baldachin - „Himmel“ genannt. Auch blumenstreuende Erstkommunionkinder, schön geschmückte Häuser, Fahnenabordnungen, Trachten, Uniformen, Blasmusik und Frühschoppen gehören dazu.

Was sagt uns das Fronleichnamsfest heute? Zumal die festliche Aufmachung heuer pandemiebedingt überall etwas bescheidener ausfallen muss?
Ich bin in Hörbranz aufgewachsen, wo Fronleichnam immer besonders feierlich begangen worden ist. Auch deswegen vermisse ich die große Feierlichkeit von Fronleichnam und hoffe, sie bleibt uns in Zukunft erhalten. Doch die Zukunftsfrage des Fronleichnamsfestes (und für uns als Kirche insgesamt) ist nicht die äußerliche feierliche Gestaltung und Demonstration traditioneller Frömmigkeit, sondern: Überzeugt die „Marke“, die wir an diesem Fest zeigen, von innen heraus?

Der Werbefachmann erwähnte im Gespräch eine berühmte Schokoladenmarke und meinte: „Wenn du in die Schokolade hineinbeißt, dann hast du das Gefühl, der Josef steht neben dir.“ (Josef, so heißt der Konditormeister, der die Schokolade erfunden hat). Ich musste schmunzeln und antwortete: „So kurz und knackig hat mir noch nie jemand das Sakrament der Eucharistie erklärt.“

Wir tragen in der Monstranz den Leib Christi durch die Straßen. Die eigentliche „Monstranz“ (von lat. „monstrare“ - zeigen) und der eigentliche Leib Christi sind wir selbst. Was zeigt unser Leben von der lebendigen Wirklichkeit Jesu Christi, des Auferstanden?

Wer das Sakrament der Eucharistie empfängt, wer das Fronleichnamsfest erlebt und mitfeiert, vor allem aber, wer uns Christinnen und Christen als lebendige „Monstranz“ begegnet, muss dabei etwas Lebendiges und Wirkliches von Jesus erfahren. Bitte mehr von Jesus - das ist die Marke der Zukunft.

Fabian Jochum
Pfarrer im Dom St. Nikolaus Feldkirch
und Jugendseelsorger

(aus dem KirchenBlatt Nr. 22 vom 3. Juni 2021)